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Eindrucksvoll: Während des Alpenregionstreffens stand die hölzerne Figur des Schmied von Kochel vor dem Waakirchner Festzelt.

Figur steht künftig in Niederbayern

Gebirgsschützen verschenken ihren Riesen-Schmied

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Der Schmied von Kochel geht auf Reisen: Die gewaltige Figur – einst ein Geschenk von Schnitzer Markus Trinkl an die Waakirchner Gebirgsschützen – findet im niederbayerischen Aidenbach eine neue Heimat.

Waakirchen – 4,50 Meter hoch, gut zweieinhalb Tonnen schwer: Der von dem Wiesseer Markus Trinkl geschaffene Schmied von Kochel war im wahrsten Sinne eine Riesenüberraschung für die Waakirchner Gebirgsschützen. Es war ein Präsent anlässlich des Alpenregionstreffens, das die Kompanie im Sommer 2016 ausgerichtet hat. Damals stand die Figur des sagenumwobenen Volkshelden prominent platziert vor dem Waakirchner Festzelt.

„Das war das Tüpferl aufs i und eine Riesenfreud’“, sagt Hauptmann Martin Beilhack rückblickend. Dennoch will sich die Kompanie von ihrem Schmied – der Sage nach Anführer des Bauernaufstandes von 1705 – dauerhaft trennen. Heute, Samstag, wird das wuchtige Denkmal in Waakirchen auf einen Tieflader verfrachtet und nach Aidenbach im Landkreis Passau transportiert.

„Da gibt es eine tiefe historische Verbindung“, erklärt Beilhack. So wird Aidenbach in den bayerischen Geschichtsbüchern in einem Atemzug mit der Sendlinger Mordweihnacht genannt. In dem niederbayerischen Ort fand der Volksaufstand gegen die kaiserlichen Besatzungstruppen endgültig sein barbarisches Ende. Mehr als 4000 Bauern und Handwerker sollen damals in Aidenbach niedergemetzelt worden sein.

Während die Gebirgsschützen aus dem Oberland jedes Jahr an Heiligabend in Waakirchen der schrecklichen Geschehnisse von Sendling gedenken, erinnern die Aidenbacher alle zwei Jahre mit einem historischen Freilichtspiel an die Schlacht im eisigen Winter 1706. Längst gibt es gegenseitige Besuche zu den jeweiligen Terminen.

„Wir haben eine lange und sehr gute Verbindung zu den Gebirgsschützen“, bekräftigt Aidenbachs Bürgermeister Karl Obermeier. Eine Freundschaft, die anlässlich der diesjährigen Freilichtspiel-Saison weiter gefestigt und offiziell besiegelt werden soll. Eine zentrale Rolle kommt dabei dem hölzernen Schmied von Kochel zu, den die Aidenbacher auf dem Marktplatz aufstellen und im Beisein einer Gebirgsschützen-Abordnung aus dem Oberland offiziell enthüllen wollen. Geplant ist der Akt für den 8. Juli – dem ersten von insgesamt fünf Spielterminen in Aidenbach (weitere Aufführungen gibt’s am 14., 15., 21. und 22. Juli).

Während die Figur zunächst also als Wahrzeichen der Freilichtspiele dient, könnte sie langfristig Teil einer historischen Ausstellung werden. „Wir planen ein Dokumentations-Zentrum über den bayerischen Volksaufstand von 1705/1706“, berichtet Obermeier. Da wäre der Schmied von Kochel bestens aufgehoben, zumal die geschnitzte Statue dann auch überdacht und somit vor Witterungseinflüssen ausreichend geschützt wäre.

Derzeit nämlich fristet der Volksheld ein eher stiefmütterliches Dasein. Seit dem Alpenregionstreffen ist er beim Waakirchner Bauhof stationiert, von wo er heute auf Reisen geht. Ist die Trennung nicht ein wenig bedauerlich für die Waakirchner? „Da wohnen schon zwei Seelen in meiner Brust“, räumt Beilhack ein. Er tröste sich aber damit, dass der Schmied in Aidenbach einen besonders schönen Platz bekomme. „Und wir haben ja schon das Oberländerdenkmal“, fügt der Hauptmann hinzu.

Auch für den Künstler selbst geht die Weitergabe seines Geschenks in Ordnung. „Es besteht ja ein enger Kontakt zu dem Ort“, meint Markus Trinkl. Und wichtig sei ja schließlich der Gedanke, der hinter dem Denkmal stecke, und nicht der Standort.

gab

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