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Blick auf Waakirchen von Westen: Über die Felder und Wiesen rechts könnte eine Südumfahrung führen. Jetzt soll ein weiteres Gutachten die ökologische Machbarkeit prüfen. 

Waakirchner Gemeinderat fasst Beschlüsse zum Verkehr

Südumfahrung nur mit Tunnel

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Der Gemeinderat Waakirchen hat weitere Entscheidungen in Sachen Verkehr getroffen, aber noch keine definitive Lösung beschlossen. Zentraler Punkt: Er lehnt eine ebenerdige Südumfahrung des Ortes ab.

Waakirchen Der Gemeinderat Waakirchen hat weitere Entscheidungen in Sachen Verkehr getroffen, aber noch keine definitive Lösung beschlossen. Zentraler Punkt: Er lehnt eine ebenerdige Südumfahrung des Ortes Waakirchen, wie im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 vorgesehen, ab.

Sicherheitshalber las Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) den komplexen Sachverhalt bei der Sitzung am Dienstagabend von einem Zettel ab. Es war die Zusammenfassung der Klausur, zu der sich der Gemeinderat Ende November getroffen hatte. Ergebnis: Der Gemeinderat lehnt eine ebenerdige Südumfahrung von Waakirchen, wie sie der BVWP vorsieht, ab. Bevorzugt wird eine teils untertunnelte, teils in Trögen verlaufende Südumgehung, die auch der von der Gemeinde beauftragte Verkehrsexperte Helmuth Ammerl in seinem Gutachten als „Vorzugsvariante“ bezeichnet.

Weniger Verkehr durch Waakirchen: Gemeinde stellt sich auf langwierige Verfahren ein

Bei der Klausur, so Hartl, hätten die Vertreter des Staatlichen Bauamts Rosenheim aber klar gemacht, dass es für diese teurere Variante schon eine sehr gute Begründung bräuchte. Von rund 83,5 Millionen Euro Kosten ist die Rede für diese rund 2,7 Kilometer lange Trasse, die über knapp einen Kilometer komplett unterirdisch und sonst in einem Trog verlaufen würde. „Es wurde uns unmissverständlich erklärt, dass dies zwar theoretisch möglich, aber doch nicht sehr aussichtsreich wäre“, berichtete Hartl. Zweckdienlich sei jedoch ein Fachgutachten, das die ökologische Begründung liefern würde. Im Erfolgsfall käme es dann zu einer Neuberechnung von Kosten und Nutzen. „Somit“, sagte Hartl, „ist nicht mit einer kurz- oder mittelfristigen Umsetzung zu rechnen. Vielmehr muss man sich auf langwierige Verfahren einstellen.“

Was eine Umfahrung von Hauserdörfl betrifft, so müsse diese erst in die Fortschreibung des Ausbauplans für Staatsstraßen aufgenommen werden. Alternativ wäre es aber auch möglich, dass die Gemeinde selbst im Rahmen einer „kommunalen Sonderbaulast“ diese Umfahrung realisiert. Zur Umsetzung wäre ein Planfeststellungsverfahren nötig, das durchaus andere Trassen, wie sie bereits vom Verkehrsexperten Ammerl vorgeschlagen wurden, zur Folge hätte. Drei Millionen Euro würde jeder Kilometer Umfahrung derzeit kosten. Das Fazit: Eine solitäre Lösung nur für den Ortskern Waakirchen könne keinesfalls befürwortet werden.

Auch interessant: Oberland-Initiative blitzt wegen gemeinsamer Verkehrskonzepte ab

Verkehrsentlastung Waakirchen: „Ohne Hauserdörfl geht‘s nicht“

Mit ihren anschließenden Wortmeldungen unterstrichen die Gemeinderäte ihre Einigkeit: Man wolle sich nicht mit einer einfachen oberirdischen Lösung abspeisen lassen, während woanders millionenschwere Projekte möglich seien. „Die oberflächliche Lösung ist ökologisch nicht vertretbar“, sagte Rudi Reber, Bürgermeisterkandidat der ABV. Er war auch dafür, notfalls Gemeindegeld in die Hand zunehmen, um Hauserdörfl zu umfahren. „Falls wir den Ortskern Waakirchen entlasten wollen, geht’s ohne Hauserdörfl nicht“, so Reber.

Es gehe nur Zug um Zug, inklusive einer Entlastung von Hauserdörfl, fand auch Norbert Kerkel, Bürgermeisterkandidat der FWG, Es könne keine Lösung geben, die die einen vor Verkehr verschone, aber vor der Haustür anderer vorbeiführe. Für Andreas Hagleitner (FWG) war klar: Waakirchen wolle eine Verbesserung der Situation, und dies sei mit einer oberirdischen Umfahrung von Waakirchen nicht der Fall.

Balthasar Brandhofer (ABV) erinnerte zunächst grundsätzlich daran, dass eine Südumfahrung nicht von der Gemeinde, sondern vom Staatlichen Bauamt für den BVWP beantragt worden war. Eine teils eingetunnelte Lösung lehne er aber ab. „Wir bekämen im Süden einen Damm mit teils vier bis fünf Metern Höhe, was ein enormer Eingriff in die Landschaft wäre.“ Zudem verwies er auf die 3500 Unterschriften, die gegen diese Trasse vorlägen. Darum gebe es von ihm keine Befürwortung dieser Trasse, „ohne wenn und aber.“

Drei Beschlüsse wurden dann gefasst: Einstimmig wurde die ebenerdige Südumfahrung abgelehnt. Gegen die Stimme Brandhofers wurde die Verwaltung beauftragt, Angebote zur Erstellung eines ökologischen Gutachtens für einen Südumfahrungs-Tunnel einzuholen. Drittens

solle sich die Gemeinde bemühen, dass die Umfahrung von Hauserdörfl in den Straßenausbauplan aufgenommen werde. Auch dafür stimmten alle.

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gr

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