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In Reue geeint: Balthasar Brandhofer und Sepp Hartl.

Nach falscher Erklärung von Hartl

„Knallhart angelogen“: Gemeinderat greift Bürgermeister scharf an - und bereut das sofort

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Auf die missglückte Erklärung in der Bürgerversammlung folgen schwere Vorwürfe im Gemeinderat. Balthasar Brandhofer (ABV) geht mit Bürgermeister Hartl (FWG) hart ins Gericht - und bereut nun genauso am Tag danach.

WaakirchenLeidenschaftlich, verletzlich, bisweilen überschäumend: Bürgermeister Sepp Hartl und Balthasar Brandhofer haben einiges gemeinsam. Sie sind politische Weggefährten und Konkurrenten. Aktuell kandidieren beide für einen Sitz im Bezirkstag. Hartl ist der FWG-Kandidat, Brandhofer geht für die Bayernpartei ins Rennen. 

Am Waakirchner Ratstisch sitzt Brandhofer als Teil der Aktiven Bürgervereinigung (ABV). Die Erklärung, die er dort am Ende der Sitzung verlas, sei aber „ganz persönlich“, machte er deutlich. Er müsse loswerden, was ihn drückt, auch wenn mancher ihm dies vielleicht übelnehme. 

Was Brandhofer so bewegt, hat er in einem Artikel unserer Zeitung gelesen: Rathaus-Chef Hartl hat bei der Bürgerversammlung die Stellungnahme der Gemeinde zum Tauschgeschäft für den Erwerb von Gewerbegrundstücken als die des Landratsamtes als Rechtsaufsichtsbehörde ausgegeben. Ein Fehler, den Hartl im Nachgang freimütig eingeräumt hat – als „Blödheit im Redefluss“. Er habe die Bürger aber nicht vorsätzlich in die Irre führen wollen.

Das ließ Brandhofer nicht gelten. Hartl habe die Bürger und auch den Gemeinderat „ganz knallhart angelogen“ und dem Ansehen des Gemeinderates damit großen Schaden zugefügt. „Wer soll uns noch vertrauen?“, fragte Brandhofer. Mit dieser Aktion sei der Bogen überspannt. Er habe sich nach der Lektüre des Zeitungsberichts „furchtbar gefühlt“, ließ Brandhofer wissen. „Lass’ Dir was einfallen, wie Du das Vertrauen der Bürger wieder gewinnst“, forderte er Hartl auf.

Der blieb gelassen. Brandhofer habe das Recht, dies zu sagen. „Ich stehe zu meinem Fehler. Für den kriege ich jetzt halt Prügel“, meinte der Bürgermeister und erklärte den Hergang des Desasters.

Auslöser war ein Antrag an die Bürgerversammlung, der die Offenlegung des Tauschhandels für den Erwerb von Gewerbeflächen forderte. Einer der beiden Geschäftspartner der Gemeinde ist FWG-Gemeinderat Andreas Hagleitner, was für Spekulationen sorgt. Hartl hatte diesen Antrag mit der Bitte um Prüfung ans Landratsamt weitergeleitet. Als Antwort erhielt er ein vierseitiges Schreiben von Abteilungsleiter Stefan Köck zur Zulässigkeit der beantragten Auskunft.

In einer eilig einberufenen Sitzung beschloss der Gemeinderat, dass Hartl bei der Bürgerversammlung eine Kurzfassung dieses Schreibens verlesen soll. Daneben war eine darüber hinausgehende Stellungnahme des Bürgermeisters zu den im Ort kursierenden Vorwürfen vorgesehen. Die Erklärung formulierte ein Jurist, nämlich CSU-Gemeinderat Robert Englmann.

Bei der Bürgerversammlung leistete sich Hartl dann einen dicken Fauxpas: Er behauptete, Abteilungsleiter Köck habe die soeben verlesene Erklärung unterschrieben. „Ich hätte klarstellen müssen, dass es eine Einschätzung von mir war“, meinte Hartl. Aber: Jeder könne mal einen Fehler machen. Es bedeute nicht, dass damit die Glaubwürdigkeit abhanden komme: „Ich denke, das sehen die Bürger auch nicht so.“ Dass Brandhofer ihm das Vertrauen entziehe, damit müsse er leben, merkte Hartl an. Dieser könne das sicher auch im Wahlkampf verwenden: „Das ist Politik.“

Monika Marstaller (FWG) zeigte sich von „Hausls Rede“ überrascht. Nach ihrem Gefühl lüge der Bürgermeister nicht, weshalb es nicht richtig sei, dies zu behaupten. „Dass manches komisch rüberkommt bei ihm, ist halt seine Art“, meinte Marstaller. Sie könne nicht verstehen, dass Brandhofer das Ganze angesichts der aufgeheizten Lage auch noch in Anwesenheit der Presse aufkoche.

Zur Seite sprang Brandhofer nur Martin Weingärtner (ABV). Auch er sei sehr enttäuscht, ließ er Hartl wissen. Unterdessen versuchten seine Kollegen am Ratstisch, zu beschwichtigen und die Aufmerksamkeit auf andere Themen zu lenken.

Von Lüge will Brandhofer inzwischen auch nicht mehr sprechen. Am Morgen nach der Sitzung bekundet er Reue. Noch während der Sitzung hätte er das Gesagte gerne zurückgenommen, erklärt Brandhofer. Aber Hartl habe ihm ja das Wort nicht mehr erteilt. Den Bürgermeister als Lügner hinzustellen, sei ein Fehler gewesen, so Brandhofer. Seine Erklärung dafür? Es ist die gleiche, die auch Hartl bemüht: „Das ist im Redefluss passiert.“

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