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Auf dieser Wiese in Schaftlach sollen Sozialwohnungen entstehen, die zunächst für Asylbewerber zur Verfügung stehen.

Gemeinde will sie später Einheimischen zur Verfügung stellen

Wohnhäuser für Flüchtlinge: Offene Fragen verzögern Pläne

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Waakirchen - Zwei Wohnhäuser im Landhausstil, zwei gute Zwecke. Die Häuser sollen erst als Flüchtlingsunterkunft dienen und danach Sozialwohnungen bieten. Mit dem Bau ist erst im Frühjahr zu rechnen.

„Wir haben da jetzt eine Vorreiterrolle“, sagt Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl (FWG). Was bedeutet, dass es noch keine Beispiele gibt, an denen sich Waakirchen orientieren könnte. Die Idee ist: Statt eine große Containeranlage für Asylsuchende in Schaftlach aufzustellen, will die Gemeinde auf die Schnelle zwei Wohnhäuser in Fertigbauweise hochziehen lassen, eines in Schaftlach, eines in Waakirchen.

In jedem Haus sollen etwa 30 Asylsuchende unterkommen. Wenn die Neubauten nicht mehr als Flüchtlingsheime gebraucht werden, sollen dort Einheimische mit kleinem Einkommen einziehen können. Gedacht ist an sechs Wohnungen pro Haus mit einer Größe von je 50 Quadratmetern, ideal vor allem für Senioren mit kleiner Rente.

Inzwischen hat sich der Ortsplanungsausschuss mit konkreten Entwürfen befasst. Gefallen fanden sie noch nicht. Denn so einfach ist es nicht, beide Zwecke – also Asylbewerberheim und Sozialwohnungen – unter einen Hut zu bekommen. Noch tüftele man an dem Problem, wie die Nachfolgenutzung – also die Umwandlung in Sozialwohnungen – mit möglichst geringem Aufwand umzusetzen sei, erklärt Hartl. Der ursprüngliche Zeitplan ist darum nicht zu halten. Eigentlich sollten die Häuser schon zum Ende dieses Jahres stehen. „Aber das verschiebt sich bis März/April“, meint Hartl. Man arbeite aber mit Hochdruck daran, bei der nächsten Waakirchner Gemeinderatssitzung am 20. Oktober zumindest das Genehmigungsverfahren für eines der beiden Häuser auf den Weg zu bringen.

Es wird das in Schaftlach sein. Denn dort hat die Gemeinde mit der Fläche am Michael-Schreiber-Weg bereits ein Grundstück. In Waakirchen wird noch eine passende Fläche gesucht. Es bleibt auch abzuwarten, wie streng der Winter wird. Bei günstigen Wetterbedingungen können die Fertighäuser sehr schnell aufgestellt werden.

Für den Plan, die Ziele Flüchtlingsunterkunft und sozialer Wohnungsbau zu vereinen, hat Hartl schon viel Zuspruch bekommen. Aber er muss auch Kritik einstecken. Von Reiner Bolle aus Marienstein etwa, der davon überzeugt ist, dass die Gemeinde Waakirchen mit dem Projekt Einheimische faktisch gegenüber den Flüchtlingen benachteilige. „Bevor irgendwann mal die Flüchtlingswohnungen den Einheimischen zu Gute kommen werden, dürften Jahre vergehen. Wenn es überhaupt jemals dazu kommt“, meint Bolle, der bei der Bundestagswahl 2013 für die Afd (Alternative für Deutschland) kandidiert hatte. Inzwischen ist er aus der Partei ausgetreten und politisch nicht mehr aktiv, wie er sagt. Aber der Mariensteiner macht sich für Transparenz in der Politik stark. Vor einer so wichtigen Entscheidung wie der zum Bau der beiden Häuser müssten die Bürger befragt werden, findet Bolle. Weil jeder Euro nur einmal ausgegeben werden könne, werde das Projekt zu Lasten der Einheimischenprogramme gehen, glaubt er.

„Das ist doch an den Haaren herbeigezogen“, meint Hartl dazu. Das Schaftlacher Grundstück sei nie für ein Einheimischenprogramm vorgesehen gewesen, erinnert Hartl. Ursprünglich sollte es eine Friedhofserweiterung ermöglichen, die nun wegen des Trends zur Feuerbestattung nicht gebraucht werde. Nun könne die Gemeinde dort auf längere Sicht sozialen Wohnungsbau ermöglichen. In der Gemeinde rege sich auch kein Widerstand gegen dieses Projekt, abgesehen von Bolle und einer weiteren Person: „Aber natürlich hat man nie 100 Prozent Akzeptanz.“ Er appelliere an die Menschlichkeit und die Nächstenliebe, fügt Hartl hinzu: „Im Krieg haben andere Länder unsere Leute aufgenommen, die geflohen sind. Das wird heute oft vergessen.“

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