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Der Untreue-Prozess gegen eine frühere Mitarbeiterin der Sparkasse Waakirchen geht weiter.

“Waren mit Finanzen überlastet“

Sparkassen-Mitarbeiterin soll Kunden 130.000 Euro abgebucht haben - Ihr Anwalt zweifelt Zeugen an

Eine Sparkassenmitarbeiterin aus Gmund soll von ihren Kunden Geld in Höhe von 130.000 Euro veruntreut haben. Ihr Anwalt zweifelt die Belastungszeugen an.

Update vom 19. Juli: Waakirchen – Der Vorwurf wiegt schwer: Rund 130 000 Euro soll die ehemalige Mitarbeiterin der Waakirchner Sparkassen-Filiale im Zeitraum zwischen 2013 und 2016 unterschlagen haben. Insgesamt vier Kunden waren betroffen. Die Gmunderin (51) selbst, die sich seit Kurzem in Miesbach vor dem Schöffengericht verantworten muss, bestreitet alle Vorwürfe. Mittlerweile wurden weitere Zeugen gehört.

Zur Aussage einer 59-jährigen Zeugin aus Waakirchen am ersten und zweiten Prozesstag, nahm gestern zunächst die Verteidigung der Angeklagten Stellung: Michael Barleben bezeichnete die Aussagen vor dem Schöffengericht als „faktisch wertlos“. Die Frau aus Waakirchen habe ihre eigenen Unterschriften auf den ihr vorgelegten Belegen zweifelhaft bewertet. Zudem sei sie „mit ihren Finanzen vollkommen überlastet“, sagte der Verteidiger. Die Sparkasse habe sie darüber hinaus vor der polizeilichen Aussage entschädigt. Es liege nahe, dass die Zeugin dadurch bei ihren Aussagen beeinflusst wurde.

Auch eine Hebamme aus München (54), Betreuerin und Patenkind eines der Opfer, schilderte den Ablauf der Geschehnisse aus ihrer Sicht: Ihre mittlerweile verstorbene Patentante sei ab 2013 zunehmend dement geworden und habe den Überblick über ihre Finanzen verloren. „Ich selbst hatte keinen genauen Einblick auf das Bankkonto“, erklärte die Zeugin. Jedoch seien die tatsächlichen Ausgaben nicht mit dem eigentlichen Geldbedarf der alten Frau vereinbar gewesen, erklärte die 54-Jährige. Dennoch habe sie nie einen echten Verdacht gehabt: „Ich habe damals die Schuld eher bei mir gesucht“, meinte die Zeugin. Trotz der Demenz-Erkrankung seien die Unterschriften ihrer Patentante immer sehr gut erkennbar gewesen. „Aber die Unterschrift ist auch nicht so schwer zu fälschen“, behauptete die Frau.

Im Nachgang einer Beschwerde eines der Opfer hatte die Bank 2016 eine hausinterne Sonderprüfung in der Waakirchner Filiale durchgeführt. Eine Prüferin (24) schilderte die Auffälligkeiten. Drei der Opfer hätten zum selben Zeitpunkt überflüssigerweise Kontokarten bestellt. „Die Funktion dabei hat sich eigentlich nicht erschlossen“, berichtete die 24-Jährige. Verantwortlich für die Bestellungen sei die Angeklagte gewesen. Außerdem habe man nach der Kündigung der Gmunderin keine fragwürdigen Kontoaktivitäten mehr festgestellt. Auch der 41-jährige ehemalige Vorgesetzte der Angeklagten berichtete von „untypischen Abbuchungen“.

Für die Verhandlung sind zwei weitere Termine angesetzt. Das Urteil des Vorsitzenden Richters Walter Leitner steht weiter aus.

Ursprünglicher Artikel vom 2. Juli 2019

Waakirchen Wegen Untreue muss sich die 51-Jährige vor dem Schöffengericht in Miesbach verantworten (wir berichteten). Der Prozess ging gestern in die zweite Runde. Die Frau aus Gmund soll im Zeitraum von 2013 bis 2016 als damalige Mitarbeiterin der Sparkassen-Filiale in Waakirchen insgesamt mehr als 130 000 Euro von vier verschiedenen Kunden unterschlagen haben. Das Geld soll sie abgehoben und anschließend auf Konten von ihr selbst und Familienangehörigen bar eingezahlt haben. Die Vorwürfe stützen sich auf Aufnahmen der Videoüberwachung und teils fehlende, teils abweichende Kundenunterschriften auf Belegen und Empfangsbestätigungen von Geldkarten.

Sichtlich mitgenommen meldete sich die 51-Jährige gestern doch selbst zu Wort. „Ich gestehe nichts ein. Ich habe immer gemacht, was der Kunde wollte.“ Sie habe niemals Unterschriften gefälscht oder Geld veruntreut, beteuerte sie weiter. Sie schloss sich ihren Rechtsanwälten Michael Barleben und Isabella Komm an, die am ersten Verhandlungstag die Opfer selbst für vermeintliche Fehlbeträge verantwortlich gemacht hatten.

Ein Miesbacher (81) soll eines der Opfer sein. Er stellte vor den Schöffen und Richter Walter Leitner fest, dass einige der Unterschriften auf Auszahlungsbelegen und Kartenbestellungen nicht von ihm stammten. Jedoch habe er sich im betreffenden Zeitraum den Arm gebrochen gehabt, weshalb einige Signaturen abweichen könnten. Dass Geld fehlt, sei ihm erst aufgefallen, als er sich ein neues Auto habe kaufen wollen, sagte der Zeuge aus. Seine Nichte bestätigte das. Die 54-Jährige aus Wartmannsroth hatte sich in den vergangenen Jahren immer mehr um die Bankgeschäfte ihres Onkels gekümmert, erzählte sie. „Großes Geld hat gefehlt“, sagte sie aus.

Die Angeklagte schilderte, wie sehr sie auch die Ermittlungen mitgenommen hätten. Sie habe seit Jahren mit starken psychischen Problemen zu kämpfen. Sie schilderte ausführlich, wie sie im Dezember 2016 in eine psychische Ausnahmesituation geriet, als die Kripo zur Hausdurchsuchung zu ihr kam. Ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar (63) aus Miesbach bestätigte in seiner Aussage die drastische Schilderung der 51-Jährigen. Die Durchsuchung an sich blieb ergebnislos.

Lesen Sie auch: Hat ein Sparkassen-Kassier der Kirche das Klingelbeutel-Geld geklaut?

Ein früherer Kollege (49) der Angeklagten bezog sich vor allem auf Videoaufnahmen. Bei fragwürdigen Buchungen der Opfer sei häufig die Angeklagte am Terminal zu sehen: „Dass der Kunde am Schalter war, habe ich nicht gesehen.“ Die Gmunderin erklärte dagegen, „dass die Kunden oft woanders saßen“. Bei Auszahlungen habe sie ihnen das Bargeld häufig im Büro übergeben, außerhalb des videoüberwachten Bereichs. So habe man Diskretion wahren wollen. Das vermeintlich unterschlagene Geld auf den Konten ihrer Familie habe man geerbt, erklärte sie. Die Familie sei nicht in Geldnot gewesen.

Ein Urteil fiel gestern noch nicht: Für den Prozess ist ein dritter Termin angesetzt.

Von Timon Vossieg

Für Aufsehen sorgten nun auch mögliche Kündigungen von über 16.000 Sparkassen-Kunden

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