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„Ich mache mir täglich Sorgen“ - Wie eine Waakirchnerin ihre Kinder allein großzieht

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Tüchtige Mutter: Jessica Lindhamer (r.) zieht ihre Kinder Jamie (8) und Leonie (12) alleine groß. Sie arbeitet in einer Bäckerei. Durch ihren frühen Dienstbeginn um 4.30 Uhr morgens bringt sie Job und Familie unter einen Hut.
Tüchtige Mutter: Jessica Lindhamer (r.) zieht ihre Kinder Jamie (8) und Leonie (12) alleine groß. Sie arbeitet in einer Bäckerei. Durch ihren frühen Dienstbeginn um 4.30 Uhr morgens bringt sie Job und Familie unter einen Hut. © TP

Jessica Lindhamer sorgt alleine für zwei Kinder – und kommt dabei nur knapp über die Runden. Wie jede Mutter will sie, dass es ihren Kindern an nichts fehlt. Sich selbst gönnt sie deshalb nicht einmal eine neue Brille. Menschen wie Lindhamer sind es, die wir mit unserer Aktion „Leser helfen Lesern“ unterstützen.

Waakirchen – Jessica Lindhamer sitzt mit ihren Kindern Jamie (8) und Leonie (12) am Tisch in ihrer Wohnung. Auf einem Teller hat sie Gebäck angerichtet. Lindhamer hat die Schmankerl ihrem Job in einer Bäckerei zu verdanken. Ihr Arbeitgeber gewährt den Mitarbeitern Vergünstigungen. Nicht das Einzige, wofür sie dankbar ist: „Mein Arbeitgeber nimmt auch viel Rücksicht auf meine Situation, sodass ich Job und Familie recht gut vereinbaren kann.“

Anders würde es auch gar nicht gehen: Lindhamer ist alleinerziehende Mutter. Um 4.30 Uhr hat sie Dienstbeginn in Schaftlach, ihr Wecker klingelt um 4 Uhr. „Der Vorteil ist, dass ich gegen Mittag fertig bin.“ So kann sie Jamie von der (kostenpflichtigen) Mittagsbetreuung abholen. Ein Bus bringt ihn zwar nach Unterrichtsschluss dorthin, aber nicht zurück.

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Waakirchnerin zieht Kinder alleine groß - Kein Unterhalt vom Vater

Allerdings ist der frühe Arbeitsbeginn auch kräftezehrend, zumal Lindhamer niemanden hat, der ihr im Alltag hilft. „Ich bin ständig müde und erschöpft“, sagt sie. „Die Kinder wollen am Nachmittag natürlich etwas unternehmen, im Winter Schlittenfahren. Es kostet mich viel Kraft, mich aufzuraffen.“ Ihr Ex-Partner leidet an einer Erkrankung, weshalb ein Wochenende beim Papa meist nicht drin ist. Darum bekommt Lindhamer auch keine Unterhaltszahlungen für ihre Kinder. Das Jugendamt leistet lediglich Unterhaltsvorschuss – eine Hilfe für Kinder von Alleinerziehenden, deren anderer Elternteil nicht leistungsfähig ist.

Aus Rücksicht auf Jamie und Leonie hat Lindhamer bislang Teilzeit gearbeitet. Vor allem Jamie braucht viel Zuwendung, da er unter der Trennung vom Vater leidet. Ab Januar wird sie trotzdem in Vollzeit arbeiten, um die Nebenkostenerhöhung zu stemmen, die sie wegen der gestiegenen Energiepreise bekommen hat. 1200 Euro Warmmiete zahlt sie jetzt statt wie bisher 900 Euro. „Es ist schwierig“, sagt Lindhamer. „Beide Kinder brauchen Klamotten, und sie wachsen extrem schnell.“ Zwar sucht sie gezielt nach Sport- und Winterkleidung aus zweiter Hand, aber sie findet nicht immer das, was die Kinder gerade brauchen. Jamie zum Beispiel spielt Fußball. Seit Kurzem findet das Training in der Halle statt, weshalb er jetzt auch Hallenschuhe braucht. Wie jedes Kind verlieren auch Jamie und Leonie mal eine Mütze oder einen Handschuh. Ersatz zu kaufen, fällt schwer.

Unsere Spendenaktion „Leser helfen Lesern“: die wichtigsten Infos im Überblick

Begünstigte: Von der Aktion „Leser helfen Lesern“ profitieren drei Organisationen. In Kooperation mit dem Verein „Holzkirchen hilft“ unterstützen wir Geringverdiener aus dem gesamten Landkreis, die wegen der hohen Energie- und Lebenshaltungskosten in Not geraten. Mit einem kleineren Teil des Erlöses werden außerdem der Bau eines Inklusions-Spielplatzes für Kinder mit und ohne Behinderung in Miesbach und der Besuchsdienst der Nachbarschaftshilfe Holzkirchen gefördert.

Spendenkonto 13 300: Spenden können auf das Konto 13 300 bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee (BLZ 711 525 70), IBAN DE04 7115 2570 0000 0133 00, eingezahlt werden – persönlich oder per Überweisung.

Spendenquittungen: Der Durchschlag der Überweisung wird bis zu einem Betrag von 300 Euro vom Finanzamt als Zuwendungsbestätigung anerkannt. Für Spenden über 300 Euro stellt das Landratsamt die Spendenquittungen aus. Spender werden gebeten, die vollständige Anschrift anzugeben.

Waakirchen: Kinder wünschen sich Kino- und Schwimmbadbesuch

Dabei handelt es sich dabei nur um das Nötigste. Wie gern würde sie mit ihren Kindern mal ins Kino oder Schwimmbad gehen! Und ihnen wenigstens an Weihnachten einen Wunsch erfüllen. „Sie sehen, wie andere Kinder Markenklamotten von Adidas und Nike tragen. Das wollen sie natürlich auch“, erzählt Lindhamer. Immer sagen zu müssen, dass das nicht geht, setzt ihr zu.

Ebenso die Sorge, ob ihr Auto, Baujahr 1999, noch weiter fährt. Schließlich braucht sie es, um zur Arbeit zu gelangen. „Zurzeit springt es nicht an, womöglich liegt es an der Zündkerze“, sagt Lindhamer. Erst kürzlich hatte sie den Auspuff reparieren lassen. Ein Bekannter hatte ihr das Ersatzteil zu einem Freundschaftspreis eingebaut – die Werkstatt wäre unbezahlbar gewesen. Und doch war deshalb im Sommer kein Zelt-Urlaub am Gardasee mehr drin.

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„Ich mache mir täglich Sorgen“: Alleinerziehende Mutter aus Waakirchen berichtet

„Ich mache mir täglich Sorgen“, sagt Lindhamer. Sie will gar nicht daran denken, dass sie eine neue Brille braucht. Und ein Smartphone für Leonie – die Kommunikation mit der Schule findet digital über den Schulmanager statt. „Schrecklich, diese Digitalisierung“, findet Lindhamer.

Fast ein Drittel kann unerwartete Ausgaben nicht bestreiten

Spendenaktion „Leser helfen Lesern 2022“

Menschen wie Jessica Lindhamer sind es, die der Miesbacher Merkur, Tegernseer Zeitung und Holzkirchner Merkur bei der diesjährigen Weihnachtsaktion „Leser helfen Leser“ unterstützt. Mehr zur Aktion finden in diesem Bericht.

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