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Kilian Schürger aus Waakirchen.

"Manchmal habe ich eine Gänsehaut bekommen"

Student schreibt Buch über Waakirchner Flüchtlinge

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Waakirchen - Was manche Asylbewerber auf ihrer Flucht erlebt haben, übersteigt jede Vorstellungskraft. Kilian Schürger aus Waakirchen hat sich diese Erlebnisse angehört - und sie in einem Buch aufgeschrieben.

Sie wurden geschlagen, beschossen und wären fast ertrunken. Die Geschichten, die die Waakirchner Asylbewerber Kiros Esyas (22), Kudos Measho (23) und Tesfay Fetwi (48) auf ihrer Flucht aus Eritrea erlebt haben, sind nichts für zarte Gemüter. Der Waakirchner Kilian Schürger (23), der in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurswesen studiert, hat sie sich dennoch angehört – und aufgeschrieben. 25 Fluchtgeschichten hat Schürger mit 23 Kommilitonen hat er im Projekt „Enactus KIT“ zusammengetragen und sie im Buch „Fluchtweg 25“ veröffentlicht. 2000 Stück haben die Studenten drucken lassen und dafür den Verein „Flüchtlingszeit“ gegründet. Wir haben mit Schürger über sein Engagement gesprochen.

Herr Schürger, wie bringt man einen Menschen dazu, über die schrecklichsten Erlebnisse seines Lebens zu erzählen? 

Kilian Schürger: Das kann man nicht pauschal sagen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Flüchtlinge sehr unterschiedlich auf meine Fragen reagiert haben. Während einige gleich von sich aus viel erzählt haben, wollten andere lieber nicht darüber reden. Auch die Sprache war hin und wieder ein Problem. Einige konnten kein Englisch. Dann haben aber oft ihre Freunde oder auch Security-Mitarbeiter in den Unterkünften übersetzt.

Wie ist es Ihnen eigentlich gelungen, mit diesen dramatischen Geschichten und Szenen umzugehen? 

Schürger: Das belastet einen natürlich schon. Manchmal habe ich auch eine Gänsehaut bekommen. Vor allem, wenn die Flüchtlinge zu weinen angefangen haben. Aber man lernt, damit umzugehen. Auch das Aufschreiben der Geschichten hat mir dabei geholfen. Zudem haben wir die Erzählungen mit Fakten unterfüttert.

Inwiefern das? 

Schürger: Indem wir versucht haben, die Fluchtrouten geografisch nachzuvollziehen. Nicht alle Flüchtlinge konnten sich im Detail an ihren oft mehrere tausend Kilometer langen Weg erinnern. Erst recht nicht, wenn sie traumatisiert waren. Dann haben sie oft ziemlich diffus erzählt. Das hat uns aber auch gezeigt, wie sehr sie diese Erlebnisse bewegt haben.

Wie geht es bei Ihnen persönlich weiter? 

Schürger: Ich widme mich jetzt erstmal wieder voll meinem Studium. Weil ich mittlerweile im fünften Semester angekommen bin, stehen noch einige Prüfungen und die Bachelorarbeit an. Da wir bereits drei Viertel von den 2000 Büchern verkauft haben, wollen wir mit dem erwirtschafteten Geld ein neues nachhaltiges Projekt zu starten, mit dem Flüchtlingen bei der Integration geholfen wird.

Das Buch „Fluchtweg 25“ kostet 9,95 Euro und kann unter fluechtlingszeit.de/shop/buch/ bestellt werden.

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