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Entlastung durch eine Umgehung braucht nach Überzeugung der Bürgerinitiative nicht nur Waakirchen, sondern auch Hauserdörfl – hier ein Foto vom Kreisel.

„Weiteres Abwarten ist im Hinblick auf die Risiken der Durchgangsstraßen geradezu fahrlässig“

Appell an Gemeinderat: Waakirchner Bürgerinitiative Verkehr fordert Entscheidung

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Die Bürgerinitiative Verkehr will endlich Taten sehen. Der Gemeinderat Waakirchen möge sich für eine Umgehungs-Variante entscheiden.  

WaakirchenGenug gewartet, findet die Bürgerinitiative „Verkehr in der Gemeinde Waakirchen“. Seit Juli 2018 lägen alle Fakten auf dem Tisch, erinnert die Gruppierung. Damals stellte das Staatliche Bauamt Rosenheim den Waakirchnern neun Möglichkeiten zum Bau einer Umgehung oder eines Tunnels vor. Seit diesem Info-Abend liegt der Ball beim Gemeinderat. Er muss sich für eine der Alternativen entscheiden und damit den Startschuss für eine konkrete Planung geben. Für Juli war diese Entscheidung angekündigt, dann wurde auf September, Oktober und schließlich November verschoben (wir berichteten). Die Geduld der Initiative ist zu Ende.

„Ein weiteres Abwarten ist im Hinblick auf die Risiken der Durchgangsstraßengeradezu fahrlässig“, erklären Gerhard Voit und Hans Gschwandtner als Vertreter der Bürgerinitiative in einem Schreiben an Bürgermeister Sepp Hartl und den Gemeinderat. Zur heutigen Sitzung hat die Gruppierung einen Antrag gestellt. Ihre Forderung: Am Termin für die Präsentation der Wunschtrasse darf nicht mehr gerüttelt werden. Die Veranstaltung müsse „definitiv im November“ über die Bühne gehen.

Waakirchner Bürgerinitiative Verkehr will mehr Information

Gleichzeitig wünscht sich die Initiative mehr Information. Bekannt ist derzeit lediglich, dass die Gemeinde den Fachberater Helmuth Ammerl vom Büro Obermeyer beauftragt hat, die optimale Möglichkeit zur Entlastung von Waakirchen und Hauserdörfl vom Verkehr zu untersuchen. Eine schlichte Erklärung, mit der sich die Bürgerinitiative nicht abspeisen lässt. „Wie lauten die konkreten Aufträge an das Planungsbüro Obermeyer und was sind die Gründe für die laufenden Verzögerungen?“, wollen Voit und Gschwandtner wissen. Die Gemeinde möge alle Informationen zum Thema Ortsumfahrung Waakirchen auf ihrer Homepage veröffentlichen.

Zudem bittet die Bürgerinitiative um einen Sachstandsbericht. Welche Gespräche mit Politikern oder den zuständigen Verwaltungsstellen haben die Verantwortlichen im Rathaus schon geführt? Gibt es erste Erfolge, zum Beispiel bei der Zusicherung weiterer finanzieller Mittel für Lärmschutzmaßnahmen?

Fragenkatalog der Bürgerinitiative Verkehr wird Thema der Gemeinderatssitzung

Den Fragenkatalog wird Bürgermeister Hartl bei der heutigen Beratung – Beginn 19 Uhr im Sitzungsraum Feuerwehrhaus – verlesen. Viel zu sagen gebe es nicht, meint er. Die Gemeinde warte auf das Ergebnis von Ammerls Analyse. Der Planer befinde sich bis Mitte Oktober im Urlaub. Danach werde Ammerl dem Gemeinderat seine Ergebnisse in nicht öffentlicher Sitzung vorstellen. Darauf folge die öffentliche Präsentation der bevorzugten Variante. Für den November-Termin sei noch kein Datum gesetzt, aber er werde stattfinden, versichert Hartl.

Klar ist: Der Gemeinderat steht vor einem Dilemma. Die im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 grob skizzierte Südumgehung stößt bei vielen Bürgern auf Widerstand. 3500 Unterschriften für einen Tunnel machen das deutlich. Ein Tunnelbau wiederum ist so teuer, dass die im BVWP fixierten Mittel nicht ausreichen.

Während die Bürgerbewegung „Entlastung der B 472“ pro Tunnel und gegen eine Umgehung kämpft, will die Bürgerinitiative „Verkehr in der Gemeinde Waakirchen“ eine möglichst schnelle Verkehrsentlastung. „Waakirchen sollte sich auf Lösungen konzentrieren, die im Rahmen des BVWP 2030 realisiert werden können“, urteilt der Initiative. Ihre Vertreter haben die neun vom Staatlichen Bauamt vorgelegten Varianten bereits vor einem Jahr in eigener Regie untersucht. Fazit: Zwei Varianten einer Südumfahrung wären grundsätzlich geeignet. Die beste Lösung sei aber nur durch Optimierungsmaßnahmen wie zusätzlichen Lärmschutz und die Anbindung einer Ortsumfahrung von Hauserdörfl zu erreichen.

Bürgerinitiative Verkehr sieht Tunnel als schlechtere Lösung 

Gegen einen Tunnel sprechen nach Überzeugung der Initiative die hohen Kosten – 116 Millionen Euro sind geschätzt –, die lange Planungs- und Bauphase, aber auch der ökologische Aspekt des gewaltigen Baus unter der Erde. Es gelte, die Ortsdurchfahrten in Waakirchen (B472) und Hauserdörfl (St.2365) zu ändern, um die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen. Es sei an der Zeit: „Die Ortsdurchfahrten stammen praktisch noch aus der Postkutschenzeit.“

Lesen Sie auch: Tunnel oder Umgehung für Waakirchen? Neues Gutachten statt Entscheidung

Bürgerinitiative Verkehr: Das Machbare anstreben

Umfahrung oder Tunnel für Waakirchen? Teuerste Variante kostet 116 Millionen Euro

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