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Miteinem Ratsbegehren will Bürgermeister Sepp Hartl (l.) die Planung zur Dorfmitte retten. An seiner Seite: Daniel Schreyer von Hendricks & Schwarz

Vor dem Bürgerentscheid 

Waakirchner Dorfmitte: 65 000 Euro für Info-Offensive - aber von Annäherung keine Spur

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Eine teure Info-Offensive soll die Bürger vom Konzept Waakirchner Dorfmitte überzeugen. Doch ein Dialog mit den Vertretern des Bürgerbegehrens gelingt nicht. Einladungen liefen ins Leere.

+++ Bürgerentscheid in Waakirchen zur Dorfmitte: Ergebnis und Infos im Live-Ticker +++

Waakirchen – Am  Samstag ist wieder Ortsbegehung zum Projekt Dorfmitte, nun zum dritten Mal. Um 10 Uhr Treff am Waakirchner Maibaum, bis 12 Uhr erläutern Architekt Hans Hagleitner und Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) allen Interessierten die Pläne für ein Wohnbauprojekt in Waakirchens Mitte. Knapp 30 bezahlbare Wohnungen in fünf Häusern sind geplant, dazu Läden, Büros, eine Tiefgarage und ein großzügiger Dorfplatz. „Ein bäriges Projekt ist das“, sagt Bürgermeister Hartl. Jahrelang hat der Gemeinderat daran gefeilt und um Zuschüsse gerungen. Günstigen Wohnraum mitten im Ort schaffen, das ist das Ziel. Vor allem Senioren sollen hier komfortabel und barrierefrei wohnen können, aber auch Familien.

Doch nicht alle Waakirchner teilen die Begeisterung für die Idee. Michael Futschik startete ein Bürgerbegehren und setzte einen Entscheid durch. Seine Forderung: Die Planung soll ganz von vorn beginnen. Futschik will einen Ideenwettbewerb und einen intensiven Dialog mit den Bürgern.

Zuvor war Futschik mit diversen Anträgen gescheitert. Die von ihm geforderte Bürgerwerkstatt organisierte er schließlich als Privatmann. Im Mai 2018 gab es einen einzigen Termin unter der fachlichen Leitung des Büros Identität & Image. Auf den Kosten in Höhe von 3199,79 Euro blieb Futschik größtenteils sitzen. Die Gemeinde schoss 500 Euro zu.

Mit dem Entscheid am Sonntag, 7. Juli, könnte Futschik die Planung kippen. Der Gemeinderat will sie mit einem Ratsbegehren retten. Im Vorfeld des Entscheids setzt er alles daran, die Bürger zu überzeugen. Damit das gelingt, hat der Gemeinderat seinerseits ein Fachbüro engagiert, das Münchner Unternehmen Hendricks & Schwartz. Insgesamt 65 000 Euro sind dafür fällig.

Der Auftrag des Büros erschöpft sich nicht darin, die Position der Gemeinde darzustellen. Auch dieInitiatoren des Bürgerbegehrens sollen die Gelegenheit bekommen, ihre Argumente darzulegen. „Bürgerdialog Waakirchen“ ist die Veranstaltungsreihe überschrieben. Aber: Futschik war nur bei der Auftaktveranstaltung dabei, nicht aber bei den Ortsbegehungen und Stammtischen. Auch zum heutigen Ortstermin und zur Abschlussveranstaltung am Donnerstag, 4. Juli, ab 19.30 Uhr in der Turnhalle, wird er nicht kommen. „Das ist sehr schade“, findet Philipp Heimerl, Consultant bei Hendricks & Schwarz. „Aber mehr als anbieten können wir es nicht.“ Sein Büro habe die Termine eigentlich mit Futschik abgesprochen.

„Ich habe mich jetzt aus allem rausgehalten“, erklärt Futschik. Er sehe keinen Sinn darin, an der Info-Tour teilzunehmen. Was nutze es schon, mit dem Architekten über die Pläne zu reden? Die Gemeinde wolle lediglich über Details wie die Nutzung der Flächen in den Erdgeschossen der Häuser und die Platzgestaltung diskutieren, aber nicht am Konzept rütteln. „Das ist kein Dialog“, urteilt Futschik.

Er findet die geplante Bebauung zu massiv und will völlig neu überlegen. Auch, ob die Wiese zwischen Kreissparkasse und Kirche besser einfach grün bleibt. Mit der externen Beratung, so Futschik, versuche die Gemeinde nur, den Entwurf von Architekt Hagleitner zu vermarkten – alternativlos.

Doch auch wenn Vertreter des Bürgerbegehrens bei den Info-Veranstaltungen fehlen: Kurz vor dem Votum bekommen die Bürger alle Argumente frei Haus geliefert. Parallel mit den Briefwahlunterlagen lässt die Gemeinde Broschüren mit Informationen zum Bürgerentscheid an alle Haushalte verteilen. „Da bekommt auch das Bürgerbegehren Raum“, erklärt Geschäftsleiter Markus Liebl. Das sei rechtlich so vorgeschrieben.

Futschik hat seine Positionen schriftlich dargelegt und fordert, dass sie nicht nur Teil einer Broschüre sind, sondern auf einem Extra-Papier gedruckt werden. „Das geht sonst unter“, findet er. Seinem Wunsch wird die Gemeinde wohl nachkommen, „Wahrscheinlich gibt es sogar drei Broschüren“, berichtet Heimerl. Die dritte soll die Ergebnisse des Bürgerdialogs darstellen. Verteilt werden die Broschüren voraussichtlich nächste Woche. Die Finanzierung übernimmt die Gemeinde zur Gänze.

Lesen Sie den Bericht von der Bürgerversammlung: Planung stößt auf Widerstand.

Auch interessant: das Ergebnis der Bürgerwerkstatt.

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