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Scharfzüngige Rollenspiele: Kabarettist Ludwig Müller begeisterte das Publikum in Waakirchen.

Kabarett auf der Kleinkunstbühne

Mit Ludwig Müller quer durch die Döner-Monarchie

Waakirchen - In seinem Programm „Dönermonarchie“ zog Kabarettist Ludwig Müller gnaden- aber nicht lieblos über die österreichische Multikulti-Gesellschaft her.

Während einem im Kabarett ja oft das Lachen im Hals stecken bleibt, weil man sich ertappt fühlt, konnten sich die Zuschauer in Waakirchen entspannt von den Witzen des Österreichers Ludwig Müller unterhalten lassen. Schließlich drosch der auf der Tenne unserer Nachbarn, auch wenn durchaus Parallelentwicklungen zu entdecken waren.

Jedenfalls ist dem in München lebenden Kabarettisten, der mit dem Salzburger Stier, dem Passauer Scharfrichterbeil und dem „Kabarett-Koal“ der Wiener Stadtwerke ausgezeichnet wurde, in seiner Heimat nichts fremd. Als Vorsitzender des Vereins der Freunde des Schüttelreims („Nur wenig nützt ein Heilbad, wenn man im Kopf ein Beil hat“) legt Müller los, den Mikrokosmos seines ganz normalen Mietshauses auszuleuchten. Im multikulturellen Wiener Stadtteil Ottakring lebt er mit der Großfamilie Özcan, der „Informationsquelle“ Frau Láska, zwei fränkischen Studenten, dem Tiroler Vizeleutnant Hasengruber, dem kroatischen Universalhandwerker Mirko Vrbic, dem ewig hadernden Herrn Nagy aus Ungarn, dem feschen Tschechen Wesely und der Hauseigentümerin Freifrau Friederike von Hohenau harmonisch unter einem Dach.

Müller stellt sie seinem Publikum allesamt vor und plötzlich wird es gefühlsmäßig ziemlich voll auf der Bühne. In Sekundenschnelle springt Müller in die verschiedenen Rollen, wechselt die Charaktere, indem er Körperhaltung, Gestik und Mimik verändert und den jeweiligen Dialekt spricht. Alles auf der Suche nach den wirklichen, echten, wahren Österreichern. Nicht ganz einfach im Schmelztiegel der einstigen Donaumonarchie, zumal Müller sich eigentlich mit der Vorbereitung des internationalen Lyrikwettbewerbs der Raiffeisenkasse Pinsdorf beschäftigen sollte und sich unversehens als Nachhilfelehrer des halbstarken Murat Özcan wiederfindet.

Er kauderwelscht sich indisch, schwäbisch und bairisch durch seinen Bezirk, wo der „Kurde König“ ist und drei Fladenbrote nur einen Euro kosten und die Wiener, wenn es zu laut wird schreien: „Ruhe, wir wollen sterben.“

Wenn derartig verschiedenen Mentalitäten aufeinandertreffen, kann es politisch nicht immer korrekt zugehen. Die kaisertreue Vermieterin wünscht sich ein „inländerreines“ Haus, obwohl sie den „Braunauer Zwetschgen-Krampus“ nie gewählt hätte, weil Österreich schließlich vor dem Anschluss eine solide christlich soziale Diktatur gewesen wäre.

Durchsetzt mit Schüttelreinem, doppeldeutigen Wortspaltereien und akustischen Klang- und Wortgebilden wurde es auch schwarzhumorig: Frauen seien in ostanatolischen Dörfern ein Mittelding aus Frau und Nutztier. Und in Amstetten würden Hunde besser behandelt werden als Kinder. Autsch.

Müller spielt und witzelt sich durch die Kulturen und Zeiten, mimt Prinz Eugen von Savoyen im Großen Türkenkrieg und legt auch sonst seinen Finger in nationale Wunden: Er erinnert an Zeiten, da nicht alle Österreicher wussten, dass man Wein auch aus Trauben herstellen könne.

Beim großen Finale, als alle Mitbewohner des Mietshauses zum Lyrik-Wettbewerb antreten und sich noch einmal auf der Bühne versammeln, gibt es für das Publikum kein Halten mehr: Es klatscht und jubelt stürmisch.

Von Alexandra Korimorth

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