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Thront stolz an der Ortsdurchfahrt von Waakirchen: Der Löwe, der 1905 in Erinnerung an die Opfer der Sendlinger Mordweihnacht errichtet wurde.

Gebirgsschützen treffen sich am 24. Dezember

Der Waakirchner Löwe: Ein Mahnmal und Meisterstück seiner Zeit

Auch dieses Jahr rücken am 24. Dezember wieder Gebirgsschützen aus dem ganzen Oberland aus, um unter anderem an die Gefallenen der Sendlinger Mordweihnacht zu gedenken. Dann steht auch der Waakirchner Löwe wieder im Mittelpunkt.

Waakirchen – Wie und durch wen gelangt Kunst in den öffentlichen Raum? Das ist die Frage, der wir in loser Folge in einer Serie nachgehen. Wir stellen Kunstwerke, Künstler und die Anlässe vor, die dafür verantwortlich sind. Mit Blick auf das Gebirgsschützengedenken am Montag, 24. Dezember, widmen wir die heutige Folge dem Waakirchner Löwen.

Der Anlass

Schwer unterdrückt von kaiserlich-österreichischen Truppen, die siegreich gegen das bayerisch-französische Heer waren, suchten die Bauern aus dem Oberland in der Christnacht 1705 ihr Heil in einem Aufstand. Der wurde verraten und endete in einem blutigen Gemetzel mit etwa 2000 Toten. Mutiger Anführer war der in Waakirchen geborene und als Schmied von Kochel berühmt gewordene Balthasar Mayr. Auf dem Sendlinger Kirchhof fiel er für seine Ideale: „Lieber bayerisch sterben als kaiserlich verderben.“ Zum 200. Jahrtag wurde den Gefallenen der Bauernschlacht das Oberländer-Denkmal gesetzt und mit Tausenden Festgästen enthüllt.

Die Künstler

Hygin Kiene wurde 1863 in Holzkirchen geboren, wo sein Urgroßvater Michael aus Württemberg ins Kupferschmiedehaus eingeheiratet hatte. Kiene war für seine kunstfertigen Kupferplastiken weithin bekannt. Aus seiner Werkstatt stammen unter anderem das Münchner Kindl auf dem Rathausdach in der Landeshauptstadt, weitere Löwendenkmäler, ein Figurenzyklus am Saarbrücker Rathaus und der martialische Drache, der am sogenannten Wurmeck an der südwestlichen Fassade des Münchner Rathauses kriecht. In Holzkirchen gibt es auf dem alten Friedhof zwei Kreuze von Kiene sowie eine Figur in der Nische am Kiene-Haus am Marktplatz. Man ehrte ihn später mit einem Straßennamen in der Nähe der Kirche St. Josef. Er starb 1928.

Ferdinand von Miller, 1813 in Fürstenfeldbruck geboren, Reichsrat und Akademiedirektor, spendete das Modell zum Löwen. Der Neffe des Königlichen Erzgießers Stiglmaier studierte an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München und der Kunstakademie. Dort erfuhr er von Alexander von Humboldt von König Ludwigs Plänen für die Bavaria und kehrte dafür nach München zurück. Allein der 15 Meter hohe Kopf beanspruchte ihn acht Jahre. Auch die Quadriga auf dem Siegestor sowie Türen im Capitol von Washington sind aus der Werkstatt des Mitbegründers des Bayerischen Kunstgewerbevereins. Er hatte 14 Kinder. Unter anderem Kunstakademie-Direktor Ferdinand Freiherr von Miller und den Elektroingenieur und Gründer des Deutschen Museums, Oskar von Miller. Er starb 1887 in München.

Anton Kaindl, 1849 als Sohn eines Münchner Klavierbauers und Bildhauers geboren, entwarf und modellierte die Reliefs auf dem Sockel. Kaindl studierte an der Münchner Königlichen Kunstakademie Bildhauerei. Zahlreiche Kriegerdenkmale kommen aus seiner Werkstatt und brachten ihm den Beinamen Soldaten-Kaindl ein. Er verstarb im Juli 1922 an der Benediktenwand.

Die Inspiration

Der Wittelsbacher-Löwe, der auch zum Wappentier des Königreichs Bayern wurde. In einigen Schlössern und Burgen, wie dem Alten Hof in München und Augsburg oder der Trausnitz in Landshut, hielt man über Jahrhunderte echte Löwen. Bis heute werden Löwenfiguren als Ehrengaben verwendet.

Die Umsetzung

Ferdinand von Miller spendete das Modell des Löwen, das der Münchner Bildhauer Anton Schmid schuf. Hygin Kiene trieb die Figur in Kupfer. Anton Kaindls Reliefs wurden in der Galvanischen Kunstanstalt Geislingen in Galvanoplastik ausgeführt. Den Sockel setzten die Steinmetzmeister Joseph Wackersberger aus Tegernsee, der unter anderem am Hafnerstein das Bildstöckl für die gefallenen „Wallberger“ gesetzt hatte, und Johann Kirchmaier (Bad Tölz). Den Aufbau leitete der Münchner Architekt Jakob Angermair.

Von Heidi Siefert

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Der Ablauf der Gedenkfeier

Martin Beilhack ist Hauptmann der Gebirgsschützenkompanie Waakirchen und damit Hauptorganisator der traditionsreichen Veranstaltung: Jedes Jahr am 24. Dezember rücken Abordnungen von 47 Gebirgsschützen-Kompanien aus dem ganzen Oberland nach Waakirchen aus, um an die Sendlinger Mordweihnacht von 1705 zu erinnern sowie gefallener Kameraden beider Weltkriege zu gedenken. Für Beilhack stellt sich immer wieder die gleiche Frage: Wer kommt? Hochrangige Politiker sind eingeladen, allen voran Ministerpräsident Markus Söder (CSU). „Er hat leider abgesagt“, muss Beilhack vermelden. Dafür entsendet er Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann. Sicher ist, dass Landtagspräsidentin Ilse Aigner, eine treue Teilnehmerin der Gedenkfeier, kommt. Auch der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber hat sich angekündigt. Die CSU-Riege lockern Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (FW) und Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) auf. Aiwanger ist als neues Mitglied der Staatsregierung erstmals in Waakirchen mit dabei. Insgesamt rechnet Beilhack wieder mit 500 bis 600 Schützen und Marketenderinnen, die an der Zeremonie beteiligt sind.

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Das Programm sieht so aus: Um 9 Uhr stellen sich die Kompanien beim Christlwirt zum Kirchenzug auf. Die anschließende Messe in der katholischen Pfarrkirche St. Martin zelebrieren Prälat Josef Obermaier und der evangelische Pfarrer Martin Voss. Die Predigt wird in diesem Jahr der Waakirchner Pfarrer Stephan Fischbacher halten. Musikalisch umrahmt wird der kirchliche Akt von den Waakirchner Sängern mit der Bauernmesse von Anette Thoma. Danach marschieren die Teilnehmer zum Oberländer-Denkmal, wo die Ansprachen gehalten werden und alle zum Abschluss das „Oberlandler Lied“ singen. Zuschauer seien herzlich willkommen, betont Hauptmann Beilhack.gr

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