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Dieses Foto eines Busses, der am 21. September 1994 in einem Krater in Trudering stürzte, zeigte Baudirektor Christian Rehm bei der Sondersitzung im Pfarrheim.

Sondersitzung zur Verkehrsentlastung 

Waakirchner wollen Tunnel: Baudirektor reagiert mit Schockbildern

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Schon Ende 2017 soll die Entscheidung stehen, welche Lösung die richtige ist, um Waakirchen vom Verkehr zu entlasten. Bei einem Info-Abend überraschte Baudirektor Christian Rehm mit Schockbildern in Sachen Tunnel.

Waakirchen – Straffe Haltung, präzise Sprache, nüchterne Fakten: Der aufgeheizten Stimmung in Waakirchen setzte Christian Rehm, Bereichsleiter des Staatlichen Bauamts Rosenheim, einen bestens vorbereiteten Info-Abend entgegen. Wobei es sich, formal gesehen, um eine Sondersitzung des Gemeinderats handelte. Heißt: Bürger durften keine Fragen stellen, aber zuhören. Rund 100 waren ins Pfarrheim gekommen, um dem Vortrag Rehms zu lauschen. Der legte dar, wie die Umsetzung des Bundesverkehrwegeplans (BVWP) 2030 in Waakirchen erfolgen soll. „Die Rahmenplanung steht“, erklärte Rehm.

Der BVWP sieht für Waakirchen eine Südumfahrung vor, 2,1 Kilometer lang und mit 6,6 Millionen Euro günstig zu realisieren. Das gute Kosten-Nutzen-Verhältnis hat der Umfahrung zur Einstufung als „Vordringlicher Bedarf“ verholfen. Wie berichtet, wünschen sich aber viele Waakirchner stattdessen einen Tunnel. 2500 Unterschriften wurden dafür schon gesammelt. Ob ein solcher Tunnel realisierbar ist und wie viel er kosten würde, hat das Staatliche Bauamt bisher nicht geprüft. „Dafür hatten wir keinen Planungsauftrag“, machte Rehm klar.

Baudirektor Christian Rehm (stehend) informierte bei einer Sondersitzung des Gemeinderates.

Bereits begonnen hat die Staatsbehörde mit der Untersuchung der Korridore, die für eine Umfahrung in Frage kommen. Seit August läuft eine Umweltverträglichkeitsstudie. Deren Ergebnis sollte eigentlich bei der Sondersitzung vorgestellt werden. Nun vermeldete Chefplaner Bernhard Bauer, der Rehm begleitete, die Studie sei noch nicht fertig. Mit dem Ergebnis sei in einigen Monaten zu rechnen.

Zu erläutern hatte Rehm dennoch sehr viel. Sowohl die Bürgerinitiative Verkehr als auch der Bürgerbewegung Entlastung B 472 hatten einen umfangreichen Fragenkatalog eingereicht, den Rehm in einer Powerpoint Präsentation akribisch abarbeitete.

Die Bürger erfuhren, wie eine Raumwiderstandskarte entsteht, die Grundlage der Suche nach der besten Trasse ist. Dass die Umweltverträglichkeit zwar noch nicht fachlich beurteilt ist, aber aus jetziger Sicht keine naturschutzrechtlichen Belange gegen die Südumfahrung sprechen. Dass aus Sicht des Gesetzgebers wohl gar kein Lärmschutz längs der neuen Straße nötig ist, die Gemeinde aber auf eigene Kosten zum Beispiel für Tieferlegungen sorgen kann, wie das in Warngau gerade geschieht. Im zweiten Halbjahr 2017 sollte das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie vorliegen. Ende 2017, so Rehm, falle hoffentlich die Entscheidung fallen, welche Lösung realisiert werden solle. Die Prüfung der Varianten beginne jetzt. Unterschriftenlisten seien weder erforderlich noch hilfreich.

Es war ein nüchterner Vortrag ohne Bilder. Nur beim Thema Tunnel bekamen die Zuhörer Fotos zu sehen. Vom 2009 eingestürzten Kölner Stadtarchiv und von einem Bus, der 1994 in Trudering in ein Loch gefahren war. In beiden Fällen sollen U-Bahn-Tunnel die Katastrophe ausgelöst haben. Der Text dazu erinnerte noch an eine Beinahe-Katastrophe in Barcelona, an Verunglückte und beschädigte Häuser. Ein Raunen ging durch die Zuhörerschaft. „Wir wollen Ihnen ja keine Angst machen“, merkte Rehm schnell an. Aber man müsse bei einem Tunnelbau schon wissen, wie der Untergrund aussehe, um die Häuser zu schützen.

Vor einer Analyse wollte Planer Bauer Informationen von der Gemeinde. Er müsse zumindest wissen, wo die Linie denn verlaufen solle, und wo man sich Anfangs- und Endpunkt denke. Eine Forderung, die Bürgermeister Sepp Hartl energisch zurückwies. „Das ist Sache der Fachleute“, machte Hartl klar. Für die Untersuchung gebe es Geologen, die müsse das Amt beauftragen. „Das kostet halt was.“ Rehm werde sicher bald Nachricht von seinen Vorgesetzten bekommen, ließ der Bürgermeister kühl wissen. Um für die Tunnel-Prüfung Druck zu machen, hat Hartl in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit Vertretern des Verkehrsministeriums und auch mit Minister Alexander Dobrindt geführt. „Der Tunnel wird geprüft“, meinte Hartl. „Und zwar nicht nur so Wischwaschi.“

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