MVG-Mieträder an der Leinthaler Brücke in Unterföhring.
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Im Landkreis dürfen die MVG-Räder nur an den Stationen zurückgegeben werden.

Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats

MVG-Rad ist zu schwer fürs Oberland: Waakirchen lehnt Beteiligung an Münchner System ab

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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So schwer wie ein E-Bike, aber treten muss der Mensch mit reiner Muskelkraft: Das MVG-Rad taugt nach Ansicht des Waakirchner Gemeinderats nicht für den Einsatz im Oberland.

Waakirchen – Was in der Stadt München funktioniert, könnte doch auch im ländlichen Bereich gut ankommen: Das ist der Gedanke hinter der Idee, das Mietradsystem MVG auch in den Landkreis-Gemeinden einzuführen. Der Waakirchner Gemeinderat lehnte die Teilnahme jedoch mit großer Mehrheit ab – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Das System sei in der jetzigen Form für Oberland nicht tauglich, war man sich weitgehend einig.

„Insgesamt geht das Konzept in eine Richtung, die wahrscheinlich nicht verkehrt wäre“, meinte Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG). Das MVG-Rad dient im Münchner Verkehrsverbund MVV, dem der Landkreis beitreten will, als Ergänzung zu Bahnen und Bussen. Für Waakirchen ist eine MVG-Station mit fünf Leihrädern am Bahnhof Schaftlach angedacht. Wer sich ein Rad leiht, kann es – anders als in München – nicht einfach irgendwo stehen lassen, sondern muss es zu einer Station oder einer zum System gehörigen Stele zurückbringen. Gebucht wird das Rad per Handy-App. Die Errichtung der Station oder einzelner Stelen bezuschusst der Freistaat mit 80 Prozent, Gemeinde und Landkreis übernehmen je zehn Prozent. Macht das MVG-System in der Gemeinde ein Minus, ist das Defizit je zur Hälfte von Gemeinde und Landkreis zu tragen.

„Die Leute wollen E-Bikes“

Das Problem: Die MVG-Räder wiegen mit 23 Kilo zwar so viel wie ein E-Bike, funktionieren aber rein mechanisch. „Das ist nicht oberlandtauglich“, meinte Rudi Reber (ABV). Ein solches Schwergewicht durch die Landschaft zu strampeln, sei nicht mehr zeitgemäß, urteilte auch Alfred Finger (CSU): „Die Leute wollen E-Bikes.“ Bürgermeister Kerkel sieht das nicht anders: „Bei unserer Topographie ist es schwierig, diesem System jetzt schon näherzutreten.“

Zumal nicht nur die Beschaffenheit der Räder wenig überzeugte. „Bei der Mini-Zahl von Rädern ist das doch gar kein richtiges Angebot“, meinte Gisela Hölscher (FW). Fünf Räder, das reiche vielleicht für die erste Familie, die morgens aus dem Zug steige. „Die zweite Familie ist dann schon enttäuscht.“ Zudem sei mit Vandalismus zu rechnen: „Und für Schäden kommen laut Vertrag wir auf.“ Am Ende, so Hölschers Fazit, werde der Frust den Nutzen überwiegen.

Auch ökologisch überzeuge das System nicht, befand Robert Englmann (CSU). Wenn ein Besucher in Schaftlach ankomme, mit dem MVG-Rad nach Marienstein fahre und es dann dort stehen lasse, müsse am Ende ein Lastwagen das Gefährt wieder einsammeln: „Für den Umweltgedanken ist da nichts gewonnen.“

Grüne Gemeinderätinnen für den Start

Ein Denkansatz, dem Evi Obermüller (Grüne) widersprach. Wer jemanden in Marienstein besuchen wolle und vom Bahnhof aus dafür das MVG-Rad nutze, müsse doch auch wieder zum Bahnhof zurück. Das Argument sei also hinfällig. Für lange Radtouren sei das System auch gar nicht gedacht, stellte ihre Parteifreundin Cornelia Riepe klar. Das Leihrad sei ein Teil des Verkehrsverbundsystems. Mit Blick auf die Zukunft solle Waakirchen sich schon jetzt beteiligen: „Es wird auch E-Bikes geben.“

Nur ein vorläufiges Nein

Letztlich stimmten nur die grünen Gemeinderätinnen für die Teilnahme am MVG-Konzept. Laut Kerkel handelt es sich aber nur um ein vorläufiges Nein. Wenn E-Bikes angeboten werden oder sich alle Nachbargemeinden für die Teilnahme am System entscheiden sollten, werde er das Thema erneut auf die Tagesordnung bringen, kündigte Kerkel an. Nach jetzigem Stand seien die Kommunen im Tegernseer Tal nicht interessiert, die Nordgemeinden würden sich in nächster Zeit mit dem Thema befassen.

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