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Warten auf die Vorstellungsrunde: Auch ein Heutransporter wurde beim ersten Winter-Rosstag in Wildbad Kreuth präsentiert. Die Organisatoren wollten zeigen, wie Landwirte früher mit Pferden gearbeitet haben. Rund 1200 Zuschauer waren gekommen.

Vor mehr als 1200 Zuschauern

Winter-Rosstag: Ein Ritt in die Vergangenheit

Kreuth - Schöne Rösser, vielseitige Fuhrwerke und fahrerisches Können: 37 Gespanne mit rund 70 Pferden beeindruckten am Sonntag mehr als 1200 Zuschauer beim Winter-Rosstag in Wildbad Kreuth.

Mindestens 100 Jahre in die Vergangenheit versetzt fühlte man sich jetzt in Wildbad Kreuth. Zum einen, weil auf dem Hochplateau ein richtiger Winter mit einer dicken Schneedecke herrschte wie anno dazumal und hin und wieder ein Sonnenstrahl vor der Kulisse des 1818 durch König Max I. Joseph erbauten Gebäudes fiel. Zum anderen, weil die Rosserer der Kaltblut-Zuchtgenossenschaft Miesbach-Tegernsee, der Pferdezuchtgenossenschaft Bad Tölz und der Pferdefreunde Waakirchen ihre Oberlandler und Haflinger vor zumeist historische Schlitten und Fuhrwerke spannten: Ein-, Zwei-, Vier- und Sechsspänner und am Ende sogar ein imposanter Zwölf-Spänner waren dabei. Genauso wie elegante Schlitten und massive Fuhrwerke. Die Experten zeigten den Zuschauern, wie Landwirte früher mit Pferden gearbeitet haben. 

Unglaublich, wie spezialisiert die Gefährte damals waren. Da gab es Transportschlitten, auf die Heu geladen war. Andere trugen fünf Ster Spaltholz, wieder andere Sägespäne. Die Familie Reifenstuhl aus Rottach präsentierte einen Korbschlitten, der zum Transport von Holzkohle diente. Caspar Hirthreiter aus Schliersee hatte Mist geladen, ein anderes Gefährt einen Odelbanzen. Sogar ein „Kaibischlitten“, auf dem ein zwei Wochen altes Stierkalb mitfuhr, und ein Jagdschlitten, auf dem ein ausgetopfter Hirsch lag, waren dabei. Ein Eisfuder, auf dem das Eis aus den Seen für die Kühlung des Bieres in die Brauereien geschafft wurde, und ein Schneepflug aus Bad Tölz mit den davor gespannten Hengsten gehörten zu den Raritäten. Ebenso wie der gelbe Postschlitten aus Kloster Reutberg, gelenkt wurde er von Andreas Esterl, stilecht in einer historischen Postillion-Uniform. 

„Angesichts all der verschiedenen Gefährte wird einem bewusst, dass die Forst- und die Landwirtschaft ohne Rösser nicht möglich war. Wir haben ihnen viel zu verdanken“, betonte Moderator Florian Schelle. „Ohne Rösser gäbe es auch kein Brauchtum“, meinte er. Er stellte jedes Fuhrwerk, jeden Besitzer und fast jedes Ross vor – letztere waren fast ausschließlich die leistungswilligen und starken Oberlandler (Süddeutsches Kaltblut) und Haflinger. Es fielen Namen wie „Bergfee“, „Toni“ und „Paula“. Dazu gab’s die Gewichtsklassen und Infos über die Abstammung. 

Gezeigt wurde auch das sogenannte Baumhackeln, also wie sechs Bäume mit Sappl und Ketten zusammengefasst werden, damit man sie mit dem Schlitten talabwärts bringen kann. Ein Sack Heu auf den Stämmen sorgt dabei für einen halbwegs bequemen Sitz. Direkt nobel erschienen dagegen der Herrschaftsschlitten, ein seltener Landauer auf Kufen, der schnittige Doktorschlitten für den ärztlichen Noteinsatz und der Bänderschlitten der Herzoglichen Verwaltung. Herzogin Helene in Bayern, die als Schirmherrin und Gastgeberin allen Beteiligten dankte, fand den ersten Winter-Rosstag „einfach bärig und astrein“. Sie versprach: „Jederzeit wieder!“ – bevor sie sich auf einen grazilen Schlitten, eine „Mohrengoaßl“, schwang, die Zügel in die Hand nahm und eine Extrarunde drehte. Die Rosserer wiederum freuten sich zwar, dass sie in Wildbad Kreuth gern gesehen sind und somit quasi „dahoam san“. „Dennoch“, sagte Rasso Babel vom Organisationskomitee, „wird es eine Wiederholung des Winter-Rosstags erst in vier bis fünf Jahren geben. Wir halten das rar. Denn es soll gefragt bleiben.“

Bilder: Winterrosstag in Wildbad Kreuth

Alexandra Korimorth

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