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Wolf am Tegernsee? Rottach-Egern fordert Regierung zum Handeln auf und findet klare Worte

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Von: Gerti Reichl

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Der Europäische Wolf steht unter Schutz, doch den Almbauern macht er Sorgen.
Der Europäische Wolf steht unter Schutz, doch den Almbauern macht er Sorgen. © dpa

Nach den jüngsten Vorfällen sind sich Landwirte sicher: Auch in den Tegernseer Bergen streift ein Wolf umher. Mit einer Resolution, die am Dienstagabend verfasst wurde, fordert der Gemeinderat Rottach-Egern die Staatsregierung zum Handeln auf.

Rottach-Egern – Drei gerissene Schafe auf der Ableitenalm im Wallberggebiet, ein abgenagtes Rotwild-Kalb beim Bauer in der Au nahe Bad Wiessee (wir berichteten), versprengte Kälber im Hirschberggebiet, neun abgestürzte Kühe in der Jachenau, dazu ein getötetes Schaf an der Wildenkar-Alm nahe Thiersee – die Liste von Vorfällen im Tegernseer Tal und dem nahen Umkreis, die nach Ansicht vieler Landwirte auf das Konto eines Wolfs gehen könnten, wird länger.

Angst vor dem Wolf: Landwirtin will ihn im Bodenschneidgebiet gesehen haben

Ganz aktuell will die Festenbacher Landwirtin Nina Bartl einen Wolf sogar gesehen haben, als sie am Dienstag gegen 17.30 Uhr von ihrer Rettenbäckalm (Bodenschneid) auf dem Weg ins Tal war: „Ich bin aus dem Auto gestiegen und hab’ ihn gesehen, er war dunkelgrau und hatte gelbe Augen, ich bin mir ganz sicher“, berichtet Nina Bartl. Sie meldete den Fall umgehend. 26 Schafe, 40 Jungrinder und drei Milchkühe habe sie auf der Alm. Über den finanziellen und emotionalen Schaden wolle sie gar nicht nachdenken, sollte der Wolf auch hier zuschlagen.

Es ist nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf.

Anton Maier, Bezirksalmbauer und CSU-Gemeinderat in Rottach-Egern

Anton Maier, CSU-Rat und zugleich Bezirksalmbauer, griff das Thema am Rande der Gemeinderatssitzung auf: „Jetzt ist es soweit, jetzt haben wir ihn da, und wahrscheinlich nicht nur einen“, stellte Maier fest und mahnte: „Die Lage wird ernst. Die Existenz der Almbauern steht auf dem Spiel. Und nicht nur das. Der Verlust von Heimat wird uns alle treffen, wenn die Kulturlandschaft verloren geht. Es ist nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf.“

Maier kritisierte, dass von der „hohen Politik“ nichts unternommen werde. Unter den Almbauern gehe ganz klar die Angst um, „und gerade an nebligen Tagen ist das nicht lustig.“ Er forderte alle auf: „Steht auf, macht Druck auf die Politik, sonst sehen wir dunkelschwarz.“

Für Bürgermeister Christian Köck (CSU) bestand kein Zweifel: , Wir haben das Problem jetzt unmittelbar vor der Tür.“ Er versicherte, dass die Bürgermeister die Landwirte nicht im Stich lassen würden. Mit Entschädigungen allein sei es aber nicht getan. Es sei wichtig, dass die Politik Wege finde, um im Einzelfall doch Entnahmen zu befürworten. „Ein großer Beutegreifer in unserer Region, wo so wenig Platz ist, das passt für mich nicht zusammen.“

Auch Andreas Erlacher (FWG) sprach von einer „dramatischen Situation“ und fragte, was die Gemeinde konkret tun könne. Köck verwies auf den hohen Schutzstatus des Wolfs, den dieser auf europäischer Eben habe. „Wir haben also wenig Einflussmöglichkeit. Aber je mehr wir uns zusammenschließen, desto mehr erreichen wir.“ Köck wies darauf hin, dass sogar der Tierschutzverein Tegernseer Tal der Meinung sei, dass der Wolf hier nicht verträglich sei. Daher müsse eine Entnahme gestattet sein, wenn die Übergriffe und Schäden zu groß würden.

Wolf am Tegernsee? Gemeinderat setzt „starkes Zeichen“

Es reiche nicht aus, dazusitzen und die Situation zu erörtern, fand Georg Höß (FWG) und schlug vor, mit einem entsprechenden Beschluss eine klare Botschaft auszusenden. Das Problem Wolf sei ganz klar und dramatisch. „Es ist an der Zeit, den Wolf zu managen, was letztlich eine Entnahme bedeutet“, forderte dann Thomas Tomaschek (Grüne). Für ihn sei nämlich das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Leider könne auf Gemeindeebene nichts entschieden werden, sondern nur in Brüssel. Auch er schlug dennoch eine Resolution vor, um ein „starkes Zeichen“ zu setzen.

Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU) fasste überaus deutlich zusammen: Der Bürgermeister solle ein Schreiben an den Ministerpräsidenten und die Staatsregierung verfassen und darin auffordern, „in diesem Problem umgehend tätig zu werden“. Einstimmig und ohne Weiteres hinzuzufügen, fassten die Gemeinderäte diesen Beschluss.

Anton Maier war perplex: „Herzlichen Dank, damit habe ich jetzt nicht gerechnet.“

Wolfriss oder nicht? Das sagt das Landratsamt dazu

Auch wenn Landwirte davon überzeugt sind, dass die jüngsten Vorfälle auf das Konto eines oder mehrerer Wölfe gehen könnten: Einen gesicherten Nachweis gibt es bisher nicht. Das Landratsamt Miesbach liefert dazu erneut die Erklärung: So sei grundsätzlich das Landesamt für Umwelt (LfU) für das sogenannte Wolfsmonitoring zuständig. Im Fall Bauer in der Au sei der Fund aber nicht ans LfU weitergeleitet worden, weil der Fund bereits mehrere Tage alt gewesen sei und mit diesem zeitlichen Abstand und damit auch durch Witterungseinflüsse und diverse aasfressende Tiere die Todesursache nach fachlicher Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde nicht mehr festgestellt werden könne. „Selbst wenn es sich um einen Wolfsriss handeln sollte“, so Sprecherin Sophie Stadler, „könnte kein brauchbares genetisches Material mehr genommen werden, um den Beutegreifer nachzuweisen.“ Ebenso wenig könne ein anderer Todesnachweis erbracht werden. Stadler weist den Eindruck zurück, die Untere Naturschutzbehörde habe etwas falsch gemacht oder würde den Sachverhalt nicht ernst nehmen. „Das ist nicht der Fall, es gab hier einen intensiven fachlichen Austausch zwischen Jäger und Landratsamt.“

Lesen Sie hier: Rottacher Rosstag kehrt zurück.

gr

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