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Seine späte Liebe zu Maidie von Liebermann (re.) dauerte nur drei Jahre.

„Der alte Esel weint im Bett“

Zum 150. Geburtstag: Ludwig Thoma und die Frauen

Mondäne Frauen und ein verschrobener Heimatdichter: Das Verhältnis zwischen Ludwig Thoma und den Frauen war gelinde gesagt schwierig – auch wenn ihn seine letzte Gefährtin bis zum Ende treu umsorgte.

München – Am 13. August 1921, Thoma war schon schwer krank, schrieb ihm seine Geliebte Maidie von Liebermann dringende Ermahnungen: „Das Pilsbier geht mir nicht aus dem Kopf“, klagte sie, „besonders daß du dieses so kalt trinkst.“ Und: „Was macht der Darm?“, erkundigte sich die treusorgende Gefährtin. „War er brav?“

Leider war er das nicht – als Thoma der Brief erreichte, hatte er nur noch eine Woche zu leben. Das Schreiben, das die Autorin Martha Schad in der Neufassung ihres Buches über „Ludwig Thoma und die Frauen“ (Allitera Verlag, 19,90 Euro) zitiert, zeigt Maidie von Liebermann als treusorgende Freundin. Aber das ist bestenfalls eine Facette in der komplizierten Beziehung der beiden.

Ludwig Thoma - Exklusiver Einblick in seine Hetzschriften

Die Zahl von Thomas Kurzzeitbeziehungen ist hoch, und nicht alle Namen sind überliefert. 1902 beispielsweise reist er mit dem „Simplicissimus“-Verleger Albert Langen nach Paris, wo er diverse amouröse Bekanntschaften hat. Er nennt sie „graziöse und liebenswürdige Luder“. Ein besonders Faible hat er für verheiratete Frauen – „Ich hüpf’ um eines Andern Frau, Und lebe wie der Kuckuck schlau, Vergnügt im fremden Neste“, dichtet er. Mehrmals muss er Schulden an eine Münchner Kupplerin begleichen. „Thoma unterhielt während seiner Junggesellschaftzeit ständig wechselnde Beziehungen zu Dirnen“, schreibt Martha Schad.

Erst im Jahr 1905, Thoma ist nun 38 Jahre alt und immer noch Junggeselle, gibt es eine persönliche Zeitenwende. Bei einem von ihm veranstalteten Fest in München lernt er die 25-jährige Marietta (Marion) de Rigardo kennen. Sie ist Tänzerin in Berlin und dort in Künstlerkreisen eine legendäre Schönheit, die der Impressionist Max Slevogt malt. Auch Ludwig Thoma verewigt sie künstlerisch: Marietta ist die schöne Cora in seinen „Lausbubengeschichten“. Es gibt bloß ein Problem: Marietta ist verheiratet. Auch wenn sie sich schnell mit Thoma einlässt – um den gehörnten Ehemann zu besänftigen und die Scheidung zu bekommen, fließt viel Geld. Am 26. März 1907 lassen sich Ludwig und Marietta am Standesamt München trauen, knapp ein Jahr später folgt der Umzug in das neu erbaute Haus auf der Tuften in Tegernsee.

Porträt über Ludwig Thoma: Geburtstag eines Widerspenstigen

Doch das Glück währt nicht lange. 1910 hört Thoma von Gerüchten, dass ihn seine Marion betrügt. Die beiden trennen sich im Guten. Irgendwie war es ja auch vorhersehbar, dass sie nicht zusammenpassten – zu unterschiedlich sind ihre Lebensweisen. „Ich war in meiner Ehe ein Oberlehrer und Grantlhuber und habe ihre Zärtlichkeit so oft abgewehrt, bis sie erstickte“, resümiert Thoma in einem Brief. Gelindert wird der Schmerz durch mehrwöchige Intermezzi auf der Tuften.

Es kommt der Krieg – es geht Marietta. Diesmal endgültig. Ludwig Thoma begegnet seiner zweiten großen Liebe, Marie (Maidie) Liebermann von Wahlendorf. Es ist eine impulsive Beziehung voller Leidenschaft und Enttäuschungen. In den drei Jahren August 1918 bis August 1921 schreibt Thoma, so hat es Martha Schad gezählt, 814 Briefe, 13 Postkarten und ein Gedicht.

Maidies Vater ist Jude, sie selbst wird nach ihrer Mutter evangelisch getauft. Unproblematisch ist auch diese Liason nicht, denn Maidie ist mit einem vermögenden Berliner Juden verheiratet. Jahrelang buhlt Thoma um Maidie, die sich von ihrem Mann nicht scheiden lassen will, wohl auch der Kinder wegen. Um ihren Aufenthalt auf der Tuften muss er flehentlich betteln. Doch zu einer Heirat kommt es nicht. Auch Weihnachten 1920 muss er allein verbringen. „Der alte Esel weint im Bett, wie ein Schulbub, sehnt sich nach Dir die ganze Nacht“ – so schreibt er an Maidie. Der „alte Esel“ verfasst zu dieser Zeit auch seine antisemitischen Pamphlete für den „Miesbacher Anzeiger“, wofür ihn Maidie mehrmals heftig rügt („zu den hinterfozzigen Geschichten würde ich mich nicht hergeben“). Ist die enttäuschte Liebe eine Ursache für den wütenden Hass? Das ist umstritten.

Als Thoma am 26. August 1921 an Magenkrebs stirbt, ist die Trauer bei beiden Frauen groß. Auch Marietta reist mit dem Zug zur Trauerfeier an, steigt aber in Schaftlach kurzentschlossen wieder aus. Ihrer Konkurrentin Marion wollte sie lieber nicht begegnen.

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