„Technik-Oscar“ geht an Werdenfelser Tüftler

Film-Industrie verblüfft: - Garmisch-Partenkirchen - "Und der Oscar geht an . . ." - fragt man Florian Kainz, sollte die Auszeichnung in der Kategorie "Visuelle Effekte" bei der Verleihung am 25. Februar an "Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2" gehen. Einen wesentlichen Anteil daran, dass der Streifen nominiert wurde, haben der Garmisch-Partenkirchner und seine Kollegen von der Spezialeffekte-Firma "Industrial Light & Magic" (ILM).

Sie haben für das Unternehmen von "Star Wars"-Regisseur George Lucas ein besonderes Dateiformat entwickelt, das die Belichtung bei digitalen Bildern verändern kann und inzwischen bei fast jedem am Computer bearbeiteten Film benutzt wird. So auch bei dem Piraten-Spektakel mit Johnny Depp, von dem auch Kainz begeistert war.

Für diese Innovation zeichnete die "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" den 40-Jährigen jetzt mit dem "Technical Achievement Award", einer Art Technik-Oscar, aus. Eine Anerkennung, die den Wahl-Kalifornier sehr freut, auch wenn er sich etwas wundert, "dass ich den Preis allein bekommen habe". An dem Software-Modul, das in andere Computer-Programme eingebaut werden kann und das vor allem in der Film-Industrie genutzt wird, habe schließlich nicht nur er, sondern ein Team gearbeitet.

Die Urkunde, die ihm Schauspielerin Maggie Gyllenhaal überreichte, wurde jedenfalls in den Unternehmens-Räumen im Norden von San Francisco präsentiert. "Die Firma ist schon stolz, vor allem dass sie heuer nicht nur meine, sondern eine ganze Reihe von Auszeichnungen gewonnen hat", weiß

Urkunde wird im Bank-Safe deponiert

Kainz, der nach längerer Zeit mal wieder über einen Urlaub in seinem Heimatort nachdenkt. "In letzter Zeit konnten wir meine Eltern immer überreden, dass sie nach Amerika kommen -die Enkelkinder ziehen."

Ins Werdenfelser Land nimmt er seinen aktuellen Preis wohl nicht mit. Er will "das Papier im mit Seide ausgekleideten Kunstleder-Einband" vielmehr in seinem Bank-Safe deponieren. Dort liegt bereits ein ähnliches Dokument, das er 1996 mit drei Kollegen einheimsen konnte. Diese Auszeichnung "war recht brauchbar, um die Green-Card (die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für die Vereinigten Staaten; Anm. d. Red.) zu bekommen". Damals hatten die Informatiker eine Software für computer-erzeugte Bilder von Fell und Haaren entwickelt. "Die Technik wurde dann erstmals in ,Jumanji‘ angewandt", erklärt der zweifache Familienvater.

Auf dem Erfolg ruht er sich freilich nicht aus. Vor acht Jahren begann die Entwicklung des Dateiformats, das ILM zum kostenlosen Herunterladen im Internet bereitstellt und für das Kainz heuer ausgezeichnet wurde. "Nach ,Star Wars -Episode I‘ haben wir festgestellt, dass die vorhandene Technik nicht ausreicht", erinnert er sich. Um wesentlich größere Helligkeits-Bereiche darzustellen und zusätzliche Informationen zu jedem Pixel abzuspeichern, wurden Kainz und seine Kollegen aktiv. "Der Trick ist, das Bild so abzuspeichern, dass man’s nachträglich noch ändern kann."

Fasziniert ist er dabei nicht nur vom Programmieren, sondern überhaupt von der Film-Branche. "Mich hat schon immer interessiert, welche Möglichkeiten man hat, spannende Geschichten zu erzählen." Im Bereich "Visuelle Effekte" begeistert Kainz vor allem, "dass man Sachen sichtbar machen kann, die man sich sonst nur im Kopf vorstellt". Um die gruselige Unterwasser-Welt in "Fluch der Karibik" oder Harry Potters Zaubertricks glaubhaft und ansprechend auf die Leinwand zu bannen, sei viel Hirnschmalz vonnöten. In der Forschungs- und Entwicklungsabteilung berechnen Kainz und circa 60 weitere Mitarbeiter -insgesamt beschäftigt "ILM" mehrere hundert Angestellte -daher mit Hilfe unzähliger Computer unter anderem: "Wie verhält sich Licht, wie bewegt sich Wasser, wie faltet sich Kleidung in der Bewegung?" Ihre Ergebnisse fließen dann in die Software ein, mit deren Hilfe die fantastischen Film-Szenen entstehen.

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