Absage an Neubau der Gatterlhütte

- VON PETER REINBOLD Garmisch-Partenkirchen - Ein freundlicher älterer Herr ist Paul Krätz, mit listigen lustigen Augen. Krätz ist einer, der Hartnäckigkeit beweist, wenn er von der Richtigkeit seines Handelns überzeugt ist. Bis zu seinem Ruhestand arbeitete er bei der Bundeszollverwaltung und kennt deshalb die Mühlen der Bürokratie aus dem Effeff. "Man braucht Stehvermögen, wenn man etwas erreichen möchte", sagt er. Deshalb ließ er sich auch nicht entmutigen, als die Staatsmacht versuchte, auf Zeit beim umstrittenen Wiederaufbau der Gatterlhütte, die im April 2002 das Opfer einer Staublawine geworden war, zu spielen.<BR>

Anfragen hat Krätz viele gerichtet, meist ans Bayerische Innenministerium. Lange Zeit erhielt er keine Antwort. Als es ihm zu bunt wurde, sandte er ein Schreiben an die höchste Instanz im Staat. Doch selbst Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber verwies ihn per Brief an Günther Beckstein, den Minister des Inneren, der sich aber weiter stumm und taub stellte. Erst als sich Paul Krätz am 12. Juli an Erwin Huber, den Chef der Bayerischen Staatskanzlei und neuen Sparkommissar wandte, kam Bewegung in die Sache, die Krätz seit mehr als einem Jahr betreibt. Zwar erklärte sich auch Huber für nicht zuständig und riet Krätz, dem Innenministerium den Fall vorzutragen, leitete dessen Schreiben aber an die Beckstein-Behörde weiter. Knapp einen Monat später traf die Antwort ein, auf die Krätz mehr als ein Jahr gewartet hatte - und es war die, die er sich erhofft hatte. Regierungsdirektor Dr. Burkhard Körner teilte ihm mit, "dass die Wiedererrichtung der Gatterlhütte aus finanziellen Überlegungen" ausgeschlossen wird. Die Kosten für die Hütte, die als Schutzhütte für Beamte im Dienst Krätz: Verschwendung<P>von Steuergeld<P> und zum Aufbewahren von Material dienen sollte, hätte sich nach Schätzungen des ehemaligen Garmisch-Partenkirchner Polizeichefs Franz Schamberger auf 40 000 Euro belaufen - das Polizeipräsidium Oberbayern nannte 60 000 Euro, der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Prof. Peter Paul Gantzer (SPD), gar 100 000 Euro. <P>Die "erkennbare Verschwendung von Steuergeldern" war`s, die Krätz zum Widerstand animierte, "weil man auch die kaum 200 Meter entfernte Zollhütte als Alternative hätte nützen können".<P>Um die Kosten zu senken, hatte das Innenministerium versucht, die Bundeswehr ins Boot zu holen. Im Rahmen einer Übung sollte ein Hubschrauber das Material für den Neubau der Gatterlhütte, wo jedes Jahr im September unter regelmäßiger Teilnahme hoher Polizeirepräsentanten und des bayerischen Innenministers während der Gatterlmesse an verstorbene Polizeibeamte erinnert wird, aufs Zugspitzplatt bringen. Die Bundeswehr spielte nur zum Teil mit, verneinte 100-prozentiges Ausbildungsinteresse. 20 Prozent der Flugkosten hätte der Freistaat Bayern zahlen müssen. "Die dienstlichen Vorteile der Hütte wiegen die finanzielle Belastung gerade in Zeiten der angespannten Haushaltslage nicht auf," schreibt Körner. Krätz zeigt sich mit dem Ausgang zufrieden, weil es ihm gelungen ist, "dass kein Geld zum Fenster rausgeworfen wird". Hartnäckigkeit und ein langer Atem zahlen sich manchmal eben doch aus.<P>

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