Abschied mit Verbitterung

- Hebel-Belegschaft rechnet mit dem Management ab

VON MAX FREISLEDER Emmering - "Warum?" stand auf dem pechschwarzen Transparent, das ein Teil der Hebel-Belegschaft während der letzen "Sitzung" des Betriebsrates anlässlich der Werkschließung am Freitagmittag enthüllte. Man traf sich draußen auf dem Firmengelände. Ein schriller, letzter Pfiff aus den Druckkesseln, und die Produktionsanlagen waren endgültig außer Betrieb.

102 Arbeitsplätze sind endgültig verloren. Vertreter des ehemaligen Betriebsrates, der Gewerkschaft "Bauen, Agrar, Umwelt" und Emmerings 3. Bürgermeister Simon Schunn kritisierten das Hebel-Management hart.

Zur Frage, warum gerade die 60 Jahre alte Hebel-Zentrale geschlossen werde, kursierten unterschiedliche Antworten. Schunn, der das Bedauern des verhinderten Bürgermeister Michael Schanderl verlas, erklärte: "Es kamen die so genannten Manager. Statt bergauf ging es rasend bergab - bis zum heutigen Tag."

Der vor kurzem pensionierte Schunn gehörte 41 Jahre lang der Firma an; 18 Jahre davon als Betriebsratsvorsitzender. Er hielt dem Ex-Geschäftsführer der Fels-Werke, Gerd Leidner, vor, er habe ihm noch im vergangenen Herbst zugesichert, der Hebel-Standort Emmering bleibe auf alle Fälle erhalten. Fels hatte Hebel im Jahr 2000 gekauft, bevor die Firma selbst von Haniel in diesem Sommer übernommen wurde. Schanderl ließ über Schunn ausrichten, er werde "mit wachem Auge" das Schicksal derer verfolgen, die nun den Arbeitsplatz verloren.

Betriebsratsvorsitzender Klaus Koch wertete die Schließung als Folge "unersättlicher Gier der Kapitalgeber". Firmen würden heute ohne Rücksicht auf soziale Konsequenzen "wie Tomaten oder Autoreifen verhökert". Der ausgehandelte Sozialplan und die Gründung einer Auffangfirma milderten bestenfalls die Katastrophe, die der Verlust des Arbeitsplatzes besonders auch für die Älteren bedeute.

Im gleichen Sinn äußerte sich auch Gewerkschaftssekretär Richard Fischer. Kapitalbesitz bedeute in erster Linie Verantwortung für Arbeitsplätze. Der sei man im Falle Hebel nicht gerecht geworden. Die stellvertretende Betriebsratschefin Sabine Schmetz betonte, man vertraue jetzt auf die Qualitätsarbeit der Transfergesellschaft FAA. Wären Verantwortungsgefühl und Führungskompetenz Einstellungskriterien für Manager, dann bestünde die ehemalige Hebel-Geschäfstleitung "aus Sozialfällen".

Lob für Hebels Ex-Direktor Vögele

Einhellig wurde der anwesende Ex-Hebel-Direktor Josef Vögele gelobt. Der Hebel-Konzern, "sein Lebenswerk", sei durch das Management ab Mitte der 90er Jahre zerstört worden. Vögele erklärte später, drohende Insolvenz auf Grund von Fehlinvestitionen vor allem in Frankreich habe 2000 den Verkauf der Firma an Fels notwendig gemacht. Er habe damals versucht, das Frankreich-Risiko durch eine 50-prozentige Beteiligung der Heidelberger Zemente zu begrenzen. Misswirtschaft in den USA und einsetzende Rezession hätten der Firma aber das Genick gebrochen.

Die Auflösung des Emmeringer Standortes begründete Vögele mit vergleichsweise hohen Logistik-Kosten. Ähnlich argumentierte auch Haniel-Ytong-Vorstand Harry Hofmann. Haniel hat neben Hebel auch den Branchenkonkurrenten Ytong aufgekauft. Die alternativ zu schließenden Ytong-Niederlassungen hätten durchwegs günstigere Standorte. Sabine Schmetz hält das für Gerede. Es sei darum gegangen, mit dem Emmeringer Werk das Hebel-Herz zu zerschlagen: "Im Vorstand sitzen in der Mehrzahl Ytong-Leute. Diese Entscheidung ist reine Firmenpolitik."

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