In welcher Altersklasse der Ball künftig gestoppt werden wird – hier der Ebrachtaler Korbinian Ertl – kann künftig von Fußball-Kreis zu Fußball-Kreis differieren.
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In welcher Altersklasse der Ball künftig gestoppt werden wird – hier der Ebrachtaler Korbinian Ertl – kann künftig von Fußball-Kreis zu Fußball-Kreis differieren.

Erneute Diskussion um Altersabsenkung in der Jugend

Wann wird Junior zum Mann? - Absenkung der Jahrgänge wiederholt im Fokus

  • VonJulian Betzl
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Die Altersabsenkung im Jugendfußball steht erneut in der Debatte. Michael Kurzmeier, Jugendleiter des TSV Aßling, zieht ein Resümee für die kommende Zeit.

Landkreis – Der Flickenteppich, wahlweise auch Fleckerlteppich, liegt gerade voll im Trend. In der Bundespolitik seit Monaten ein Must-have, ist der bunte Läufer ebenso im oberbayerischen Jugendfußball wieder en vogue. „Die einzelnen Kreise in Oberbayern werden zukünftig noch unterschiedlicher Fußball spielen“, hieß es bereits Anfang 2020 in einem Fazit des Bayerischen Fußball-Verbands nach 16 Workshops in Oberbayern zum Projektthema „Absenkung der Jahrgänge im Jugendfußball“. Wie groß die Unterschiede in benachbarten Kreisen – vereinzelt auch bei benachbarten Vereinen und Spielgemeinschaften – zur neuen Spielzeit 2021/22 tatsächlich ausfallen könnten, macht die jüngste Beschlussvorlage im Kreis Donau/Isar deutlich.

A-Jugend künftig aus U18 und U17

Dort möchte BFV-Kreisjugendleiter Stefan Erl das mehrheitliche Votum seiner Mitgliedsvereine (70,6 Prozent) für die Verjüngung der einzelnen Jahrgangsstufen im Ligabetrieb auf Kreisebene umsetzen. Würde bedeuten: Die A-Jugend bildet sich statt wie bisher aus U19 und U18 künftig aus U18 und U17, die B-Jugend somit aus U 16/U15 und so weiter. Praktisch würden dann volljährige Kicker beim FC Forstern bereits bei den Herren spielen, während die gleichaltrigen Kumpels vier Kilometer südlich beim SV Hohenlinden noch ein Jahr Jugendfußball spielen.

Spielkreis gegen Altersabsenkung - Fleckerlteppich die Folge

Denn die Vereinsvertreter aus dem Spielkreis München hatten sich nach den Workshops mit knapp 73 Prozent der Stimmabgaben gegen eine Absenkung der Altersklassen und damit für die Fortsetzung des bestehenden Modells ausgesprochen. Während Nachbarvereine wie die SpVgg Altenerding für die Saisonplanung auf die unterschiedlichen Jahrgangsmodelle auf Kreis- und Bezirksebene achten müssen, dürfte sich für die Jugendmannschaften im Landkreis Ebersberg in naher Zukunft am gewohnten Prozedere vergleichsweise wenig ändern. Das gilt genauso für den Mädchenfußball, der verbandsweit nicht von neuen Regelungen betroffen ist, sowie die A-Junioren der SG Ebersberg/Steinhöring, die dann in der Bezirksoberliga ebenfalls im „alten Modell“ mit U19-Spielern unterwegs sind.

Freilich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel und öffnen speziell im südlichen Landkreis die Türen zu neuen Diskussionsräumen. „Die Herbstrunde soll noch normal zu Ende gespielt werden, aber zur neuen Saison planen wir gerade mit 55 Spielern in der A-Jugend“, sagt Aßlings Jugendleiter Michael Kurzmeier. Ab der C-Jugend aufwärts spielen die TSV-Nachwuchsfußballer in der SG Aßling/Ostermünchen/Emmering im Kreis Inn/Salzach, der seinerseits beabsichtigt, die dreijährige A-Jugend einzuführen (U16/U17/U18) und die B-Jugend dafür komplett wegfallen zu lassen. Von der U15 abwärts würde sich ansonsten nichts ändern.

TSV Aßlings Jugendleiter Michael Kurzmeier spricht kommende Probleme an

Dieses Vorhaben sei von den Vereinsvertretern sehr kontrovers diskutiert worden, erinnert sich Kurzmeier. Manche „hatten schon Bauchschmerzen“, wenn 15-Jährige als älterer C-Jugendjahrgang teilweise gegen 18-Jährige spielen sollen. „Dieser Bereich ist aber generell ein schwieriges Alter, wo die Jungs so viele Interessen haben. Für uns rechne ich jedenfalls nicht damit, dass es wegen der dreijährigen A-Jugend zu einer außergewöhnlich großen Fluktuation kommt.“ Die Problematik werde eher darin bestehen, „55 Jungs bei Laune zu halten“, wenn man erfahrungsgemäß eher konservativ mit nur zwei Teams planen könne.

Sollte der Verbands-Jugendausschuss in letzter Instanz die Altersabsenkungen den unterschiedlichen Wünschen der einzelnen Kreise entsprechend umsetzen, ließe sich für die Nachwuchsspieler im Kreis Ebersberg zusammenfassen: Im Norden wird die Konkurrenz ein Jahr jünger, im Süden fällt die B-Jugend der dreijährigen A-Jugend zum Opfer.

Wie geht man mit Sonderfällen um?

Im regulären Ligabetrieb auf Kreisebene kommt es zwar nicht zu Überschneidungen der unterschiedlichen Modelle. Doch wie wird mit „Sonderfällen“ wie der SG Aßling/Ostermünchen/Emmering in Pokalwettbewerben auf Kreisebene oder den Hallenkreismeisterschaften der A-Junioren verfahren? Dürfen die älteren Jahrgänge aus dem Herrenbereich eingesetzt werden? Müssen die jüngeren U17-Jahrgänge zuhause bleiben? „Das können die Kreise dann ganz unterschiedlich entscheiden“, sagt BFV-Jugendgruppenspielleiter Philipp Reisberg, der unter anderem für den Ebersberger Landkreis- und Sparkassenpokal verantwortlich zeichnet. „Dazu haben wir aktuell noch keine Beschlusslage. Primär sollen ja die Ligen fertig gespielt werden, die Pokale wollen wir nach Möglichkeit einflechten.“

(Julian Betzl)

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