Abwehrschlacht auf Giesings Höhen

München - Das Grünwalder Stadion soll erhalten bleiben ­ dafür plädieren die Giesinger regelmäßig in den Bürgerversammlungen. So auch in der jüngsten.

Die Giesinger wollen sich dem politischen Willen nicht beugen. Unter den etwa 250 Teilnehmern der Versammlung jedenfalls waren beileibe nicht nur beinharte Sechzger-Fans, sondern viele Alteingesessene. Die große Mehrheit unterstützte den Antrag, worin es heißt: "Der Stadtratsbeschluss, das Stadion zu verkaufen und abzureißen, soll revidiert werden." Noch bis 2010 soll der Spielbetrieb an der Grünwalder Straße weitergehen, danach kann das Gebäude laut Stadtratsbeschluss abgerissen werden. Roman Beer, Vorsitzender des Vereins "Freunde des Sechzger-Stadions", gab sich kämpferisch: "Das Grünwalder Stadion ist im Bewusstsein der Giesinger fest verankert. Sie wollen es erhalten."

Mit etwa 100 Spielen im Jahr sei die Sportstätte auf Giesings Höhen das meist bespielte Stadion in Deutschland, so Beer. "Warum möchte es die Stadt abreißen, wenn seit über einem Jahrzehnt keine Nachnutzung gefunden werden konnte und keine Ersatzspielflächen in Aussicht sind?" Das Sechzger-Stadion sei 2004 zweitligatauglich saniert worden. Sogar die Integration von Stadtteilzentren oder einem Sozialbürgerhaus sei möglich. "Ein Neubau würde einen zweistelligen Millionenbetrag kosten."

Die Stadt freilich hat mit der Fläche einiges vor ­ was genau, weiß sie nach wie vor nicht. "Das Areal ist unsere wichtigste Rerserve-Fläche", sagt Michael Hardi, Sprecher des Planungsreferats. "Wir wollen sie nicht vorschnell für irgendetwas hernehmen." Das Gelände sei also noch nicht komplett überplant. Doch sei die Hanglage mit der dazugehörigen Parkplatz-Fläche am Candidplatz "städtebaulich herausragend". Das Sozialbürgerhaus werde im Agfa-Park entstehen. "Es gibt konkrete Verhandlungen mit dem dortigen Investor."

Thomas Schwindel (CSU), der Bezirksausschuss-Chef von Untergiesing-Harlaching, will das nicht so recht glauben: "So etwas hören wir jedes Jahr wieder." Er ist sich mit vielen Bürgern einig: "Was wir nicht wollen, ist eine rein kommerzielle Nutzung, etwa ein großes Einkaufszentrum. Ein gewisses Maß an sozialer Nutzung muss machbar sein."

Einig ist Schwindel sich allerdings auch mit dem städtischen Sportamt: Auch wenn es schwierig sei, Ersatzspielflächen zu finden ­"für Spiele, zu denen im Schnitt 300 bis 400 Besucher kommen, ein Stadion zu unterhalten, das kann man nicht machen." Selbst wenn er die Gefühle der Giesinger verstehen könne, sei der Abriss "sachlich gerechtfertigt". Doch er fügt hinzu: "Irgendwann wollen wir von der Stadt wenigstens einigermaßen eine Planungsrichtung erfahren."

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