Mit Albert Einstein im Zug

- Einen "Glücksfall" hat ihn Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) genannt: Anfang März ist Wolfgang Heckl ein halbes Jahr Generaldirektor des Deutschen Museums. Nach sechs Monaten im Amt zieht der Nanowissenschaftler Bilanz.<BR>

Sie sind seit 1. Oktober Generaldirektor des Museums. Haben Sie schon einen Lieblingsplatz?<P>Heckl: Als Generaldirektor nehme ich mir jede Woche eine Abteilung vor. So lerne ich langsam alles kennen. Einen Lieblingsplatz habe ich schon gefunden. Der ist allerdings für die Öffentlichkeit nicht zugänglich: das Depot. Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler, und im Keller des Museums finde ich so manches Röhrenradio oder so manche Jukebox.<P>Welche Ziele haben Sie für das Deutsche Museum?<P>Heckl: Das Deutsche Museum ist eines der weltweit bedeutendsten Museen in seinem Bereich und verfügt über eine herausragende Sammlung von "Meisterwerken aus Naturwissenschaft und Technik", wie es Gründer Oskar von Miller formulierte. In diesem Sinn will ich das Museum weiterführen - aber auch aktuelle Forschungsthemen integrieren. Im "Zentrum Neue Technologien" erhalten die Genforschung und die Nanowissenschaften eine Plattform. Zudem möchte ich das Haus noch stärker zu einem Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit machen.<P>Gibt es konkrete Projekte?<P>Heckl: Wir planen das gläserne Labor. Dort wollen wir nicht nur wie bisher Schauvorführungen zeigen, sondern dort soll originäre Forschung stattfinden. Meine Doktoranden, ich bin weiter Professor an der LMU, werden hier arbeiten. Die Besucher können ihnen dabei zuschauen. Wir machen erstmalig im Museum den Prozess wissenschaftlichen Arbeitens sichtbar.<P>Sie sind bekannt dafür, dass sie in der Wissenschaftsvermittlung originelle Ansätze suchen. Ein Beispiel?<P>Heckl: Beim Stichwort Nanowissenschaften denkt der Laie doch sofort verschreckt: Was soll das mit mir zu tun haben? Sehr viel. Über ein Waschbecken, das mit Nanopartikeln beschichtet ist, freut sich jede Hausfrau: Wasser und Dreck perlen ab, das Becken muss somit weniger geputzt werden.<P>TU-Präsident Wolfgang Herrmann schwärmt von ihrem "begnadeten Übersetzungstalent". Können Sie anlässlich des Einsteinjahres die Relativitätstheorie erklären, so dass es ein Laie versteht?<P>Heckl: Man kann Dinge einfach, aber nicht trivial beschreiben. Einsteins Relativitätstheorie haben selbst intelligenteste Physiker seiner Zeit nicht akzeptieren wollen, weil es das bisher gekannte Weltbild in Frage stellte. <P>Und wie lautet jetzt die Relativitätstheorie?<P>Heckl: Als Einstein im Zug von Bern nach Zürich saß und der Schaffner ihn bat, ihm kurz die Relativitätstheorie zu erklären, sagte Einstein: "Schauen Sie zum Fenster hinaus, da fährt der Bahnhof von Zurs an uns vorbei." Einstein spricht hier die Relativität von Bezugssystemen an, die der Ausgangspunkt für seine Relativitätstheorie war. Ich erkläre die Relativitätstheorie - besonders für Bayern immer so: Bewegte Weißwürste erscheinen in Bewegungsrichtung verkürzt. Deshalb isst der Bayer seine Weißwurst geruhsam.<P>Wie reagiert Ihr Haus auf das Einsteinjahr?<P>Heckl: Wir feiern Einstein mit mit einer großen Sonderausstellung. Die Bedeutung der Arbeiten Einsteins für unsere heutige Welt - ob Atombombe, GPS, Laser oder Siliziumchip - werden ebenso erläutert wie aktuelle Fragen.<P>Das Verkehrsmuseum ist ein Sorgenkind. Erst kürzlich ist die Verschiebung der Eröffnung auf 2006 bekannt gegeben worden. Wie geht es auf der Theresienhöhe weiter?<P>Heckl: Wir eröffnen definitiv im Mai 2006. An diesem Termin halte ich fest. Unsere Probleme rühren in erster Linie daher, dass der Zustand der Bausubstanz falsch eingeschätzt wurde.<P>Wie sieht es mit dem Finanzplan dafür aus?<P>Heckl: Wir haben 50 Millionen Euro, keinen Cent mehr. Wenn wir jetzt mehr Geld für den Bau ausgeben, müssen wir woanders sparen. Da es nicht auf Kosten von Ausstellungen gehen kann, werden wir zunächst auf den Ausbau des Bürotrakts verzichten.<P>Welche weiteren Projekte hängen von der Eröffnung des Verkehrsmuseums ab?<P>Heckl: Erst wenn die Eisenbahnabteilung ausgezogen ist, haben wir Platz für neue Projekte. Wir wollen dort im ersten Stock endlich das Zentrum für neue Technologien in Angriff nehmen. Wenn alles nach Plan läuft, soll es 2008 eröffnet werden. Noch fehlt jede Menge Geld. Aber meine Devise lautet: Lieber fangen wir klein an und suchen nach Sponsoren, als dass wir es komplett lassen.<P>Das Gespräch führte<P>Stephanie Holzmeier.<P><P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Daniel Dlugosch über den Aufstieg: „Es wird langsam Zeit!“
Daniel Dlugosch erzielte in der bisherigen Saison 21 Treffer. Im Interview spricht er über die vergangen Jahre und die Rolle ihres Trainers. 
Daniel Dlugosch über den Aufstieg: „Es wird langsam Zeit!“
SpVgg Unterhaching U17: Doppelpack von Mashigo leitet Sieg gegen 1.FC Nürnberg ein
Die U17 der SpVgg Unterhaching hat in ihrem letzten Bundesliga-Heimspiel des Jahres einen 3:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg gefeiert..
SpVgg Unterhaching U17: Doppelpack von Mashigo leitet Sieg gegen 1.FC Nürnberg ein
Viktoria Rebensburg will in Lake Louise den Aufwärtstrend fortsetzen
In den ersten beiden Riesenslaloms des Winters zeigte Viktoria Rebensburg vom SC Kreuth einen Aufwärtstrend. Nun stehen in Lake Louise (Kanada) die ersten Speedrennen an.
Viktoria Rebensburg will in Lake Louise den Aufwärtstrend fortsetzen

Kommentare