Für alle "a guat`s nei`s Joohr"

- Der Sterngang gehört für viele Menschen zum Jahreswechsel

VON ILSE BRETT Oberammergau - "A guat`s nei`s Jooohr". Viele Menschen pilgern am Silvesterabend aus Tradition nach Oberammergau, denn nirgends klingt der Segenswunsch zum Jahreswechsel aus Hunderten von Kehlen so innig und so herzlich wie im Passionsdorf im Ammertal. Der Brauch des Sternsingens ist hier seit 370 Jahren verbürgt und damit womöglich sogar älter als das Spiel vom Leiden des Herrn. Das halbe Dorf ist auf den Beinen, um sich mit dem großen Stern vom alten Jahr zu verabschieden und das neue Jahr zu begrüßen.

Mit den Sternsingerbräuchen zu Dreikönig, die in anderen Orten üblich sind, hat der Oberammergauer Brauch nur wenig Ähnlichkeit. Musikanten und Sternsinger sammeln sich vor dem Passionstheater. Ein "Kleiner Sterngang" mit der Jugend und ein "Großer Sterngang" überwiegend mit den Großen ziehen durch die Straßen. Am Ammergauer Haus werden die Lampions ausgeteilt. Hier ist auch die erste der elf Stationen zwischen Pfarrkirche und Lainenbrücke, an denen mehr als 60 Sänger, sieben Bläser des Musikvereins und die Blaskapelle Lieder der Komponisten Dedler, Diemer, von Kirschenhofer und Wittmann die altbekannten Lieder anstimmen.

Der Geistliche Rat Alois Daisenberger hat die Sternganglieder mit Texten unterlegt, die diesmal Karl Kemper mit den Teilnehmern einstudierte. Die Rechte zu diesen Liedern liegen übrigens beim Musikverein Oberammergau, der sich gewissenhaft um die Bewahrung und Pflege der ortstypischen, historisch gewachsenen Schöpfungen bemüht, um den besonderen Charakter des Sterngangs zu wahren.

Am Ende des Liedes, wenn sich der beleuchtete Stern mit dem Jesuskind immer schneller dreht, stimmt das ganze Volk ein und der Neujahrswunsch schallt durch`s Dorf.

Die Menschenmassen schieben sich von Station zu Station. Rundum blickt man in fröhliche Gesichter. Es herrscht Friede unter den Menschen, zumindest für diese Stunde. Dem aufmerksamen Beobachter entgeht jedoch nicht, dass es diesmal viel mehr Menschen von auswärts sind, die den Stern begleiten, als Einheimische. Dabei sollten sich auch die Hiesigen erinnern, dass Bräuche nur lebendig erhalten werden könnten, wenn man sie pflegt.

Der Sternrundgang klingt aus mit dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Lied von Rochus Dedler: "Ein Stern ist aufgegangen, aus Jakob hell und klar, am Himmel hoch zu prangen, er glänzet so wunderbar."

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