Wer alles sein Fett weggekriegt hat

- Schongau - "Ich danke Ihnen für den etwas zögerlichen Anfangsapplaus. Aber das ist ja heute mehr ein Clubabend", so begrüßt Dieter Hildebrandt am Montagabend die Besucher im Jakob-Pfeiffer-Haus. Auf Einladung des Rotary-Clubs Schongau liest der Kabarettist aus seinem neuesten Werk "Ausgebucht".<BR>

Über 300 Besucher, darunter zahlreiche Rotarier aus den angrenzenden Landkreisen, kann Präsident Fritz Weinberger begrüßen. Der Großteil der Einnahmen der Benefiz-Veranstaltung kommt sozialen Aktivitäten des Rotary-Clubs zugute.<P>"Ich les gleich!", kündigt Dieter Hildebrandt in regelmäßigen Abständen an. Aber Hildebrandt wäre nicht Hildebrandt, wenn er nicht vorher noch einige Spitzen auf das politische Tagesgeschehen abfeuern würde. Weder Angela Merkel, die Kanzlerin, die Papa Kohl geliebt, Stoiber entstoibert und Schäuble die Bremsen am Rollstuhl gelockert hat, noch Condolezza Rice, die "Weiße Hausnatter", oder George W. Bush, dem nichts mehr weh tut, außer dass möglicherweise zwei schwule Cowboys den Oskar bekommen, werden verschont.<P>Ihr Fett weg kriegen auch die Ackermanns dieser Welt, die das Unwort des Jahres, nämlich Entlassungsproduktivität, geprägt haben. Hildebrandt: "Der guten alten Ehrlichkeit nach dem Motto ,Der Mensch steht im Mittelpunkt` tritt eine neue Ehrlichkeit entgegen. Der Mensch ist Mittel. Punkt".<P>Seine Probleme hat er auch mit dem Begriff Volksvertreter: "Was ist das? Ein Versicherungsvertreter verkauft Versicherungen..."<P>Mit spitzem Zeigefinger sticht Hildebrandt in die Wunden der Politprominenz, äfft übertriebene Gesten nach, zitiert ironisch so manchen Nonsens, den der eine oder andere im Eifer des Gefechts abgelassen hat und ringt dem Publikum eine Lachsalve nach der anderen ab. Obwohl bei näherer Betrachtung, Heulen angesichts soviel Dumpfsinns wahrscheinlich angebrachter wäre.<P>Ein ergiebiges Thema für den Kabarettisten ist auch die Fußball-WM. Der größte Berg in der Schweiz sei das Geld, das Samaranch sich "zusammengerancht" hat, und man müsse sich einmal vor Augen halten, wie viel Zeit man damit vergeude, sich den Denkmüll von wichtigtuerischen Vereinspräsidenten anzuhören. Und man müsse doch Verständnis für die Fußballschiedsrichter haben, die immerhin auf dem Platz doppelt soviel laufen müssten, wie die ganzen Millionäre um sie rum. Da könne es schon mal passieren, dass einer mit einem völlig anderen Auto abreise als mit dem er angekommen sei.<P>Nach so einer Steilvorlage ist Hildebrandts Buch eigentlich schon fast Nebensache. Die Stimmung hat bereits den Höhepunkt erklommen, als er endlich mit den Worten "München Hauptbahnhof. 9 Uhr 53" auf das angekündigte Programm, nämlich auf die Lesung zurück kommt: Komische Szenen einer Ehe mit seiner Renate, Erlebnisse im ICE und mit aufdringlichen Mitbürgern aus Breslau.<P>Nach fast zweieinhalb Stunden entlässt Hildebrandt, der sich einmal mehr in Hochform gezeigt hatte, ein amüsiertes Publikum, das mit begeistertem Applaus nicht sparte und sich noch fleißig am Büchertisch zum Signieren anstellt.uf<P>

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