Altenheim-Bewohner mit Krätze infiziert

- Pflegerin prangert Heimleitung an

Vaterstetten (jd) - Auf der Pflegestation II im GSD-Seniorenwohnpark Vaterstetten (Kreis Ebersberg) ist die Krätze ausgebrochen. Eine Pflegerin, die mittlerweile selbst erkrankt ist, sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass fast alle 100 Patienten von der extrem juckenden Hauterkrankung befallen seien. Die Heimleitung habe zu lange geschwiegen, außerdem sei zu spät mit Desinfektionsmaßnahmen begonnen worden, prangert die Pflegerin an. Die regelmäßige Reinigung und Hygiene auf der Station lasse ebenfalls zu wünschen übrig, die Maßnahmen existierten nur auf dem Papier.

Heimleiter Mario Eising gibt den Krätze-Befall zu, aber nicht in diesem Ausmaß. "Gut zwei Wochen hatten wir Probleme mit der Krätzmilbe". Betroffen seien gerade einmal fünf oder sechs Patienten. Die Angelegenheit sei ordnungsgemäß dem Gesundheitsamt Ebersberg und der Dermatologischen Uni-Klinik München gemeldet worden. Von dort seien die entsprechende Medikation und die Hygienebehandlungen eingeleitet worden. "Außerdem ist die Krätzmilbe nicht schlimmer wie ein Schnupfen", schwächt Eising ab.

Da täuscht er sich. Der nur 0,2 bis 0,5 Millimeter lange Erreger der Krätze, die Krätzmilbe, gräbt sich unter die Haut und legt dort Eier. Aufgrund der Milbenexkremente kommt es zu entzündlichen Reaktionen der Haut. Da die befallenen Stellen extrem stark jucken, werden sie oft aufgekratzt, was zu offenen geschwürartigen Wunden und weiteren bakteriellen Infektionen führt. Für die Übertragung der Krätze braucht es engen körperlichen Kontakt oder gemeinsame Wäschebenutzung. "In Vaterstetten haben anfangs noch alle an Windpocken gedacht", sagt Claus Fussek von der Münchner Vereinigung Integrationsförderung, der ebenfalls von der Pflegerin informiert wurde. "Erst ein Arzt stellte bald eine andere Diagnose."

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