Altschwabing: Ein "Bauklotz" erregt die Gemüter

München - Das Münchner Forum klagt über das Bauvorhaben des Versicherungs-Unternehmens "Münchner Rück" in Altschwabing. Die Baugenehmigung steht kurz bevor, eine Grube ist bereits ausgehoben.

Von Valentina Horch

Die Bürger Altschwabings sind entsetzt über das Bauvorhaben der Münchner Rückversicherungs-Gesellschaft an der Maria-Josepha-Straße in unmittelbarer Nähe zum Englischen Garten. Seit drei Jahren wehren sich die Anwohner der umliegenden Straßen gegen einen hundert Meter langen dreigeschossigen Bürokomplex und ein 50 Meter langes ebenfalls dreigeschossiges Wohngebäude.

"Der Bauplatz gehört zu dem unter Denkmalschutz stehenden Ensemble Altschwabing", sagt Wolfgang Czisch, Vorsitzender des "Münchner Diskussionsforums für Entwicklungsfragen". Dieses Grundstück sei städtebaulich bedeutsam und dürfe nicht durch einen "Bauklotz" zerstört werden. Czisch kritisiert vor allem das "überdimensional lange Wohngebäude mit einer fast zwei Meter hohen abschottenden Mauer davor". Das störe das Gesamtbild der angrenzenden denkmalgeschützten Bauten.

Zudem würde das Viertel so auch seinen grünen Charakter zwischen dem Nikolaiplatz und dem Englischen Garten verlieren. Diesen Vorwurf weist Rainer Bargenda, Projektleiter der Münchner-Rück-Tochter Meag, entschieden zurück. Das geplante Gebäude werde eben nicht durch eine durchgehende Mauer von der Außenwelt abgeschirmt, sondern durch Eingänge und grüne Nischen durchbrochen.

Der Vorsitzende des Münchner Forums fragt sich dennoch: "Und warum wird die 50 Meter lange Mauer nicht geteilt, um das Erscheinungsbild etwas aufzulockern?" Dadurch gehe zu viel Wohnplatz verloren, antwortet Bargenda. Er versteht die große Aufregung nicht, da alle baurechtlichen Vorschriften der Stadt eingehalten wurden. "Die Münchner Rück hat für ihr Vorhaben bereits grünes Licht von der Stadt erhalten." Und weiter: "Die Lokalbaukommission hat uns bestätigt, dass das Wohngebäude sich in Maßstab und Stellung in das Straßenbild der Maria-Josepha-Straße einfügt.

Auch vom Planungsreferat der Stadt München ist der Antrag auf Vorbescheid genehmigt worden. "Es fehlt lediglich noch die endgültige Baugenehmigung", so Bargenda. Bereits im Februar gab es ein Gespräch zwischen dem Münchner Forum und der Münchner Rück. Das führte aber zu keinem Ergebnis. Auch die schriftliche kritische Stellungnahme des Heimatpflegers Gert Goergens blieb erfolglos: Das Bauprojekt wird nicht noch einmal von der Münchner Stadtgestaltungskommission behandelt.

Jetzt bleibt den Baugegnern nur noch der Rechtsweg. Ein Fünkchen Hoffnung sieht Czisch vom Münchner Forum darin, "dass beim Genehmigungsverfahren nicht alle Nachbarn beteiligt wurden. Das könnte noch Konsequenzen geben." Heimatpfleger Goergens appeliert an das Verantwortungsbewusstsein der Bauherren und bittet sie, die Einwände der Bürger ernst zu nehmen.

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