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Am Ende fehlt Sacher ein Wimpernschlag zur DM-Medaille

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Auf den undankbaren vierten Platz fuhr der Penzberger Wolfgang Sacher (RSC Wolfratshausen) bei den Deutschen Meisterschaften der Behinderten-Radsportler.
Auf den undankbaren vierten Platz fuhr der Penzberger Wolfgang Sacher (RSC Wolfratshausen) bei den Deutschen Meisterschaften der Behinderten-Radsportler. © wms

Mit Speed rauscht Wolfgang Sacher im Zielsprint von hinten heran, doch dann schert ein Konkurrent aus und Sacher muss scharf abbremsen. Daraufhin ist die erhoffte Medaille um drei Hundertstel futsch.

Köln/Wolfratshausen – Den Sieg vor Augen – und am Ende doch knapp vorbei. So erging es Wolfgang Sacher am vergangenen Sonntag bei den Deutschen Meisterschaften im Behinderten-Radsport. Dabei hatte sich der Paralympics-Sieger des Jahres 2008 eine gute Taktik zurechtgelegt: Mit viel Schwung von hinten kommend, wollte er aus dem Windschatten seiner Gegner heraus attackieren, um so auf den letzten Metern noch an der Konkurrenz vorbeiziehen zu können. Ein Plan, der beinahe aufging. „Aber eben nur beinahe“, erzählt Sacher. „Als ich auf gleicher Höhe war, ist plötzlich ein Fahrer neben mir ausgeschert und hat mich in die Absperrgitter gedrückt. Ich musste sofort stark abbremsen und haben meinen Geschwindigkeitsvorteil total eingebüßt“, fährt der Penzberger fort und liefert damit die Erklärung, warum es bei den Titelkämpfen nicht mit der erhofften Medaille geklappt hat.

Wie gut Sachers Chancen auf Edelmetall waren, zeigt das Endergebnis des 50 Kilometer langen Straßenrennens: Trotz des Bremsmanövers auf den letzten Metern landete der Vorsitzende des RSC Wolfratshausen auf Rang vier und verpasste die Bronzemedaille nur um drei Hundertstelsekunden. „Es ist kein Geheimnis, dass ich im Ziel ziemlich sauer war. Hätte mein Gegner seine Linie gehalten, hätte ich eine Medaille geholt.“

Rückstand im Zeitfahren

Die Deutschen Meisterschaften im Paracycling waren für Sacher der Höhepunkt einer knapp sechswöchigen Wettkampfphase seit Ende April. Nach guten Platzierungen bei den Weltcuprennen in Belgien und Deutschland sowie einem starken fünften Platz bei der Europameisterschaft in Österreich vor zwei Wochen wollte sich der 55-Jährige mit einer Podiumsplatzierung für einen Startplatz bei den Weltmeisterschaften in Kanada im August qualifizieren – ein Unterfangen, das allerdings schon im 20 Kilometer langen Zeitfahren am Samstag unter schwierigen Vorzeichen stand. „Meine Beine waren vom langen Sitzen im Auto am Vortag nicht gut erholt, das habe ich bereits beim Warmfahren gemerkt. Im Rennen ging es dementsprechend nicht so gut“, sagt Sacher, der dennoch die zweitschnellste Zeit in seiner Rennklasse C 4 erreichte. „Leider war mein direkter Konkurrent um das WM-Ticket, Thomas Schäfer, um 22 Sekunden schneller. Bei der EM war ich noch besser, aber so schnell kann es im Radsport gehen“, lautete Sachers nüchternes Fazit.

WM-Ticket nun in weiter Ferne

Im Straßenrennen am Sonntag war der 55-Jährige dann auf Wiedergutmachung aus und fuhr von Beginn an ein aktives Rennen. „Ich habe bestimmt vier-, fünfmal attackiert. Aber auf der flachen Strecke konnte sich niemand entscheidend absetzen. Die Entscheidung fiel dann im Sprint, in dem ich mit einem Arm allerdings immer einen Nachteil im Vergleich zu zweiarmigen Athleten habe“, so Sacher, der sich im Finale dennoch achtbar schlug – und dank seines taktischen Kniffs, mit Geschwindigkeitsüberschuss von hinten zu attackieren, beinahe sogar einen Überraschungscoup gelandet hätte. „Hätte, hätte Fahrradkette – das zählt im Sport leider nicht. Der vierte Platz ist natürlich undankbar, aber ich habe allen gezeigt, dass ich auch mit 55 Jahren noch zu guten Leistungen im Stande bin. Auch, wenn das WM-Ticket nun natürlich in weite Ferne gerückt ist“, sagt der Radsportler.

Zusammenarbeit mit ehemaligem Sponsor

Unterkriegen lassen will er sich von der wahrscheinlich verpassten Teilnahme an der Paracycling-WM im August in Kanada aber nicht, wobei die die Nominierung erst im Juli erfolgt. Stattdessen gilt die Konzentration des RSC-Chefs seinen nächsten sportlichen Schritten. „2022 ist ja erst meine erste richtige Saison nach der fast zehnjährigen Wettkampfpause. Entsprechend viele Baustellen habe ich noch – angefangen beim Training bis hin zum Material“, so Sacher, der in Zukunft unter anderem wieder enger mit seinem früheren Sponsor, dem Penzberger Unternehmer Ernst-Otto von Drachenfels und dessen Firma Nutridual-Nahrungsergänzungsmittel zusammenarbeiten will.

Sachers nächstes sportliches Event soll aber erst einmal die Tour Transalp sein, die er gemeinsam mit seinem Nationalmannschaftskollegen Erich Winkler bestreiten wird. Der Start des siebentägigen Etappenrennens erfolgt am Sonntag, 19. Juni. Werner Müller-Schell

Lesen Sie auch: Sacher bei der EM Fünfter im Zeitfahren

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