Attacke auf die Hagelflieger

- VON BORIS FORSTNER Rosenheim - Bei aufkommenden Gewittern schwärmen die beiden in Vogtareuth (Kreis Rosenheim) stationierten Flugzeuge in Richtung des Unwetters aus, "impfen" die Wolken mit einem Silberjodid-Gemisch und verhindern so schweren Hagelschlag. Mit einem Gastbeitrag im Oberbayerischen Volksblatt in Rosenheim ist der ARD-Wetterexperte Jörg Kachelmann über die örtlichen Hagelflieger hergefallen.<BR>

<P>In der Rosenheimer Zeitung wurde vergangene Woche eine erste Zwischenbilanz der Gewitterzeit im Schutzbereich der Hagelflieger gezogen, der die Landkreise Rosenheim, Miesbach und Traunstein umfasst. An 14 Tagen waren die vier Piloten um den Vereinsvorsitzenden Georg Vogl im Einsatz, 50 reine Einsatzstunden haben sie absolviert und dabei schlimmere Hagelschläge verhindert, so die Eigen-Bilanz. Diesen Beitrag hat Kachelmann in einem Meteorologen-Forum entdeckt und dann ("so etwas habe ich auch noch nie gemacht") beim Volksblatt um einen Gastbeitrag gebeten: "Es macht mich narrisch, wenn ich so einen Blödsinn über meine Wissenschaft lese."<P>Dementsprechend legte er über den "Aberglauben" los: Erfolgsmeldungen bei den Hagelfliegern hätten den selben Wert, als wenn jemand behaupten würde, er hätte erfolgreich eine Meteoriten-Abwehrkanone erfunden, weil in letzter Zeit kein Meteorit eingeschlagen habe; man könne das Geld für die Hagelflieger gleich direkt aus dem Flugzeug schmeißen oder der Kirche spenden; der TSV 1860 Rosenheim könnte genauso gut Geld sammeln, weil seine energisch getretenen Flanken die thermischen Bedingungen über Rosenheim ändern und so möglicherweise Hagel verhindern.<P>Dass die Hagelflieger nicht unumstritten sind, hat sich zuletzt vor einem Jahr gezeigt, als der Landkreis Miesbach sich den jährlichen Beitrag von 18 000 Euro sparen und aus dem Hagelflieger-Projekt aussteigen wollte. Doch Vogl lässt die Kritik Kachelmanns kalt: Er verweist auf die exorbitant steigende Zahl der Mitglieder (mittlerweile 8600) und bescheinigt Kachelmann, "offenbar keine Ahnung" zu haben. Der ARD-Experte sei beim Thema Hagel nicht auf dem neuesten Stand, es gebe weltweit eine Vielzahl von Organisationen und Forschungseinrichtungen, die die Hagelabwehr seit Jahrzehnten betreiben. "Und es gibt Nachweise, dass es was bringt. Daran kommt man nicht vorbei."<P>Kachelmanns Vorwurf, dass sich die Piloten ihr Hobby vom Steuerzahler bezahlen ließen, kontert Vogl, dass es "wirklich keinen Spaß macht, ins Gewitter zu fliegen und sich bei den Turbulenzen dauernd den Kopf anzuhauen". Er hat Kachelmann eingeladen, um sich vor Ort zu informieren. "Und wenn er nicht will, soll er es bleiben lassen."<P>

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