Ausreißer aus dem Garten Eden kehren reumütig wieder zurück

- Aßlinger Autorin belauscht "Blattgeflüster" in der Provinzidylle

VON HANNS MUTZBAUER Aßling - Geistreich, unterhaltsam und preiswert - auf diese Nenner lässt sich das soeben im Verlag Frieling & Partner Berlin erschienene Buch "Satirisches Blattgeflüster" bringen. Geschichten vom großen Krabbeln werden darin von Sabine Hörmann, einer gebürtigen Münchnerin erzählt.

Die Helden ihres von Hanna Frieling liebevoll illustrierten "Abenteuerromans" sind winzige Wesen, hören auf Bea und Tim und sind ein Ameisenpärchen. Mit von der Partie sind deren Freunde Assel, Hummel, Mistkäfer und Grashüpfer.

Zugegeben: das klingt höchst verdächtig nach einem Kinderbuch, nach Gute-Nacht-Geschichten. Aber davon kann eigentlich keine Rede sein. Ganz im Gegenteil. Autorin Sabine Hörmann schildert mit viel Witz und erstaunlich genauer Beobachtungsgabe eine Story, die sich zwar im Reich winziger Tiere abspielt, Ähnlichkeiten mit der Spezies Mensch sind aber unübersehbar - und wohl auch beabsichtigt. Dass aus der im Millionendorf München geborenen Autorin im Laufe der Zeit eine "bekennende Landratte" wurde, spürt der rasch gefesselte Leser mit jeder Zeile. Und noch eines wird ihm schnell klar: Ort der Handlung, der schwärmerisch als "Garten Eden" beschrieben wird, ist der ländliche Raum, das Voralpengebiet.

Die Idylle ist geografisch genau eingegrenzt. "Nicht weit von Rosenheim liegt ein Dorf, in dem es noch sehr ländlich zugeht. Weite und grüne Wiesen, Pferde, Fischweiher sind hier anzutreffen. Ein friedlicher Ort, dessen zähe Stille nur durch das träge Läuten der Kirchturmglocke interbrochen wird" - schreibt die Autorin. In dieser Umgebung ist die Welt noch in Ordnung - auch für das Ameisenpärchen Bea und Tim, das in seinem schönen Garten scheinbar wunschlos glücklich den lieben Gott einen guten Mann sein lässt. Doch wie schon im Paradies, als Adam und Eva paradiesische Zustände eben nicht zu schätzen wussten, sticht auch das sympathische "Viehzeug" der Hafer.

Mal sehen, wie die Welt jenseits des Gartenzauns aussieht, wollen Bea und Tim wissen und machen sich zusammen mit ihren Freunden auf den Weg, eben diese Welt zu erobern. Geschickt versteht es die Autorin, die nach beruflichen Zwischenstationen in der Stadt auf dem Land - genauer gesagt in Aßling - ein neues Zuhause fand, die Spannung hoch zu halten. Augenzwinkernd lässt sie Ameisen, Mistkäfer und Co. wie menschliche Wesen agieren. Herausgekommen ist im wahrsten Sinne des Worte ein "satirisches Blattgeflüster", eine saftige Zeitsatire. Menschliche Schwächen werden pointiert aus einem doch ungewöhnlichen Blickwinkel beleuchtet.

Amüsiert verfolgt der Leser die Odyssee der unternehmungslustigen "Blas`n", die bei ihrer Suche nach dem Glück in der Fremde schon bald erkennen muss, dass der Ausbruch aus ihrer heilen Welt ein Riesenfehler, eine Schnapsidee war. Dem Fernweh folgt die Ernüchterung, das Heimweh nach vertrauter Umgebung auf dem Land. Von ihrem neuen Domizil aus, eineer Balkonwohnung im Häuser- und Straßendschungel der Großstadt - schmieden die Ausreißer Fluchtpläne.

Die Sehnsucht nach ihrer grünen Oase macht sie erfinderisch. Nichts wie heim, lautet die Devise. Der Leser fiebert mit und nimmt dankbar zur Kenntnis, dass sich die Autorin für ein Happyend entschieden hat. Über viele Umwege gelangen die "Leute vom Land" wieder zum Ausgangspunkt ihrer Entdeckungsreise zurück. Als "Transportmittel" bedienen sie sich des Hundes Fritz, der sie schließlich wohlbehalten im "gelobten Land" ablädt. Am Ende bleibt die Erkenntnis - zumindest aus Sicht der Insekten - eine Luftveränderung will wohl überlegt sein. Bea, Tim und ihre Freunde - und damit schließt sich der Kreis - haben ihre Lektion gelernt: im Grünen ist es doch am schönsten. Wie schon gesagt: Ein unterhaltsames und geistreiches Buch, das unser (also der Menschen) Alltagsgebaren auf amüsante Weise in Frage stellt.

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