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Barriere über Barriere in der eigenen Wohnung

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- VON EDELTRAUD LACHNER Dachau - Mit einer Körperbehinderung leben zu müssen, ist schwer genug. Tritt die Behinderung aber plötzlich auf, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder einer Amputation, sind die Betroffenen oft zusätzlich auch noch in ihrer Wohnsituation "behindert". Da werden Treppen zu unüberwindbaren Hindernissen, da sind die Türen für den Rollstuhl nicht mehr breit genug. Hilfe bietet hier die Selbsthilfegruppe Körperbehinderter an.

Franz Rumpf, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe, und sein Stellvertreter Gerd Oberheid haben sich von der Fachstelle Wohnberatung in Bayern zum so genannten Wohnberater ausbilden lassen. Oberheid, von Beruf Architekt, und Rumpf richteten eine "Koordinierungs- und Beratungsstelle für barrierefreies Planen und Bauen" ein und bieten über die Selbsthilfegruppe Wohnberatung an.

Wohnberater helfen schnell und unbürokratisch

Ursula E. hat diese Beratung in Anspruch genommen und ist voll des Lobes. "Ich fühlte mich sehr gut betreut und in meiner schwierigen Situation nicht allein gelassen." Sie sah sich mit dem Problem konfrontiert, die Wohnung ihrer pflegebedürftigen Eltern behindertengerecht umbauen zu müssen und wandte sich ans Landratsamt. Dort bekam sie die Adresse der Fachstelle Wohnberatung in München genannt, die sie schließlich an die Selbsthilfegruppe Dachau verwies. "Nach der Kontaktaufnahme wurde schnell und unbürokratisch geholfen und sogar an einem Sonntag ein Termin vereinbart", so Ursula E. Die Wohnberater machten eine Bestandsaufnahme und erarbeiteten ein Gutachten, das mit den Betroffenen besprochen wurde.

Fach-Beratung auch während der Bauphase

Ist eine Entscheidung über Art und Umfang der Umbaumaßnahme getroffen, ist die Arbeit für Franz Rumpf und Gerd Oberheid aber noch nicht zu Ende. Sie begleiten auf Wunsch den Umbau, der einen Umzug in ein Pflegeheim ersparen kann, und informieren über die verschiedenen Möglichkeiten staatlicher und nichtstaatlicher Förderung und sind dann bei der Beantragung ebenfalls behilflich. Für die Betroffenen entstehen keine Kosten, die Wohnberater arbeiten ehrenamtlich.

Rumpf und Oberheid sind aber auch mit Fällen konfrontiert worden, in denen die geänderten Bauordnungen und das Gleichstellungsgesetz keine Anwendung finden. Dann nämlich, wenn Menschen mit Behinderung von ihrem Recht auf Ausstellung eines Behindertenausweises verzichten. "Ohne Ausweis fehlt die Rechtsgrundlage, und das geänderte Baurecht greift nicht", sagt Rumpf.

Künftig wollen die Wohnberater auch eine Zusammenarbeit mit Sozialdiensten anbieten. Dafür fehlen aber die Mittel, und deshalb wurde bereits finanzielle Unterstützung bei den Kommunen und beim Landkreis beantragt.

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