Bedroht Kopftuchverbot die Ordenstracht?

- VON CONNY SÜSS München - Bei der Anhörung im Bayerischen Landtag zum Kopftuchverbot ist vor allem eines klar geworden: die Uneinigkeit der Experten. In der Ausschusssitzung waren Sachverständige geladen, die ihre Position zum Gesetzentwurf der Staatsregierung darlegten. Die CSU hielt an dem Vorhaben fest, das Tragen eines Kopftuchs im Unterricht zu verbieten. SPD und Grüne wollen - wie die katholische Kirche - eine Einzelfallprüfung, wofür das Beamtenrecht ausreiche.<BR>

<P>Los ging es mit den Unstimmigkeiten schon bei den Verfassungsrechtlern. Nach Ansicht von Johannes Masing von der Universität Augsburg müsse mit einem Kopftuchverbot für Lehrerinnen auch das Nonnenhabit verboten werden. Schließlich herrsche für alle Bekenntnisse im Grundgesetz Gleichbehandlungspflicht. Dem entgegnete der Rechtsexperte Peter Michael Huber von der Ludwig-Maximilians-Universität München, dass es beim Kopftuch um eine "abstrakte Gefahr" gehe, die von einem Nonnenhabit nicht ausgehe.<P>Auch die deutsch-türkische Sozial- und Religionswissenschaftlerin Necla Kelek erklärte, das Kopftuch habe "in der Schule weder bei Schülerinnen noch bei Lehrerinnen etwas zu suchen". Es sei ein Symbol der Einschränkung von Selbstbestimmungs- und Freiheitsrechten der muslimischen Frauen. Tilman Schaible von der Islamischen Religionsgemeinschaft entgegnete, es sei ein Gebot im Koran, dass Frauen sich zu bedecken hätten: "Eine Muslima empfindet das als Teil ihrer Sittsamkeit." <P>Unterschiedliche Meinungen gibt es auch in den Kirchen: Die katholische Kirche lehnt das Tragen eines Kopftuches durch eine muslimische Lehrerin nicht grundsätzlich ab, wenn es als persönliche Glaubensbekundung verstanden werde. Deswegen sei eine Einzelfallprüfung angemessen, sagte der Leiter des katholischen Büros in Bayern, Prälat Valentin Doering. Nicht jede Kopftuch tragende muslimische Lehrerin könne als militante Verfechterin verfassungswidriger Ziele gesehen werden.<P>Dieter Breit von der evangelischen Landeskirche erklärte indes, die subjektive Überzeugung der Lehrkraft sei nicht entscheidend. Das Kopftuch sei vor allem als Symbol eines bestimmten Gesellschaftsverständnisses zu sehen. So sei das Kopftuch im Islam ein Zeichen der Unterwürfigkeit der Frau.<P>"Es war hilfreich, die verschiedenen Positionen kennen zu lernen", sagte SPD-Verfassungsexperte Franz Schindler nach der Sitzung. Und CSU-Bildungssprecher Siegfried Schneider kündigte an, den Gesetzentwurf "im Lichte der Anhörung nochmals zu diskutieren".<P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

FC Pipinsried weiter ungeschlagen - FC Deisenhofen gewinnt Verfolgerduell
Am vorletzten Hinrunden-Spieltag war das Aufsteiger-Duell zugleich die attraktivste Partie der Bayernliga Süd: Der FC Deisenhofen bezwang dabei den TSV Wasserburg auf …
FC Pipinsried weiter ungeschlagen - FC Deisenhofen gewinnt Verfolgerduell
Kuriose Aktion auf der Autobahn: Porsche-Fahrer erklärt was dahintersteckt - „Ein Kumpel von mir hat ...“
Aktuell kursiert ein kurioses Video im Netz. Es zeigt, wie ein Porsche-Fahrer auf der Autobahn seinen Vordermann anruft und beleidigt.
Kuriose Aktion auf der Autobahn: Porsche-Fahrer erklärt was dahintersteckt - „Ein Kumpel von mir hat ...“
VfB Hallbergmoos außer Tritt -  Eintracht Karlsfeld zurück in der Erfolgsspur
Der VfB Hallbergmoos gehörte zu den Mit-Favoriten in der Landesliga Südost. Doch nach drei Niederlagen in Serie ist die Mannschaft von Trainer Gedimas Sugzda außer Tritt …
VfB Hallbergmoos außer Tritt -  Eintracht Karlsfeld zurück in der Erfolgsspur

Kommentare