Ein begnadeter "Laubschneitter"

- Auf Spuren des Schreiners Matthias Fackler

Erding (num) - Über 30 Jahre lang hat Schreinermeister Matthias Fackler (1721-1792) in dem kurfürstlichen, niederbayerischen Markt Dorfen an der Isen für unzählige Kirchen Altäre, Tabernakel, Kanzeln, Beichtstühle, Taufsteinaufsätze, Chorgestühle, Speisgitter, Emporenverkleidungen, Kirchenbänke und Oratorienverkleidungen geschaffen. Seine Schreinerei stellte alles her, was zur Errichtung eines Sakralraums in der Rokokozeit notwendig war. Der Historische Verein widmete dem gebürtigen Erdinger einen eigenen Vortragsabend.

Fackler arbeitete meistens nach eigenen Entwürfen. Seine Aufbauten zeugen vom effektvoll beherrschten Umgang mit dem Vokabular der Architektur. Seine Hochaltaraufbauten sind so konzipiert, dass die vorderen Säulen die rückwärtigen Stützen an Höhe überragen. Die Retabel erlangen dadurch eine bühnenhafte Tiefenerstreckung.

Der "Künstler zu Dorffen", wie ihn die Zeitgenossen nennen, gibt seinen Schöpfungen, nicht zuletzt der virtuosen Ornamentik, eine eigenständige Charakteristik. Auf diesem Feld gelingen Fackler beachtliche Leistungen. Zurecht signierte er einmal stolz mit "Maister Schreiner: und Laubschneitter in Dorffen" (Laubschneitter bezeichnet den Ornamentschnitzer). Facklers Werke belegen seinen Rang als Kunsthandwerker. Die umfangreiche Produktion seiner Werkstatt spricht von seinem Fleiß und seiner Organisationsgabe.

Unbestritten gehört er zu den größten Altarschreinern des bayerischen weiß-blau-goldenen Rokokos. Er schuf seine Werke für Erding und das Hinterland, ihr geistvoll heiteres Formenspiel trug den Charme des Rokoko in die Landkirchen. Im Zusammenwirken mit dem genialen Landshuter Bildhauer Christian Jorhan d. Ä. (1727-1804) und dem Fassmaler Andreas Zellner entstanden - zum Beispiel in Altenerding - Kunstwerke, deren beste Beispiele zu den Höhepunkten der Sakralkunst dieser Epoche in Altbayern gehören. Eine Reise zu Facklers Kunstschätzen würde über Aufkirchen, Buch am Buchrain, Dorfen, Maria Thalheim, Hörgersdorf, Tading führen.

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