Bergsteiger-Duo "BB" im Temporausch

- Grünwald - Das Kürzel "BB", einst Inbegriff für die Sinnlichkeit einer französischen Film-Diva, steht seit einigen Jahren in der Bergsteigerbranche für eine - gegenüber Brigitte Bardot auf andere Weise - Aufsehen erregende Symbiose: "Beni und Basti", genauer gesagt Benedikt Böhm aus München-Harlaching und Sebastian Haag aus Grünwald (Kreis München). Wichtiges Utensil für das inzwischen unzertrennliche Bergsteiger-Duo ist die Stirnlampe - denn weil das Berufsleben sie stark einspannt, trainieren Böhm (29) und Haag (27) des öfteren nachts, indem sie auf dem Mountainbike oder mit Tourenski Kondition tanken.<BR>

Die brauchen sie nämlich, um so genannte "Speed-Begehungen" auf höchste Gipfel zu absolvieren: wie 2005 am Mustagh Ata (7456 Meter) in China oder jetzt am Gasherbrum II (8035 Meter) im Karakorum. Die beiden kennen sich schon aus ihrer gemeinsamen Schulzeit im Albert-Einstein-Gymnasium in München-Harlaching. Böhm betrieb damals leistungssportmäßig Ski-Langlauf im legendären Skiclub Hochvogel, Haag entstammt einer Skifahrerfamilie. Die Eltern sind staatlich geprüfte Skilehrer, der Bruder war Rennläufer.

"Irgendwann haben wir beide Sportarten miteinander kombiniert und kamen so zum Skitourengehen. Mit der Zeit haben wir dann immer krassere Sachen gemacht", so Haag. Benedikt Böhm hat schon von Berufs wegen viel mit Skiern zu tun. Nach dem BWL-Studium in England sowie einem Semester in den USA wechselte er zum Skihersteller Dynafit und koordiniert von Aschheim aus den internationalen Vertrieb. Das 29-jährige Energiebündel gilt als die impulsivere Hälfte der beiden Bergsportler: "Ich will meist mit dem Kopf durch die Wand, was den Basti oft aufregt. Er hat immer den totalen Plan, studiert vorher Bücher und Karten über den geplanten Gipfel."

Auch im Beruf zeigt sich Basti Haag als der besonnene Typ: Der Tierarzt ist für einen mobilen Dienst tätig, fährt mit einem Rettungswagen durch München und behandelt nach Notrufen gebrochene Hundebeine oder die Hautentzündung eines Meerschweinchens.

Den Ausgleich zum Alltag suchen Basti und Beni in den Bergen. "Dort verbringen wir jede freie Minute", so Haag. Die Gletscher machen`s möglich: "Dass wir mal nicht auf Skiern stehen, kommt nie länger als vier Wochen am Stück vor." Auf den Mont Blanc oder den Großglockner an einem Tag? Die beiden leben für das Hochgeschwindigkeits-Bergsteigen. "Der Reiz liegt darin, die Sache elegant zu machen. Also ohne große Ausrüstung. Einfach raufwetzen und runterdüsen", beschreibt Haag seine Gefühle. Außerdem verrät der Tierarzt: "Beni und ich mögen beide nicht die Nächte in Hochlagern." Also lieber die Bequemlichkeit im Tal oder Basislager genießen.

Angst, dass mal etwas passiert? "Natürlich, die Familie und die Freundin machen sich schon Sorgen", so Haag. "Aber wenn ich nur daheim sitzen müsste, weil mir jemand unsere Touren verbietet, würde ich depressiv. Und das wiederum möchte auch niemand."

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