Betrug mit Biermarken

- Auf dem Münchner Oktoberfest sind in drei Bierzelten gefälschte Bierzeichen aufgetaucht. Von rund 20 000 gefälschten Marken ist die Rede. Betroffen sind das Winzerer Fähndl, das Armbrustschützenzelt und die Bräurosl. Nach Informationen unserer Zeitungen sind zwei tatverdächtige Männer festgenommen worden. Ob der Betrugs-Skandal noch weitere Kreise zieht, war gestern noch unklar. Ebenso, wo die Marken hergestellt und wie sie genau in Umlauf gebracht wurden. Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl spricht von einem "immensen Image-Schaden für die Wiesn".<BR>

<P>Kaum hatte OB Christian Ude den Start der 171. Wiesn verkündet, waren auch schon die ersten Marken im Umlauf. Im Trubel der ersten beiden Tage hatten die Bedienungen kaum eine Chance, die Marken zu überprüfen. Norbert Hartl, Geschäftsführer im Armbrustschützenzelt, sagt, dass die Marken überwiegend im Biergarten und an den reservierungsfreien Tischen aufgetaucht seien. Dass Bedienungen in den Betrugs-Fall verwickelt sein könnten, schlossen die betroffenen Wirte gestern aus. Dafür gebe es keine Hinweise. <P>Die sichergestellten Marken schauen den echten zum Verwechseln ähnlich. Sie haben exakt dieselbe Größe wie das Original. Selbst die Merkmale der jeweiligen Zelte - der Adler des Armbrustschützenzelts und der Maßkrug der Bräurosl - sind abgebildet. Die Fälschungen erkennt man lediglich daran, dass sie nicht durchgängig farbig gedruckt sind. "An den Rändern oder beim Einriss erkennt man weiße Papierfasern", erklärt Bräurosl-Wirt Georg Heide. Die Originale hat die Münchner Gelddruckerei Giesecke und Devrient produziert. <P>Während im Armbrustschützenzelt und in der Bräurosl Papiermarken nachgedruckt wurden, sind im Winzerer Fähndl rote Plastikchips nachgeprägt worden. Nur mit einem speziellen Lesegerät kann man das Original von der Fälschung unterscheiden. Seit gestern Mittag hat Peter Pongratz, Wirt des Winzerer Fähndls, ein solches Gerät in seinem Büro stehen: "Ich lasse jetzt jede Biermarke überprüfen." <P>Die Polizei warnt dringend zur Vorsicht beim Ankauf von Biermarken. Polizeisprecher Wolfgang Wenger: "Wer gefälschte Bierzeichen kauft oder diese im Zahlungsverkehr verwendet, begeht kein Kavaliersdelikt." Nutzer könnten auch strafrechtlich belangt werden. <P>"Das ist ein Verbrechen", schimpft Wirtesprecher Toni Roiderer. Geschädigte seien nicht nur die Wirte, sondern auch die Wiesn-Besucher: "Sie bekommen für die Marken schließlich keine Ware." Roiderer hofft, dass die Bande schnell gefasst werde: Schließlich seien alle Original-Gutscheine mit Kontrollnummern versehen. Roiderer: "So weiß jeder Wirt, wer welchen Gutschein gekauft hat." Und somit auch, von welcher Marke die Fälschung gemacht sei. <P>Gabriele Weishäupl, seit 18 Jahren Chefin des Oktoberfestes, sagt: "Einen so groß angelegten Betrugsfall habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt." Auch sie ist an der raschen Aufklärung des Falls interessiert: "Wir haben einen Ruf zu verlieren." Nach den unrechtmäßigen Versteigerungen von Reservierungen im Internet sind die falschen Biermarken der zweite Betrugsfall auf der Wiesn in diesem Jahr. <P></P>

Auch interessant

Kommentare