Bossi-Töchter streiten sich ums Grab der Mutter

- 51 000 Euro an Kultusgemeinde

VON BETTINA LINK Klara Bossi, verstorbene Ehefrau des prominenten Anwalts Rolf Bossi, hatte klare Vorstellungen davon, wo sich ihre letzte Ruhestätte befinden soll. 100 000 Mark sollte die exponierte Grabstelle auf dem Neuen Israelitischen Friedhof im Münchner Norden kosten, vereinbarte Klara Bossi. Ihre Töchter aber weigerten sich nach dem Tod der Mutter, die Rechnung zu begleichen. Die Israelitische Kultusgemeinde klagte. Jetzt entschied das Münchner Amtsgericht: Die Bossi-Töchter müssen umgerechnet rund 51 000 Euro zahlen.

Klara Bossi starb im September 2000 im Alter von 79 Jahren an Krebs und wurde auf dem Friedhof an der Garchinger Straße beerdigt, direkt gegenüber der Aussegnungshalle. Dort werden sonst nur verstorbene Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde oder jüdische Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg beerdigt. Ein Platz, der seinen Preis hat, nicht zuletzt, weil Gräber nach jüdischer Tradition Stätten mit ewigem Ruherecht für die Toten der Gemeinde sind. Klara Bossi hatte diesen Wunsch "über Anwälte geäußert", sagt ein Sprecher der Kultusgemeinde. Andere Grabstellen kosteten 8000 Euro.

Klara Bossis Töchter, Judith K. (aus erster Ehe) und Marion "Mausi" S. (Rolf Bossis leibliche Tochter) warfen der Israelitischen Kultusgemeinde "Sittenwidrigkeit" vor, sprachen von "Ausnutzung einer Zwangslage". Ihr Anwalt Gerhard Bumeder erwähnte den "raschen körperlichen Verfall" von Klara Bossi während ihrer Krankheit und ihre Depressionen. Das seien für ihn klare Anhaltspunkte für eine Willensschwäche.

Diese Einschätzung allerdings widerlegte ein Gutachten über Klara Bossis Geschäftsfähigkeit durch die Klinik von Dr. Michael Schreiber: "Es bestehen keine Hinweise auf eine krankhafte Störung der Geistestätigkeit."

Die Erbinnen machten weiterhin Wucher geltend. Als Beispiel nannten sie die Israelitischen Friedhöfe in Wien, Frankfurt und Berlin, wo ein Grab nur 15 000 Mark gekostet habe. Dazu stellte der Richter klar: "Es gibt da keinen vergleichbaren Markt."

Der Sprecher der Kultusgemeinde in München erklärte, Klara Bossi habe in zwei Sitzungen den Preis von 100 000 Mark für das exponierte Grab ausgehandelt. Es gebe auch Mitglieder, die nichts bezahlen müssten. Bei verarmten Mitgliedern kümmere sich die Gemeinde um das Grab.

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