Bringt ein Arzt Max Strauß in Bedrängnis?

- Augsburg -­ Sein Zeugenauftritt am Montag vor dem Augsburger Landgericht dürfte Prof. Bernd-Rüdiger Balda in einige Erklärungsnöte bringen. Der 67-jährige Hautarzt, bis 2004 Chefarzt am Augsburger Zentralklinikum, muss im Prozess gegen Max Strauß aussagen.

Vorsitzender Richter Manfred Prexl wird von dem Zeugen eine überzeugende Erklärung verlangen, warum sich Balda angeblich nicht mehr erinnern kann, wem er vor mehr als einem Jahrzehnt eine stattliche Summe Geldes ausgehändigt hat. Es sollen 130 000 Mark gewesen sein ­ in bar. Damit taucht ein ganz neuer Aspekt in dem Strafverfahren auf.

Die 130 000 Mark hatte ihm die Augsburger Firma Böwe 1990 in mehreren Tranchen auf sein neu eröffnetes Konto in der Schweiz überwiesen. Bald nach dem Eingang wurde es wieder aufgelöst. Der Zeuge hat den Vorgang Jahre später bei seiner Vernehmung bestätigt. Die Zahlung war ein Honorar, das nach Erkenntnissen der Ermittler jedoch nicht für ihn, sondern für Max Strauß bestimmt gewesen sei.

Für wen waren 130 000 Mark der Firma Böwe bestimmt?

Der 47-jährige Strauß ist in Augsburg der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt. Balda, ein langjähriger Freund der Familie Strauß, war für eine Stellungnahme wegen einer Auslandsreise nicht erreichbar.

Mit dem Vorwurf taucht ein gänzlich neuer Aspekt im Strafverfahren gegen den Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten auf. Es geht nicht mehr nur um internationale Panzer- und Airbusgeschäfte. Das Gericht muss jetzt die Frage prüfen, ob Strauß im Freistaat gegen Bezahlung Regierungstüren öffnete ­ im konkreten Fall die des bayerischen Umweltministeriums.

Die Kontakte zwischen Böwe und Max Strauß waren 1989 über die Augsburger Rotarier und Prof. Balda zustande gekommen. Böwe, ein Unternehmen der Wanderer-Gruppe, suchte dringend nach Finanztöpfen, um die Entwicklung umweltfreundlicher Textilreinigungsmaschinen voranzutreiben. Der Name Strauß, hoffte der damalige Böwe-Vorstand Peter Boden, könne einiges bewirken ­ auch wenn Ministerpräsident Strauß damals schon fast ein Jahr tot war. In der Tat, am 8.März 1990 soll Max Strauß das Unternehmen informiert haben, dass Umweltminister Alfred Dick einen Zuschuss von 1,3 Millionen Mark bewilligt habe. Die Böwe-Manager zeigten sich dennoch nicht gerade begeistert, hatten sie doch gehofft, 12,8 Millionen zu erhalten.

Dennoch soll Max Strauß nach Angaben eines Böwe-Mitarbeiters für seine Bemühungen zehn Prozent vom gewährten Zuschuss als Honorar bekommen haben ­ eben jene 130 000 Mark. Der Überweisungsauftrag in die Schweiz sei ordnungsgemäß von der Firma verbucht worden, heißt es seitens der Geschäftsleitung. Unterlagen darüber gibt es aber nicht mehr, da die gesetzliche Aufbewahrungsfrist verstrichen ist. Das Gericht hat für Montag drei Böwe-Manager als Zeugen bestellt. In der irrigen Annahme, ausreichendes Beweismaterial gegen Max Strauß in den Händen zu haben, hatte die Augsburger Staatsanwaltschaft im November 2002 diesen Teil ihrer Ermittlungen eingestellt.

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