Brutaler Mord am Chiemsee neu aufgerollt

- Urlauber erschossen - Täter womöglich aus der Gegend

VON CLAUDIA MÖLLERS Traunstein - Eines der brutalsten Verbrechen im Bereich des Chiemsees wird von der Polizei mit neuen Erkenntnissen wieder aufgerollt. Am 7. Juni 1997 wurde das holländische Ehepaar Truus (61) und Harry (63) Langendonk vor ihrem Campingwagen erschossen. Bei Nürnberg wurden ihre verkohlten Leichen in ihrem ausgebrannten Camper entdeckt. Jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass die Täter aus dem Bereich Traunstein stammen könnten oder einen Bezug zum Tatort haben.

Für Verwirrung sorgte eine Stellungnahme eines Polizeisprechers, wonach die Ermittler bereits eine Person ins Visier genommen hätten. Rudolf Kick von der Sonderkommission "Langendonk" in Traunstein versichert, dass man keinen konkreten Tatverdacht habe. Eine über Wochen verfolgte vielversprechende Spur habe sich am Freitag endgültig erledigt.

"Das war eine der schlimmsten Taten, die jemals hier im Bereich Traunstein durchgeführt wurden", zeigt sich Kick noch fast fünf Jahre nach dem Mordfall von der Brutalität erschüttert. Die Leichen wiesen Kopfschüsse im Hinterkopf auf, außerdem hatte man ihre Kehlen zerschnitten.

Damals war man zunächst davon ausgegangen, dass zwei flüchtige russische Straftäter das Urlauberehepaar umgebracht hatte. Doch sie hatten ein lückenloses Alibi.

Neue Untersuchungsmethoden der Ermittler haben jetzt der Soko zwei neue Ansatzpunkte geliefert, um der Täter doch noch habhaft zu werden. So genannte "Profiler" des Polizeipräsidiums München fanden durch Analysen der Tatumstände heraus, dass der oder die Verbrecher entweder aus dem angrenzenden Bereich des Tatortes stammen oder einen Bezug zu ihm haben. "Vielleicht hat der Täter hier einmal gewohnt oder war hier beruflich unterwegs", erläutert Kick die Vermutung.

Es erscheine doch sehr merkwürdig, dass der Mörder das Fahrzeug mit den Leichen vom Tatort bis nach Nürnberg gefahren hat und es dort in Brand setzte. Das zeige, dass er mit allen Mitteln einen Rückschluss auf den Tatort verhindern wollte.

Die Polizei hofft jetzt auf Hinweise aus der Bevölkerung. Die zielen auf einen mysteriösen Taxi-Fahrgast, der sich in der Nacht des 8. Juni gegen zwei Uhr unweit des Brandortes in Nürnberg-Altenfurt per Taxi zum Hauptbahnhof fahren ließ. Dort wechselte der etwa 28 - 35 Jahre alte Mann das Taxi und fuhr in den Kreis Traunstein, wo er zwischen Aiging und Matzing ausstieg. Dieser Mann (schlank, dunkelblond, sprach mit bayerischem/österreichischem Dialekt) könnte eng mit dem Fall in Verbindung stehen. Genetisches Spurenmaterial, das am Tatort sichergestellt werden konnte und nun mit neuen Techniken untersucht wird, könnte die Tat aufklären.

Für Hinweise, die zur Klärung des Verbrechens führen, ist eine Belohnung in Höhe von 51 129 Euro ausgesetzt - der größte Teil der Summe stammt von Angehörigen. Hinweise an die Kripo Traunstein Tel. 08 61/98 73-411.

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