Chaotische Szenen in der Oberland-Bahn

- VON GERTRUD HARRER Schliersee - Verzweifelte Schreie, Schimpftiraden und eine derartige Enge im Zug, dass selbst für den Schaffner kein Platz mehr war: Chaotisch waren am Wochenende die Zustände in der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) von München nach Schliersee. Den Ausflugswahnsinn spürte Merkur-Leser Roland Losch mit seinen Lieben am eigenen Leib. Die Familie musste zwei Stunden am Bahnsteig ausharren, bis sie sich Zugang in einen der überfüllten Züge schaffen konnte.<BR>

<P>Gemeinsam mit Frau, Tochter und Sohn machte sich Roland Losch bei Föhnwetter am Sonntag in Richtung Schliersee auf den Weg. Bereits bei der Hinfahrt herrschte schon Enge im Zug, mehr als die Hälfte der Fahrgäste mussten stehen. Doch im Vergleich dazu, was die Familie am Ende des warmen Herbsttages aushalten musste, war dies noch erträglich.<P>Erst um 18.30 Uhr schafften es die Loschs mit Mühe und Not, sich auf dem überfüllten Schlierseer Bahnhof einen Platz in der Bahn zu erkämpfen. Zwei Züge mussten sie in der Zwischenzeit ohne sich fahren lassen - weil die Zustände in und an der BOB dramatisch waren.<P>Auch der Schaffner wurde vom Zug weggedrängt <P>"Wir wollten um 16.30 Uhr zurück nach München", erklärt Losch. Doch auf dem Bahnsteig herrschte Chaos, rund 80 Menschen warteten auf die Bahn - die schon überfüllt in Schliersee ankam. Verzweifelte Schreie wie "Passt doch auf die Kinder auf" oder Schimpftiraden wie "So ein Saustall" waren zu hören, als sich die Ausflügler in die Abteile drängten. Dort war es so voll, dass es nicht einmal der Schaffner zurück in den Zug schaffte. Der Sohn der Familie konnte sich in dem Chaos einen Platz ergattern, musste aber am Münchner Bahnhof zwei Stunden auf seine Eltern warten, bis die Horror-Fahrt beendet war.<P>Bei der BOB ist die Problematik bekannt. Eine schnelle Lösung kann Geschäftsführer Heino Seeger aber nicht bieten. Wenn die Münchner bei schönem Wetter ins Oberland strömen, sei man mit den Kapazitäten sehr schnell am Ende. "Wir haben nur 17 Integrale, die für Spitzenbelastungen nicht ausreichen", sagte Seeger. Die Lösung des Problems könne nur ein Mehr an Fahrzeugen und eine Erhöhung der Frequenz sein. Partner wie das bayerische Verkehrsministerium und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hätten ein offenes Ohr für die Probleme.<P>"Wir sind gemeinsam dabei, Konzepte zu erarbeiten", sagte BEG-Sprecher Wolfgang Oeser. Es müsse aber klar sein, dass mehr Fahrzeuge und Fahrten zu Spitzenzeiten nur bedingt Abhilfe schaffen könnten.<P>

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