Tod in chinesischer Eishölle

- VON CHRISTOF SCHNÜRER Mittenwald - Es war ein Weltrekord mit grausigen Begleitumständen: Drei Oberbayern haben den 7546 Meter hohen chinesischen Muztagh Ata in einer Rekordzeit bezwungen. Doch in Erinnerung bleibt Benedikt Böhm, Sebastian Haag sowie Christoph Aster, der beim Probelauf drei Tage zuvor als Fotograf dabei war, vor allem eine Leiche am Rand des eisigen Pfads. "Wir waren geschockt", sagt der Mittenwalder Soldat Aster. Das Trio war auf eine vermisste Bergsteigerin aus Köln gestoßen. Wenig später fanden die Männer noch ihren Begleiter, einen Tourengeher aus Pähl (Kreis Weilheim-Schongau), der wenig später starb.<BR>

10 Stunden und 41 Minuten benötigten Böhm und Haag am 23. August für den so genannten Speed-Rekord auf einer Distanz von 3100 Höhenmetern. Für klassische Expeditionen, rechnet der die Tour begleitende Summit-Club des Deutschen Alpenvereins (DAV) vor, sind normalerweise vier Tage veranschlagt.

Drei Tage vor ihrem geglückten Rekordversuch brachen der Garmisch-Partenkirchner Böhm (28) und der Münchner Haag (26) in Begleitung des Mittenwalder Soldaten und Fotografen Aster (25) von ihrem Basiscamp in Höhe von etwa 6400 Metern schon einmal Richtung Gipfel auf, um die Route für ihren Skitouren-Rennlauf zu sondieren. "Das Wetter war gut, der Wind nur schwach", erinnert sich Aster. Nach etwa 400 Höhenmetern machten sie eine grauenhafte Entdeckung: Am Rand der Route lag ein Mensch regungslos im Schnee. Die Frau - wie sich später herausstellte, stammte sie aus Köln - gehörte einer privaten Gruppe an, aus der seit einem Tag zwei Personen als vermisst gemeldet worden waren. Sie hatten, so heißt es beim DAV-Summit-Club, "trotz der Warnungen anderer Gipfelgänger ihren späten Aufstieg" fortgesetzt und den Gipfel erst bei Anbruch der Dunkelheit erreicht. Was dann geschah, ist unklar. Jedenfalls kam für sie jede Hilfe zu spät. "Wir waren geschockt", berichtet Aster.

Dennoch setzten sie die Tour fort und erreichten den Gipfel. Mit den Skiern ging es wieder nach unten. Und dann erneut ein Schock: Nur fünf Gehminuten entfernt vom Fundort der Leiche lag ein Mann, Alter Mitte 50. "Er hat vor sich hin gestöhnt, war aber nicht mehr ansprechbar", sagt Aster, der den stark Unterkühlten in seine Daunenjacke packte. Böhm eilte sofort zum nächst gelegenen Camp, alarmierte dort andere Bergsteiger und kehrte mit drei Helfern zurück zu seinen Freunden. Gemeinsam transportierten sie den Schwerverletzten ins Camp zurück, wo sich ein Arzt um ihn kümmerte. Doch zu spät: Der Mann aus Pähl starb noch im Camp. Er hinterlässt Frau und Kinder.

Trotz dieser schockierenden Begleitumstände wagten Böhm und Haag zusammen mit dem Mittenwalder Soldaten und Bergführer Matthias Robl ihren Rekordversuch. Die Stoppuhr blieb schließlich bei 10 Stunden und 41 Minuten für Aufstieg und Abfahrt stehen - ein "Zeit-Rekord am Vater der Eisberge", wie der Summit-Club vermeldet.

Auch interessant

Kommentare