CSU: Baretti verdrängt Kreischef Podiuk

- Der Neue verkündet: Es gibt keine Erbhöfe

VON EBERHARD GEIGER Christian Baretti ist neuer CSU-Kreisvorsitzender im Münchner Südosten. Die Delegierten erteilten dem bisherigen Amtsinhaber und Fraktionschef im Rathaus, Hans Podiuk, eine Absage. Er unterlag überraschend deutlich mit 36 zu 63 Stimmen. Podiuk hatte die Parteigliederung 18 Jahre lang geführt.

Der 56-Jährige wollte nicht kampflos weichen. Auch nicht, nachdem ihm Baretti (29) eine Vereinbarung angeboten hatte: Verzicht auf den Vorsitz und dafür Unterstützung zur Wahl in ein minderes Vorstandsamt. Damit setzt sich die Serie der "feindlichen Übernahmen" von CSU-Positionen fort. Regie führen dabei meist junge, karrierebewusste Politiker.

Die Nachricht vom Sieg Barettis erschien streikbedingt lediglich in einem Teil unserer Auflage.

Podiuk erklärte bei der Delegiertenversammlung schon in Vorahnung des Ergebnisses: "Ein Politiker muss das aushalten können." Bei der Versammlungsmehrheit konnte Podiuk nicht mehr auf einen Stimmungsumschwung hoffen, verzichtete auf direkte persönliche Attacken und wünschte sich lediglich "einen menschlichen Umgang miteinander". Baretti sagte, er wolle nicht noch weitere zwei Jahre zuwarten und hielt Podiuk entgegen: "Es gibt keine Erbhöfe."

Fritz Winklmaier, Kreisgeschäftsführer und langjähriger Weggenosse Podiuks, scheidet "tief frustriert", aber freiwillig aus dem Amt. Er appellierte an die Konkurrenten: "Reißt euch zusammen, macht eine Zeitschiene aus, in zwei Jahren geht es einvernehmlich und in Frieden über die Bühne."

Handwerksprädident und MdL Heinrich Traublinger, als Neuperlacher Ortsvorsitzender von den jungen CSU-Garden selbst schwer gebeutelt, appellierte vergeblich: "Wir tun uns einen Gefallen, Hans Podiuk zu wählen." Sein Bekanntheitsgrad sei auch dank der OB-Kandidatur im letzten Jahr ausgesprochen hoch.

Doch die Sache war längst gelaufen, die Bataillone standen durchgezählt bereit - da gab es nichts mehr zu rütteln. Manfred Kostinek hielt dagegen: "Wir brauchen einen Generationswechsel, ein junges, dynamisches Blut gehört amal hinein." Christian Baretti empfahl sich als personifizierten "Neuanfang" im Kreisverband, "als ein Signal nach außen: Wir sind wieder da". Und als gäbe es keinen Zwist mit dem noch amtierenden Vorsitzenden Podiuk erklärte Baretti: "Wir sollten uns schlagkräftig am politischen Gegner reiben und nicht an uns selbst."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Seit Heim-WM ständiger Begleiter - DFB-Umbruch fordert beliebtes Opfer
Nationalmannschaft: Oliver Pochers Stadion-Hymne „Schwarz und Weiß“ ist nach zwölf Jahren nicht mehr das DFB-Lied. Im neuen National-Elf-Song geht es um die Liebe.
Seit Heim-WM ständiger Begleiter - DFB-Umbruch fordert beliebtes Opfer

Kommentare