"Daran kann auch die SPD nicht vorbeigehen"

- VON JOCHEN SCHRÖDER Rottach-Egern - Gern würde SPD-Kreisvorsitzender Hans Pawlovsky den Namen des in Stasi-Akten als "IM Albers" geführten Bernt Engelmann wieder rein waschen und auch den nach ihm benannten SPD-Kulturpreis wieder verleihen. Doch dies scheint schwieriger als erwartet: Nach einem Gespräch mit einem Vertreter der Stasiunterlagen-Behörde musste Pawlovsky Passagen einer Presseerklärung nachträglich streichen, die er zuvor der Heimatzeitung zugeleitet hatte.<BR>

<P>"Genugtuung für Bernt Engelmann", so beginnt das ursprüngliche Schreiben Pawlovskys, der den deutschlandweit in die Schlagzeilen geratenen Rottacher als Opfer postumer "politisch motivierter Diffamierungsversuche" sieht.<P>Nachdem die daraufhin erfolgten Recherchen der Heimatzeitung abgeschlossen sind, muss der SPD-Kreisvorsitzende diesen Passus streichen. In seiner Erklärung hatte sich der Genosse auf eine von ihm initiierte Recherche bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit ("Birthler-Behörde") berufen und einen Behördensprecher zitiert.<P>Auf Nachfrage der Heimatzeitung konnte sich Christian Booß, zuständiger Pressesprecher der Birthler-Behörde, jedoch nicht an einen Kontakt mit Pawlovsky oder mit anderen Vertretern des SPD-Kreisverbands erinnern, der zu der Pressemeldung geführt haben könnte. Er habe jedoch in der Sache ein Gespräch mit dem wissenschaftlichen Referenten eines Bundestagsabgeordneten geführt, auf das sich Pawlovsky in seiner Mitteilung offenbar gestützt habe.<P>Der SPD-Kreisvorsitzende bestätigte auf Anfrage der Heimatzeitung, die Engelmann-Recherche nicht selbst geführt zu haben. Er wollte jedoch weder die Identität des von ihm beauftragten Rechercheurs noch die des Bundestagsabgeordneten preisgeben. Pawlovsky: "Der beauftragte Rechercheur hat die Äußerungen von Herrn Booß nicht zur Gänze richtig wiedergegeben, sondern teilweise missinterpretiert."<P>"Ob Bernt Engelmann ein IM war oder nicht, kann man mit der bisherigen Aktenlage weder be- noch widerlegen", erläuterte Booß.Fakt sei, dass die Stasi Engelmann als IM geführt habe. Das von Pawlovsky geäußerte Statement zur Entlastung Engelmanns ("diese Informationen der Behörde über Engelmann sind fragmentarisch und sehr rudimentär") ist dem Pressesprecher zufolge "wenn auch wahr, so doch nicht aussagekräftig": Seine Behörde habe die Unterlagen über Engelmann als Person der Zeitgeschichte herausgegeben. "Das kann aber nicht dazu führen, dass Engelmann exculpiert werden könnte", so der Behördensprecher. Schließlich würde Engelmann in den Unterlagen als "IM Albers" und als "auf ideologischer Basis angeworben" bezeichnet. "Daran kann auch die SPD nicht vorbeigehen", so Booß.<P>In seiner korrigierten Presseerklärung hatte der SPD-Kreisvorsitzende auf Drängen Booß` die Passage gestrichen, "Bernt Engelmann wird von der Behörde als Person der Zeitgeschichte geführt, nicht als IM der Stasi". "In der jetzigen Form können beide Seiten damit leben", sagt Pawlovsky.<P>Für die vorerst ausgesetzte Kulturpreisverleihung haben die Ergebnisse laut Pawlovsky vorerst keine Bedeutung. Er wolle die Engelmann-Unterlagen selbst durchsehen und zudem "durch einen Wissenschaftler prüfen lassen", wenn sie bei ihm eingetroffen seien. Sodann werde man sich im SPD-Vorstand über das weitere Vorgehen verständigen.<P>

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