Deutsche Merkwürdigkeiten in 600 Stunden

- Penzberg – Zwei Dutzend Frauen pauken deutsche Grammatik. Sie stammen aus Polen, Serbien, aus Bosnien, der Türkei und dem Kosovo. Im Raum nebenan toben ein- und zweijährige Kinder durch ein Spielzimmer. Die Frauen haben einen Integrationskurs belegt, der erstmals in Penzberg angeboten wird. Ohne diese Premiere hätten sie nach Weilheim oder Murnau fahren müssen – was den Müttern bei einem täglichen Intensivkurs über sechs Monate (insgesamt 600 Stunden) kaum möglich wäre. Für einen Teil ist er Pflicht, andere besuchen ihn freiwillig.

von wolfgang schörner <P>&#8222;Ich verstehe Deutsch, aber ich spreche es schlecht&#8220;, sagt Esma Karaismailoglu. Deutsch sei jedoch wichtig beim Doktor, beim Einkaufen und bei Behörden. Deshalb hat sich die Türkin, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt, angemeldet. &#8222;Ohne Deutsch findet man keine Arbeit&#8220;, fügt die Tunesierin Layla Moenes an. Das bestätigt Sozialpädagogin Nermina Idriz, die den Integrationskurs nach Penzberg geholt hat. &#8222;Bei jeder Arbeit, selbst als Putzfrau und Küchenkraft, wird heute Deutsch verlangt.&#8220; <P>Konzentriert sitzen die Frauen vor ihren Büchern. Lehrerin Ursula Werner vom Bildungskolleg Weilheim bildet mit ihnen korrekte Sätze. Ist es sehr schwierig? &#8222;Nein, Französisch ist schwieriger&#8220;, antwortet die Tunesierin Layla Moenes, die auch Englisch spricht. Tatsächlich lernen einige Frauen schneller, andere langsamer. Das hänge von Alter und Bildungsniveau ab, erklärt Ursula Werner (&#8222;Frauen sind normalerweise fleißiger als Männer&#8220;). Die Unterschiede in diesem Kurs hielten sich aber in Grenzen. <P>Quälen müssen sich die Frauen an diesem Tag mit Merkwürdigkeiten der deutschen Sprache &#8211; wieso man &#8222;aus der Türkei&#8220; und nicht &#8222;aus der Serbien&#8220; sagt und wieso es &#8222;das&#8220; Mädchen heißt, obwohl es eindeutig weiblich ist. In Penzberg läuft der Kurs, der auf Mütter zugeschnitten ist, je vier Stunden an vier Tagen in der Woche und das über viele Monate. Auch 30 Stunden in Landeskunde gehören dazu. &#8222;Motiviert sind alle&#8220;, sagt Ursula Werner, die seit über zehn Jahren Deutsch lehrt. <P>Der Kurs hat eine Vorgeschichte. Sozialpädagogin Nermina Idriz, Ehefrau des Penzberger Imam, unterrichtete bereits muslimische Frauen in Deutsch. &#8222;Ich habe gewusst, dass das nicht das Wahre ist, weil sie einen intensiven Kurs und eine Bescheinigung brauchen.&#8220; Daher bemühte sie sich, einen staatlich anerkannten Integrationskurs nach Penzberg zu holen. Ausländeramt und Bildungskolleg Weilheim halfen ihr. Offen ist der Kurs für Frauen aus allen Ländern, die Minderheit gehört zur Islamischen Gemeinde. Überrascht ist Nermina Idriz, wie viele Frauen sich angemeldet haben. &#8222;Man sieht: Der Bedarf ist groß.&#8220; <P>Eine Voraussetzung für viele Frauen, um teilnehmen zu können, ist die Kinderbetreuung. Diese bietet die Islamische Gemeinde mit Hilfe der Penzberger Arbeitsgruppe Integration und der Stadt an. Die Kinderpflegerinnen Xhemile Coban und Birgit Wirth kümmern sich um die Kleinen. Auch Nermina Idriz (&#8222;Das ist richtige Integrationsarbeit, wir bereiten sie auf den Kindergarten vor&#8220;) passt auf die 13 Buben und Mädchen auf. Wichtig ist ihr aber noch etwas anderes: &#8222;Die Mütter sollen ein gutes Gewissen haben und sich nicht vom Lernen ablenken lassen.&#8220; <P>

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