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"Die aufgerissene Lücke tut weh"

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- Wittislingen/Schrozberg - Die schreckliche Nachricht von der Familientragödie ging wie ein Lauffeuer durch die schwäbische Gemeinde Wittislingen. Ungläubigkeit, Entsetzen und Sprachlosigkeit herrschten, als die Menschen in dem knapp 2500 Einwohner zählenden Dorf im Landkreis Dillingen von dem Drama beim Zugunglück mit sechs Toten im nahen Baden-Württemberg erfuhren. Bei dem Unfall am Mittwoch waren neben den beiden Lokführern aus Aschaffenburg auch eine 38 Jahre alte Frau sowie ihre zwölf, zehn und fünf Jahre alten Kinder aus ihrem Dorf ums Leben gekommen. Der Ehemann wurde schwer verletzt.

Nach einer mehrtägigen Radtour war die Familie auf dem Rückweg in ihren Heimatort. Bürgermeister Reinhold Sing sagt sichtlich bewegt, er sei "innerlich berührt" und tief getroffen. Er habe die Familie gut gekannt, wie die meisten in der kleinen Gemeinde. Es seien "untadelige Leute" gewesen, "angenehm und positiv". Er hoffe, dass nun wenigstens der schwer verletzte Familienvater überleben werde. "Tief erschüttert" zeigt sich auch der Dillinger Landrat Anton Dietrich: "Es ist unfassbar, dass durch diesen Unfall eine ganze Familie aus einer Gemeinde in unserem Landkreis in schweres Leid gestürzt worden ist."

Der nach dem schrecklichen Unglück in einer Würzburger Klinik liegende Ehemann hatte sich in Wittislingen eine Praxis als Krankengymnast und Physiotherapeut aufgebaut, in der seine Frau mithalf. Die Kinder - Julia, Simon und Manuel - waren beliebt, der zehnjährige Simon sollte ins Gymnasium übertreten. "Die Kinder sind mit den unsrigen in die Schule gegangen", sagt Wolfgang Fink, Allgemeinarzt am Ort, der nach eigenen Angaben häufig mit der Physiotherapiepraxis zusammenarbeitete.

Wittislingen ist ein kleines Dorf nordwestlich der Kreisstadt Dillingen a. d. Donau. Die Grenze zu Baden-Württemberg ist nur ein paar Kilometer entfernt. Viele aus dem Ort arbeiten in dem benachbarten Bundesland, andere in Lauingen und Dillingen. Die Gegend mit ihren vielen gefluteten Kiesgruben ist ein Erholungs- und Badegebiet, das in seiner Struktur ländlich geblieben ist.

Die Züge waren am Mittwoch kurz nach 12 Uhr auf einer eingleisigen Strecke etwa 300 Meter vom Bahnhof Schrozberg bei Schwäbisch Hall entfernt kollidiert. Nach Angaben der Ermittler handelte es sich um den Regionalexpress 19534 aus Crailsheim und den aus Aschaffenburg in südlicher Richtung entgegenkommenden Regionalexpress 19533.

Auch der katholische Pfarrer Alois Lehner ist über die schreckliche Nachricht vom Leid der Familie erschüttert. "Ich habe die Kinder ja hautnah in der Schule erlebt, die Eltern waren in der Gemeinde aktiv und beliebt", sagt er. Simon

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