Dom-Organist Franz Lehrndorfer fühlt sich weg gemobbt

- Kulturpreisträger kündigt seine Stelle

VON MAX FREISLEDER Germering - Franz Lehrndorfer hat Friedrich Kardinal Wetter versprochen, dass er damit nicht an die Presse geht. Der Musikprofessor, international bekannte Organist und Germeringer Kulturpreisträger war in München eine Institution. 33 Jahre lang bekleidete er das Amt des Dom-Organisten. Wegen eines Streites mit Dom-Kapellmeister Karl Ludwig Nies hat der 74-jährige Lehrndorfer zum 31. Oktober sein Amt gekündigt.

Streit schwelt schon seit zehn Jahren

Damit er sein Wetter gegebenes Versprechen nicht bricht, lässt Lehrndorfer seine Frau Ingeborg erzählen. Demnach schwelte der Streit zwischen dem 50-jährigen Kapellmeister und dem Meister der Orgel schon seit zehn Jahren. "Es gab immer wieder Unstimmigkeiten, aber mein Mann hat immer geschluckt", blickt Ingeborg Lehrndorfer zurück. Jetzt sei eben der Punkt gekommen, an dem es reiche: "So etwas muss er sich bei seiner künstlerischen Qualifikation einfach nicht bieten lassen", sagt Frau Lehrndorfer über ihren Ehemann.

Zu Ostern sei es zum Eklat gekommen: Nies ließ Lehrndorfer nicht zu Ende spielen, schrie ins Orchester hinein und hielt sich die Ohren zu. Lehrndorfer ist der Ansicht, die Gottesdienstgemeinde müsse beim Gesang mit Begleitspiel "geführt" werden, Nies nicht. Immer mehr versucht der Kapellmeister das musikalische Programm der Gottesdienste zu bestimmen, irgendwann reißt bei dem Organisten der Geduldsfaden.

"Er lässt sich von Nies nicht vorschreiben, was er zu spielen hat", sagt Frau Lehrndorfer. Seit über 30 Jahren habe der Meister seine musikalische Freiheit und gerade das mache sein Spiel unverwechselbar. So wie an Ostern, heißt es, habe sich Nies nicht zum ersten Mal aufgeführt. Der Dom-Kapellmeister hat sich zwar in einem Brief an den Dom-Organisten entschuldigt. Aber für Lehrndorfer war das Maß einfach voll. Nicht musikalische, sondern "menschliche" Gründe seien es gewesen, die ihm eine weitere Zusammenarbeit unmöglich machten.

Trotz Kündigung sei "der Fall noch offen", ist von Ingeborg Lehrndorfer zu hören. Der gerade im Urlaub weilende Dom-Dekan hat den Organisten nämlich im September zu einem Gespräch eingeladen. Es könnte sein, dass es dabei auch darum geht, ob Franz Lehrndorfer in irgendeiner anderen Form dem Dom als Organist erhalten bleibt. Er wolle aber einem jüngeren Nachfolger auf keinen Fall im Weg stehen, sagt seine Frau. Der soll als bisheriges Mitglied des Chores angeblich schon in den Startlöchern stehen. Für die Familie gibt es keinen Zweifel, worum es sich in diesem Fall handelt: "Mobbing!", erklärt Ingeborg Lehrndorfer knapp.

"Kardinal Wetter hat in mehreren Einzelgesprächen versucht, ein einverständliches Miteinander der beiden Kirchenmusiker zu erreichen. Das ist leider nicht gelungen", lässt das Ordinariat verlauten. Die jetzt frei gewordene Organistenstelle soll ausgeschrieben und bis zum 1. November neu besetzt werden . Durch jemanden, der "den künstlerischen Ansprüchen an einen Dom-Organisten an einer Kathedralkirche genügt".

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