Ruf wie Donnerhall

- Gernot Körner geht als Amtsgerichtsdirektor in den Ruhestand

Garmisch-Partenkirchen - Aus "persönlichen Gründen" tritt Amtsgerichtsdirektor Gernot Körner mit Wirkung 12. November 2003 in den vorzeitigen Ruhestand. Das bestätigte dem Tagblatt Justizpressesprecher Michael Graul. Der 64-jährige Körner, der seit einigen Jahren unter einer schweren Augenerkrankung leidet und deshalb teilweise schon über mehrere Wochen hinweg keinen Dienst verrichten konnte, hätte im Oktober des nächsten Jahres die Altersgrenze erreicht. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Derzeit führt laut Graul Richter Dieter Klarmann die Amtsgeschäfte.

Körner hatte sich nach vergleichsweise liberalen Anfängen als Jurist in München über viele Jahre hinweg den Ruf eines besonders scharfen Richters erworben. Das Amtsgericht in Garmisch-Partenkirchen machte in der Ära Körner immer wieder durch Urteile von sich reden, die in der zweiten Instanz am Landgericht in München oftmals keinen Bestand hatten. "Je höher die Berge, desto höher die Urteile", dieser Spruch machte auf den Fluren des Landgerichts in München die Runde.

Mit vielen Anwälten verband Körner während seiner 19 Jahre als Direktor des Amtsgerichts in Garmisch-Partenkirchen ein ausgesprochen angespanntes Verhältnis. Verschiedene Dienstaufsichtsbeschwerden versandeten allerdings in schöner Regelmäßigkeit. Mit Polizeiinspektion und Kripo kam Körner indes sehr gut klar.

Im Jahr 1993 brachte es Gernot Körner bundesweit in die Schlagzeilen, als sich ein Untersuchungshäftling nur Stunden nach der Vernehmung durch den Richter das Leben nahm. Körner wurde vor allem deshalb massiv kritisiert, weil er es zugelassen hatte, dass die Vernehmung vom Nebenzimmer aus von zwei Jugendlichen - darunter seiner Tochter - mitverfolgt werden konnte. Die Kritik hatte Folgen - vor allem für lokale Medienverteter, die sich fortan immer wieder in ihrer Arbeit behindert sahen. In einem 45-minütigen ARD-Fernsehbeitrag über Missstände in der deutschen Justiz, der heuer im März ausgestrahlt wurde, wurde dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen die zweifelhafte Ehre zuteil, eine besondere Würdigung zu erfahren.

Die Stelle des Amtsgerichtsdirektors ist bayernweit ausgeschrieben worden. Der Bewerbungsschluss sei kürzlich abgelaufen. Das Oberlandesgericht München werde nun einen Besetzungsvorschlag unterbreiten, sagte der Justizsprecher. Die neue Ministerin Dr. Beate Merk werde dem Präsidialrat, einer Richtervertretung, einen Kandidaten benennen.sto

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