Dorfen will "Hemadlenzen" bewahren

Absage an "kulturelle Revolution": - Dorfen - Franz Streibls "Kritische Gedanken zu den Ursprüngen des Hemadlenzenbrauches in Dorfen" kommen einer kulturellen Revolution gleich. Jahrezehntelang wurde in Dorfen nach bestem Wissen und Gewissen von den Hemadlenzen im Glauben an die Tradition der Winter ausgetrieben. Und das soll alles nicht stimmen? Eingefleischte Hemadlenzen können dies nicht glauben.

Die erste Reaktion des langjährigen KG-Präsidenten und jetzigen Vize-Präsidenten Reinhold Kuliga auf die "Enthüllungen" Streibls: "Ein so ein Schmarrn." Er könne sich nicht vorstellen, dass ganze Generationen von Dorfenern, die einmal im Jahr zum Hemadlenzen wurden, dem völlig falschen Brauch gehuldigt hätten. Dass die Hemadlenzen den Winter austrieben, sei eine alte Überlieferung, die vor allem von den legendären Dorfener Faschingsoberen Franz Anneser und Goggi Thalmeier weitergepflegt worden sei. Eine Strohpuppe werde als Symbol des Winters zwar erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts verbrannt, das ändere aber nichts an der Intention des Hemadlenzenumzuges.

Für "fragwürdig" hält auch Altbürgermeister Hermann Simmerl die Thesen Streibls. Zwar lägen die Ursprünge des Hemadlenzenumzuges "im Nebulösen", dennoch hält er die Variante, dass die Hemadlenzen den Winter austreiben, für die "glaubwürdigste, weil am sinnvollsten". Simmerl, der seit Jahren das Dorfener Stadtarchiv führt und vor seiner Zeit als Bürgermeister als Pädagoge an der Dorfener Hauptschule unterrichtete, räumt zwar Diskussionen um den Ursprung des Hemadlenzenumzuges Platz ein, hält aber nichts davon, das alte Dorfener Brauchtum ohne stichhaltige Beweise auflöschen zu wollen. Hier, so mutmaßt Simmerl, spielte möglicherweise eine persönliche Abneigung gegen die Hemadlenzen mit eine Rolle.

"Über die Frage, wo die Ursprünge des Dorfener Hemadlenzn liegen, ob es sich um einen einzigartigen Brauch handelt, der nur in Dorfen gepflegt wird, oder welche Deutungen er zulässt, darüber lässt sich trefflich diskutieren", kommentiert Bürgermeister Josef Sterr die entfachte Diskussion. Der Hemadlenz habe sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gewandelt. Seitens der Stadt könne festgestellt werden, dass der Brauch des Hemadlenzen in Dorfen und weit darüber hinaus eine feste Größe darstelle. Sterr: "Ob nun einzelne Bestandteile wie das Verbrennen der Puppe die Austreibung des Winters symbolisieren sollen und ob dies historisch belegbar ist, hat keine gravierende Aussagekraft. Sicher sind auch Auswüchse entstanden, die niemand für Gut heißen kann. Letztendlich bleibt es aber ein Brauch, der in unserer Region fest mit Dorfen und seinem Fasching verwurzelt ist."

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