Drei Leichen im Keller

- VON JOSEPH RÖHMEL Poing - Die "Teufelsweiber" sind unterwegs. Sie setzen ihre eigenen Ehemänner in der Wüste Gobi aus und hoffen, dass sie ein Löwe frisst. Vier Frauen und ihr Programm: "Damenwahl! Es bitten zum Kriminaltango", schockten am Samstag die Männerwelt in der Poinger Hauptschule. Poings Bürgermeister Albert Hingerl etwa sagte nach der Veranstaltung: "Wenn es um Mord und Totschlag geht, muss man ernst bleiben." <BR>

<P>Die Damen wollten jedoch niemanden kränken und meinten bereits vor ihrem Auftritt: "Wir sind keine Superfeministinnen". Pez Hitzginger, Agnes Kraus, Doris Seitner und Claudia Rita Burkhardt erzählen und singen Kriminalkurzgeschichten. Wenn sie auf der Bühne stehen, sind Männer die Opfer und Frauen die Täter.<P>Sechs Wochen brauchten die Vier, um ihr Programm einzustudieren. Seit Beginn vergangenen Jahres treten sie nun bereits gemeinsam auf. Momentan touren sie durch Bayern, um eine Botschaft weiterzugeben: "Frauen sind keine Engel und können so herzlos sein." Inzwischen sind sie sogar so unverschämt, dass sie dem Besucher den Geschmack diktieren. "Finden sie einen Krimi, der besser ist als dieser", sagten die Damen in einem kurzen Stück, das an die Fernsehwerbung der Brillenfirma Fielmann erinnerte. "Vergessen sie`s", war die erwartete Antwort.<P>Dem Selbstlob konnte Traudlinde Gartler aus Poing nur zustimmen. "Ich finde dieses Kabarett sehr gut, weil das Programm abwechslungsreich gestaltet ist", sagte Gartler und Bernd Bautz, ebenfalls aus Poing, freute sich "mal was anderes zu sehen". Oder zu hören.<P>Die Damen verrieten, dass sie drei Leichen im Keller haben. Es ist die "Mordlust", die sie zu diesem Kabarett-Programm trieb und deshalb erfanden sie ein tötendes Frauen-Ungeheuer. Sie sangen die Geschichte der Mörderin und ihrer ausschließlich männlichen Opfer. <P>Der erste war der Ehemann. Er musste sterben, "Mörderischer" Spaß für die Zuschauer weil er "Stroh im Kopf" hatte, der Zweite war ein Detektiv, der die erste Leiche roch, und der Dritte wollte einfach nur die Hobbys mit seiner Partnerin teilen. Aber allein sind die mordlustigen Damen nicht. Auf der einen Seite das Publikum und auf der anderen Seite gibt es ja immer noch die toten Herren im Keller.<P>Sie dürfen einmal im Jahr an die frische Luft, um mit ihrer Mörderin einen grausigen Leichenschmaus zu halten. Vielleicht auch, um der Tradition der männermordenden Giftmischerin Trufania zu gedenken. "Sie brachte es auf 600 eigene Männermorde", erzählen die Damen, von denen nur eine verheiratet ist. Trufanias Motiv: "Hass auf Männer", den man Hitzginger und ihren Kolleginnen jedoch nicht unterstellen kann.<P>"Wir wollen, dass unsere Zuschauer einfach nur ihren Spaß haben", sagten sie vor ihrem Auftritt und sie bleiben auch selbstkritisch. Mit Hilfe ihres "Mädchens für alles", genannt Harald Oppitz, wollen sie alle Auftritte auf eine DVD pressen. "Damit wollen wir analysieren, was wir noch besser machen können", sagte Hitzginger in der Umkleidekabine, die von den Damen nach ihrem Auftritt nur kurz genutzt werden konnte. Die Zuschauer forderten noch eine Zugabe.<P>

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