Drohne aus Penzberg sucht Saddams Waffen

- Firma stellt Motorsegler her

VON ANDREAS BAAR Penzberg/Prizren - Lautlos kreist die "Luna"-Drohne über den Stellungen albanischer Guerilla-Kämpfer. Die eingebaute Videokamera sucht nach illegalen Waffentransporten - Alltag im Einsatz der Bundeswehr auf dem Balkan. Der Motorsegler ist für die im Kosovo und Mazedonien patroullierenden Soldaten das "fliegende Auge". Jetzt soll das "Luna"-System den UN-Inspektoren im Irak helfen, Massenvernichtungswaffen aufzuspüren - mit deutschen Soldaten als UN-Personal. Entwickelt und produziert wird der unbemannte Aufklärer bei der Firma "EMT" in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau).

Die deutschen Soldaten sind angetan von ihrem Aufklärer. "Man kann sehr gut Veränderungen an Gebäuden feststellen, Verlagerung von Material", sagt ein Offizier im Kosovo. Lob, dass man bei der Firma "EMT Ingenieurgesellschaft" in Penzberg gerne hört. Die Bundeswehr war laut Geschäftsführer Helmut Batton der erste - und bislang einzige - Kunde für die seit 1996 entwickelte "Luna X-2000". Mittlerweile hat das Modell mehr als 400 Flüge im Rahmen von friedenserhaltenden Einsätzen hinter sich gebracht.

Vier Meter Spannweite hat die Drohne. Sie ist mit Elektronik voll gestopft. Die Reichweite liegt bei 80 Kilometern, die Flugdauer bei zwei bis vier Stunden. Gesteuert wird "Luna" vom Boden aus über einen Joystick. Die Videokamera überträgt Bilder aus einem Umkreis von 45 Kilometern auf die Monitore der Aufklärer und weiter in den Gefechtsstand. Das Flugzeug ist nicht billig - allerdings schweigt sich der Hersteller über Stückpreise und Stückzahlen aus.

Bald könnten die ersten deutschen Drohnen über dem Irak kreisen. Für die UN-Inspektoren bliebe weniger dem Zufall überlassen, begründen Strategen die Idee. Doch was ist mit den Bundeswehr-Soldaten? Lösung: Die Deutschen sollen für den "Luna"-Einsatz als UN-Personal eingestuft werden. Die unbemannte Drohne sei ja selbst keine Waffe, mehr eine Art "Fotoapparat", heißt es bei den Streitkräften.

Vor zwei Jahren lieferten die Penzberger Entwickler noch Experimentalsysteme aus, mittlerweile wird laut Geschäftsführer Helmut Batton heuer für die Bundeswehr erstmals serienmäßig produziert. Noch kaufe nur die Armee, aber es gebe "internationale Interessenten". Auch sei eine zivile Nutzung denkbar: bei der Verkehrs- und Waldüberwachungen oder bei Wettermessungen.

Übrigens: Weil die Bundeswehr von ihrer Drohne so angetan ist, hat sie auf ihrer Jugendseite ein Computerspiel installiert. Der Titel: "Luna-Mission."

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