Durchbruch für den Tunnel

Bayern: - Starnberg - Seit Jahrzehnten ist er im Gespräch, jetzt könnte schon morgen mit dem Bau des Entlastungstunnels unter Starnberg begonnen werden. Doch die erhoffte Baugenehmigung durch die Regierung von Oberbayern ist nur die eine Seite. Denn nicht alle schreien Hurra: Zu lange war der Tunnel Zankapfel und wird es wohl bleiben. Und auch das nötige Geld wird vor 2010 wohl nicht fließen.

Wer im Berufsverkehr durch Starnberg muss, ist ein armer Hund. Denn Starnberg erstickt förmlich im Verkehr. Der früher als Olympia-Straße bekannte heutige B 2-Abschnitt zwischen München und Garmisch-Partenkirchen geht mitten durch die Stadt. Verschlimmerung brachte der Bau des Starnberger Astes der A 95, der zweispurig in die Stadt führt, obwohl es ab dem Tutzinger-Hof-Platz nur einspurig Richtung Süden weiter geht. Hinzu kommen seit dem Ringschluss der A 99 im Westen steigende Belastungen aus Norden.

Weil die Stadt auf einer Seite den See hat, sonst von Landschaftsschutzgebieten umzingelt ist, kam man schon früh auf die Idee, einen Entlastungstunnel zu fordern. Er war und ist Teil des Konzeptes Seeanbindung: Verkehr soll raus aus der Innenstadt. Deshalb wurde der Bahnhof Nord gebaut. Pläne, dafür den Seebahnhof nur noch als S-Bahn-Haltepunkt fortzuführen, scheiterten aber, weil der Regionalzughalt nur am See abgewickelt werden kann. Somit bleibt auch der Zubringerverkehr erhalten.

Spätestens seit den 70er Jahren spielte der Tunnel bei Kommunalwahlen eine Rolle, tatsächlich in Angriff genommen wurde er aber erst 1988 mit dem Raumordnungsverfahren. Schon zu dem Zeitpunkt gab es eine Reihe von Bürgern, die statt der Röhre lieber eine Umgehungsstraße gehabt hätten. Zuerst wurde dafür eine weiträumige Trasse präferiert. Die Behörden lehnten sie ab, weil sie das Würmtal beeinträchtigt hätte. Heute wird eine ortsnahe Straßenführung bevorzugt.

Der Streit entzweite auch die Parteien. 1990 trat Walter Jann aus der CSU aus und gründete die Bürgerliste (BLS), die sich seitdem mal mehr, mal weniger, jetzt wieder stark für eine Umgehung einsetzt. Bislang haben die Starnberger die Versprechungen, der Tunnel komme nun bald, gar nicht mehr ernst genommen - zu offensichtlich war, dass die Parteien dies stets vor Wahlen zum Thema machten, es tatsächlich aber nicht voran ging.

Stadt will Geld vom Bund noch vor dem Jahr 2010

Erst als 2002 der frisch gekürte Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger (BLS) Runde Tische mit Bürgern und Experten zur besten Verkehrslösung veranstaltete, legte sich der Stadtrat auf den Tunnel fest. Seitdem wurden die Planungen kontinuierlich vorangetrieben. Im Starnberger Rathaus freute man sich gestern über den positiven Bescheid, der "sofort vollziehbar" wäre und auch durch Klagen keine aufschiebende Wirkung hätte. Dass im aktuellen Investitionsrahmen des Bundes bis 2010 kein Geld für das Projekt eingeplant ist, will man bei der Stadt aber nicht hinnehmen: "Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, dass sich daran etwas ändert", verspricht Stadt-Sprecher Springer.

Auch interessant

Kommentare