Edeltraut Klapproth am Sonntag 95 Jahre

- Karlsfeld (sch) - Die Karlsfelder Malerin Edeltraut Klapproth feiert am morgigen Sonntag ihren 95. Geburtstag. Sie ist die älteste Karlsfelder Künstlerin und eines der Gründungsmitglieder des Karlsfelder Kunstkreis, der ihr bei ihrer Ausstellung zum 85. Geburtstag die Ehrenmitgliedschaft verlieh. Geboren wurde Edeltraut Klapproth am 13. Juni 1906 in Billingen an der Saar. Um 1935 zog ihre Familie nach Karlsfeld und kaufte dort die Jugendstil-Villa am Bahnhof, wo Edeltraut Klapproth aufwuchs. Doch schon während des Krieges musste der Vater das große Haus verkaufen, weil die Steuern auf Münchner Grund zu teuer wurden. Nicht weit davon entfernt, aber auf Landkreis-Boden, baute er für die Familie ein eigenes Haus. Nach ihrer Heirat zog Edeltraut Klapproth nach Ostpreußen, kehrte aber schon nach dem Krieg 1945 mit acht Kindern im Flüchtlingstreck nach Karlsfeld zurück. Ihr Mann Erich war im Krieg gefallen.<BR>

Von Kindesbeinen an fühlte sich Klapproth zur Kunst hingezogen. Sie wuchs in einer kunstsinnigen Familie auf, in der Theater gespielt und gedichtet und oft ins Theater gegangen wurde. Mit neun Jahren fing Klapproth an zu zeichnen und zu malen, besuchte eine Malschule und nahm später Einzelunterricht. Ihre Leidenschaft galt damals dem Porträtieren. Um ihre acht Kinder zu erziehen, musste Klapproth mit der eigenen Kunst einige Jahre lang zurückstecken, doch porträtierte sie oft ihre Kinder und Enkelkinder. Später wandte sie sich der Landschaftsmalerei zu, reiste nach Afrika, Amerika und Griechenland und entdeckte das Dachauer Hinterland. Mit ihrem blauen Käfer fuhr sie durch die Gegend und zeichnete. Gelungene Motive malte sie zuhause in Öl. "Entdeckt" wurde Edeltraut Klapproth 1972 vom Vorstand des Karlsfelder Kunstkreises Dieter Kleiber-Wurm, der 1972 bei Krauss-Maffei eine große Ausstellung für sie organisierte. Seitdem zeigte sie ihre Bilder regelmäßig in eigenen Ausstellungen.<P>Die Künstlerin veröffentlichte auch drei Bücher, die sie selbst illustrierte. Alle drei Bände sind mittlerweile vergriffen.<P>Seit 2000 lebt Klapproth im Caritas-Altenheim St. Josef, wo sie sich sehr wohl fühlt. Nach überstandener Krankheit griff sie sogar wieder zum Pinsel und malt seitdem mit neuem Elan nach alten Vorlagen und aus dem Gedächtnis. Im vergangenen Jahr veranstaltete sie eine Ausstellung in der Cafeteria des Heimes. Klapproths Bilder erwachsen immer noch aus der reinen Freude am Malen, die pittoresken Motive aus Karlsfeld und Umgebung sind in kraftvoller Geste gemalt. Im Moment hat die betagte Künstlerin eine schöpferische Pause eingelegt und lässt den Pinsel ruhen. Die Malsachen dürfen jedoch nicht weggeräumt werden, wie Tochter Gudrun Navroth versichert.<P>

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